Es war ein denkwürdiges Schauspiel nach den Vorwürfen der letzten Wochen. Klaus Stieringer (SPD) und Daniela Reinfelder (BUB) bedanken sich bei Norbert Tscherner für dessen Sammeln von Unterschriften. Und Norbert Tscherner sagt zum OB: "Das werden Sie vielleicht jetzt nicht glauben, aber ich muss Sie einmal loben."
Ursache für die ungewohnte Welle der Harmonie unter oft unversöhnlichen politischen Gegnern war die gleiche, die vor vier Wochen noch zu einem Eklat und öffentlichem Schlagabtausch geführt hatte: die Situation auf dem Bamberger Wohnungsmarkt und daran gekoppelt der öffentliche Druck, den 2500 leer stehende Wohnungen auf dem ehemaligen US-Gelände auslösen.

Die Macht der Fakten, sie vermag offenbar auch Frieden zu stiften: Mit dem Sammeln von 6000 Unterschriften hat BBB-Stadtrat Norbert Tscherner den Wunsch großer Teile der Bamberger Bevölkerung nach einem Erhalt der gepflegten US-Immobilien in einem Packen Papier dingfest gemacht. Mit dem einstimmigen Beschluss am Freitag wurde dieser Wunsch gewissermaßen zur offiziellen Politik erhoben.

Über die Details dieser Festlegung haben die Fraktionen länger gerungen. Mit einem Ergebnis, dem am Ende alle zufrieden zustimmen konnten. Danach soll der Wohnraum auf dem US-Gelände, soweit intakt und nutzbar, in möglichst großer Zahl gesichert und im Rahmen der Verhandlungen mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben möglichst bald dem Bamberger Wohnungsmarkt zur Verfügung gestellt werden. Ein Ergebnis, das auch Tscherner zufrieden stellte.

Keine Mehrheit bekam der Stadtrat der Linken Liste, Heinrich Schwimmbeck, für seinen noch weiter gehenden Antrag, alle 2500 Wohnungen zu erhalten. Stadtratsmehrheit und OB Starke weigerten sich, sich jetzt schon auf exakte Zahlen festlegen zu lassen. Durchgewunken wurde dagegen die Empfehlung der drei in einem Wettbewerb favorisierten Planerteams für den Rahmenplan. Für die Entwicklung der Lagardekaserne dienen demnach die Pläne des Büros Pesch und Partner aus Stuttgart. Für die Bereiche östlich des Berliner Rings sollen die Planer um das Team Morpho-Logic zuständig sein. Und von Lorenzen Architekten wird aller Voraussicht nach die höhengleiche Querung des Berliner Rings umgesetzt werden.

Was ist das richtige Rezept für die Bamberger Konversion? Darüber scheint Einigkeit zu bestehen - zumindest im Prinzip. Für die CSU gehört dazu der Erhalt von intakten Wohnungen, aber auch die gelungene Mischung von Wohnen, Gewerbe, Handel und Dienstleistungen. "Wir möchten eine Gestaltungs- statt einer Besiedlungskonversion. Nur die Zäune zu beseitigen und die Tore zu öffnen, reicht nicht, sagte CSU-Sprecher Peter Neller. Sein Wunsch ist der nach Vielfalt, also einem Wohnangebot für alle Ansprüche: Es müsse preisgünstig, aber auch höherwertige Angebote geben. Geschosswohnungen, aber auch Ein- und Zweifamilienhäuser.

Auch Klaus Stieringer freute sich über die Einigkeit. Er betonte auch, dass Bamberg Flächen für Wirtschaft Gewerbe, Handel und Industrie brauche. Zur Unterschriftensammlung von Tscherner sagte er: "Jetzt wissen wir, dass ein großer Anteil der Bürger hinter einem Stadtratsbeschluss steht. Das ist nicht immer so."
Von einer Weichenstellung sprach Ursula Sowa (GAL) und lobte vor allem den Entwurf von "Morpho-Logic" für den dessen zeitliche Abstufung. Vorerst bleibe der gesamte Gebäudebestand stehen. Ihre Prognose: "Hier entsteht ein quicklebendiger, grüner, wunderbarer Stadtteil."



Kommentar des Autors: Ein guter Tag für Bamberg

Was ist das Besondere an Bamberg? Nicht nur, dass es eine ganz besondere Stadt ist. Auch die Bürger sind besonders. Sie engagieren sich, sie mischen sich ein und sind nicht mit der erst besten Lösung zufrieden. Das macht die Politik in dieser Stadt bisweilen kompliziert und langwierig, aber meistens auch fruchtbar. Denken wir an den Streit ums Hainbad, das einmal geschlossen werden sollte. Oder den Protest der Kleingärtner, die bei der Landesgartenschau keine Rolle spielen sollten. Oder die Mauern am Kanal, die über Nacht in den Himmel wuchsen und dann abgesägt wurden.

Jetzt die Konversion und die Debatte um das Abbrechen von intakten Wohnungen. Auch diesmal sieht es so aus, als könnte sich der Streit, die Mühe der Auseinandersetzung, das Fingerhakeln mit den Mächtigen gelohnt haben.

Der Beschluss, den der Stadtrat am Freitag einstimmig gefasst hat, beseitigt zwar noch nicht den Bamberger Wohnungsmangel. Aber er stellt die Weichen in die richtige Richtung.

Die Formulierung, die gefunden wurde, nimmt die Sorgen vieler Menschen auf. Sie ist klar genug, damit das Ziel nicht aus den Augen verloren wird. Und flexibel genug, um auf neue Erkenntnisse reagieren zu können.
Wieder einmal hat es sich bewährt: das Besondere an Bamberg. Sein Bürgersinn.