Bamberger Malteser helfen bei Neuanfang in zerstörter ukrainischer Stadt
Autor: Redaktion
Winnyzja, Mittwoch, 05. August 2026
Die Malteser in der Diözese Bamberg bauen eine Partnerschaft mit dem ukrainischen Winnyzja auf. Ziel sind nachhaltige Hilfe und neue Perspektiven.
Was in Mariupol über viele Jahre gewachsen war, wurde durch den Krieg innerhalb kürzester Zeit zerstört. Mit dem weitgehenden Zerfall der ukrainischen Stadt verloren auch die dortigen Malteser ihre Gebäude, ihre Ausrüstung und ihre gewachsenen Strukturen. Viele haupt- und ehrenamtliche Helferinnen und Helfer mussten fliehen. Einige von ihnen fanden in Winnyzja eine neue Heimat – und begannen trotz eigener Verluste damit, die Malteser-Arbeit neu aufzubauen.
Strukturen für Erste-Hilfe-Ausbildung, Rettungsdienst und Ehrenamt
Diesen Neuanfang unterstützt künftig der Malteser Auslandsdienst der Erzdiözese Bamberg. Mit einer langfristig angelegten Partnerschaft wollen die Malteser gemeinsam mit ihren ukrainischen Kolleginnen und Kollegen tragfähige Strukturen für Erste-Hilfe-Ausbildung, Rettungsdienst, Ehrenamt und humanitäre Hilfe entwickeln. Winnyzja, eine Stadt im Zentrum der Ukraine und rund 250 Kilometer südwestlich von Kiew entfernt, bildet dabei den Auftakt des neuen Auslandsdienstes der Malteser in der Erzdiözese Bamberg. Perspektivisch sollen weitere internationale Partnerschaften folgen.
"Die Menschen in Winnyzja brauchen nicht nur Unterstützung für den Moment, sondern Perspektiven für die Zukunft", sagt Yulia Shafran, Referentin für den Auslandsdienst der Malteser in der Erzdiözese Bamberg. "Unser Ziel ist es, gemeinsam Strukturen aufzubauen, die dauerhaft funktionieren und die Menschen vor Ort befähigen, Verantwortung für ihre Gemeinschaft zu übernehmen. Hilfe zur Selbsthilfe steht dabei im Mittelpunkt."
Ukrainerin leitet das Projekt
Shafran kennt die Situation in der Ukraine nicht nur aus der täglichen Zusammenarbeit mit den dortigen Maltesern, sondern auch aus ihrer eigenen Biografie. Die gebürtige Ukrainerin lebt seit vielen Jahren in Deutschland und leitete zuletzt erfolgreich das Projekt "Malteser Qualifizierung und Beschäftigung (MQB)", mit dem ukrainische Kriegsgeflüchtete auf ihrem Weg in den deutschen Arbeitsmarkt begleitet wurden. Nun bringt sie ihre Erfahrung und ihre engen Kontakte in den Aufbau des neuen Auslandsdienstes ein.
Geplant sind unter anderem der Aufbau einer modernen Trainingsinfrastruktur, praxisorientierte Erste-Hilfe-Kurse, die Qualifizierung von Rettungsteams sowie die Förderung ehrenamtlicher Strukturen. Ziel ist es, möglichst viele Menschen auszubilden, damit sie in Notfällen kompetent helfen, ihre Gemeinden besser auf Krisen vorbereiten und langfristig ein leistungsfähiges Hilfesystem mitgestalten können.
Viele haben alles verloren
"Besonders beeindruckt mich die Haltung unserer ukrainischen Partner", betont Shafran. "Viele von ihnen haben selbst alles verloren. Trotzdem engagieren sie sich unermüdlich für andere Menschen. Dieses Verantwortungsbewusstsein verdient nicht nur unsere Anerkennung, sondern auch unsere aktive Unterstützung."
Für die Malteser in Bamberg ist die Kooperation weit mehr als ein Hilfsprojekt. Sie verstehen die Partnerschaft als Ausdruck gelebter Solidarität und als Investition in eine gemeinsame europäische Zukunft. Aus den Erfahrungen von Krieg, Flucht und Verlust soll gemeinsam mit den Menschen vor Ort etwas Neues entstehen: belastbare Strukturen, gegenseitiges Vertrauen und nachhaltige Perspektiven für kommende Generationen.