Das Entsetzen ist ihrer Stimme auch nach einer Woche noch anzuhören. "Ein Bild des Grauens" bot sich einer Spaziergängerin am vergangenen Dienstag. Beim Spaziergang im Wald bei Memmelsdorf entdeckte sie eine riesige Blutlache. "Neben dem Forstweg Richtung Pödeldorf stand im Entwässerungsgraben auf eine Länge von über drei Metern das frische Blut. Es war kein kleines Rinnsal, sondern eine breite, tiefe Menge", berichtet die Frau, die namentlich nicht genannt werden will.

Was war geschehen? Am Tag zuvor hatte in dem Staatswald eine Drückjagd stattgefunden. Dazu waren aus Sicherheitsgründen sogar alle Waldwege und die Verbindungsstraße nach Meedensdorf gesperrt worden. "Das ist nichts Ungewöhnliches, doch noch nie bot sich mir nach einer solchen Treibjagd ein Bild wie am darauf folgenden Tag", sagt die Memmelsdorferin dazu, die selbst regelmäßig im nahen Wald spazieren geht.

Zunächst sei sie davon ausgegangen, "dass dieses Horrorbild sicher noch beseitigt wird". Bei einem weiteren Spaziergang wenige Tage später musste sie feststellen, dass alles noch unverändert war. Lediglich der hölzerne Bauwagen der Jäger sei entfernt worden. Sie habe auch ihren Mann mitgenommen, um sich zu versichern, dass sie in ihrem ersten Schrecken nicht überreagiert habe. "Der Blutsee war noch da." Auch auf dem Rad- und Fußweg nach Meedensdorf sowie auf anderen Wegen im Wald seien Blutlachen zu finden gewesen. Sie habe daraufhin beim zuständigen Forstbetrieb Forchheim angerufen. "Nach Auskunft des zuständigen Mitarbeiters ist kein Beseitigen des Blutsees vorgesehen, weil das nicht nötig oder möglich sei", musste die Frau erfahren.

Für eine Nachfrage war beim Forstbetrieb am Montagnachmittag niemand zu erreichen. Vom Landratsamt Bamberg als zuständiger Jagdaufsichtsbehörde heißt es: "Der Aufbruch kann im Wald verbleiben." Allerdings sollten die tierischen Überreste, zu denen auch das Blut gehört, "gemeinwohlverträglich zurückgelassen werden". Ob diese Vorgabe im vorliegenden Fall erfüllt wurde oder nicht, dafür hätte es - außer der Schilderung der Frau aus Memmelsdorf - bisher keine weiteren Belege gegeben, so Pressesprecher Frank Förtsch. Anhand der nun vorliegenden Fotos wolle man das aber nochmals prüfen und bewerten.

Die Memmelsdorferin hatte sich nach ihrem ergebnislosen Anruf bei den Staatsforsten zunächst an ihren Bürgermeister Gerd Schneider gewandt. "Mich schockiert das Geschehen ebenso wie Sie. Ich hoffe auf Aufklärung durch die zuständigen Fachdienststellen", war dessen erste Reaktion auf das Schreiben der Frau. Verärgert zeigte sich Schneider auch darüber, dass er als Bürgermeister nicht vorab über die Treibjagd und die Straßensperrung informiert worden war. Das Schreiben leitete er über seinen Stellvertreter Jürgen Reinwald, der gleichzeitig Leiter des Fachbereichs Umweltschutz im Landratsamt ist, an die zuständige Aufsichtsbehörde weiter. "Es gibt wohl keine rechtliche Handhabe", leitet Schneider aus der Antwort ab.

Dass die Sperrungen bei Drückjagden trotz des in der bayerischen Verfassung festgelegten freien Betretungsrechts der Wälder rechtlich zulässig und außerdem sinnvoll sind, darüber sind sich Schneider, Förtsch und auch die Spaziergängerin einig. Was bleibt, ist der Aspekt, welches Bild die Hinterlassenschaften, wie etwa die Blutlachen, abgeben. Für die Spaziergängerin stellt sich aber noch eine weitere wichtige Frage: "In Zeiten der Pandemie und speziell während der beiden Lockdowns suchen noch mehr Menschen hier im Wald Erholung. Stattdessen finden sie nun unübersehbar neben dem Weg im Wald ein Bild des Grauens. Familien mit kleinen Kindern, Senioren, Jogger, egal wer auf diesem Hauptforstweg unterwegs ist, muss daran vorbei. Was ist, wenn ein Kind da hinein fasst? Geht davon eine gesundheitliche Gefahr aus? Kann man sicher sein, dass keine Krankheiten durch dieses Tierblut übertragen werden?", schreibt sie. In der momentanen Situation sei das doch ein sehr sensibles Thema. "Geht es nicht auch anders? Könnte man den Menschen, deren Nerven durch die Pandemie eh schon arg beansprucht sind, diesen Anblick und die vermeintlich davon ausgehende Gefahr nicht ersparen? Ich würde mir wünschen, dass der Forstbetrieb den Wald so verlässt, wie er ihn vorgefunden hat."