Natürlich könnte man einfach den Berliner Ring sperren und von der Breitenau Richtung Strullendorf laufen und wieder zurück. Doch was für ein Unterschied wäre solch ein öder Straßenlauf zum schillernden und verwinkelten Rennen durch Bambergs Altstadtgassen. "Neben New York ist das die schönste Stadtstrecke, die ich kenne", schwärmte schon 2002 Joschka Fischer, damals noch deutscher Außenminister. Das war mehr als eine Nettigkeit: Was von oben betrachtet wie der Weg durch ein rätselhaftes Labyrinth aussieht, entpuppt sich aus der Läuferperspektive als eine ständige Steigerung der Eindrücke: Vom Michelsberg bis zum Domplatz, vom Hain bis zum Alten Rathaus reihen sich die Höhepunkte der Stadt wie an einer Perlenkette.

Wie viele tausend Menschen der Weltkulturerbelauf seit 2003 zum Ausdauersport gebracht hat, ist nicht bekannt. Als "Einstiegsdroge" für den vom Bamberger Publikum beflügelten Laufrausch gilt vor allem der elf Kilometer lange Brose-Lauf. Er ist auch ohne monatelange Vorbereitung machbar und erspart den Teilnehmern die Qualen der Steilstrecke hinauf zur Altenburg. Doch auch mit 75 Höhenmetern hat es der Brose-Lauf in sich. Schon manch einer hat das Rennen unterschätzt oder die Tücken des bislang stets heißen Maiwetters. Was kann man tun, um das Ziel am Maxplatz zufrieden zu erreichen? Hier einige Tipps.

Richtig einreihen Die Kunst beginnt bereits beim Start. Wer sich in der Masse von 3000 Läufern falsch einsortiert, wird entweder ständig überholt oder muss vor allem auf den ersten drei Kilometern, wenn das Feld noch eng beieinander ist, selbst ständig überholen, was Kraft und natürlich auch Zeit kostet. Zur Orientierung: Die Elite läuft die Strecke in 35 bis 45 Minuten, im Mittelfeld der 3000 Finisher war man 2013 mit 1:05 Stunden unterwegs. Wer langsamer als 1:10 Stunden läuft, sollte sich im hinteren Drittel anstellen.

Testlauf hilft Einer der Stärken des Welterbelaufs ist sein Charakter als Volkslauf. Hier gilt: Maßstab ist die eigene Freude am Sport, die Lust am Laufen und an der Stadt und nicht die absolute Zeit. Dennoch ist es für die eigene Selbsteinschätzung gut, den Lauf bereits einmal absolviert zu haben. Schon wegen der vielen Ecken und Winkel, die den Lauffluss wechselnd bremsen und beschleunigen. Karten und Straßenverzeichnis gibt es auf der Homepage wkel.de.

Euphoriebremse
Wer einmal den Start von 3000 Menschen erlebt hat, weiß, welche beflügelnde Wirkung das hat. Endorphine unterdrücken den Schmerz und sorgen für hohes Lauftempo auf den ersten Metern. Doch der Euphorie am Anfang folgt die Ernüchterung meist bereits am Berg hinauf zum Bamberger Weg. Deshalb: locker bleiben, langsam starten und trotz der Massen um einen herum versuchen, sein eigenes Tempo zu finden. Um Geschwindigkeit zu machen, ist im letzten Drittel noch Gelegenheit genug.

Laufsteg Nach dem Michelsberg heißt es doppelt aufgepasst: Es beginnt der turbulente Lauf durch die verwinkelten Gassen der Altstadt mit tausenden Zuschauern, unter ihnen viele bekannte Gesichter an der Strecke, mit Musik und Jubel. Drei Mal geht es über die Regnitz: Eine solch atemberaubende Kulisse hat man als Hobbyläufer nur in Bamberg. Auch wenn das Herz rast: Genießen!!!

Hartes Pflaster Trotz der spektakulären Ausblicke an der Strecke sollte man den Untergrund nicht außer Acht lassen. Besonders tückisch sind Gefällstrecken auf dem ruppigen Bamberger Pflaster am Michelsberg in der Alten Hofhaltung, auf dem Domplatz. Aber auch auf der Concordia- und der Karolinenstraße, am Heumarkt und auf der Oberen Brücke sollte man mit Gefühl laufen. Auch die Gelenke danken es einem.

Wasser marsch Sollte es am 3. Mai wie gewohnt heiß sein, wissen die Anwohner schon, was zu tun ist und stellen Abkühlung in jeder Form bereit. Wer will, kann also ausgiebig duschen. Und auch innerlich muss niemand dursten: Wasserstellen gibt es nach viereinhalb Kilometern am Mühlwörth, nach sechs Kilometern am Adenauerufer und bei Kilometer neun am Heumarkt. Das ist auch gut so. Besonders am Adenauerufer ist es meist sehr heiß. Achtung: Zuckerhaltige Getränke werden nicht angeboten. Wer seinen Stoffwechsel noch einmal beflügeln will, sollte sich ein kohlehydrathaltiges Gel einstecken. Im letzten Drittel des Laufs kann ein solcher Energiestoß helfen, Kräfte zu mobilisieren.

Genuss vor Ehrgeiz Ab der Löwenbrücke zieht sich das Rennen. Jetzt zeigt es sich, wie gut man vorbereitet ist. Dennoch: Um immer an seiner Grenze zu laufen, ist das Rennen durch die Altstadt Bambergs viel zu schön. Man sollte sich stets so laufen, dass man noch genießen kann. Am Maxplatz sind alle Sieger.