Bamberger Erzbischof ruft Kirche zu Aufbruch auf
Autor: Redaktion
Bamberg, Samstag, 28. Februar 2026
Erzbischof Gössl ruft zu mehr Beweglichkeit und Aufbruch in Kirche und Gesellschaft auf.
Der Bamberger Erzbischof Herwig Gössl hat die Gläubigen angesichts tiefgreifender Veränderungen in Kirche und Gesellschaft zu geistlicher und struktureller Beweglichkeit aufgerufen. In seinem Hirtenbrief zur Fastenzeit betonte er: "Christsein heißt 'Unterwegs-Sein', nicht sich gemütlich niederlassen und dauerhaft sesshaft, ja unbeweglich werden."
Ausgehend von der biblischen Erzählung von der Verklärung Jesu auf dem Berg Tabor stellte Gössl heraus, dass Jesus sich nicht dauerhaft an einem Ort niederlasse. Jesus wolle nicht dort bleiben, wo sein göttlicher Glanz sichtbar geworden sei, sondern gehe "dorthin, wo auch aller menschlicher Glanz sich verdunkelt: ans Kreuz".
Die österliche Bußzeit solle helfen, neue Freiheit zu gewinnen. "Durch bewussten Verzicht können wir erfahren, dass nicht die Steigerung von Besitz glücklich macht, sondern vielmehr das Teilen von Zeit, Geld und Möglichkeiten." Ziel sei es, das Leben "wieder neu auf die Basis des Vertrauens" zu stellen – durch Gebet, Sakramente und Versöhnung.
Mit Blick auf gesellschaftliche und kirchliche Umbrüche sagte Gössl: "Doch in einer sich verändernden Welt braucht es auch die Bereitschaft, sich zu bewegen." Der christliche Glaube mache Mut, weil er zusage: "Gott geht mit, und mit ihm und unter seinem Segen können wir auch heute Veränderungen gestalten und neue Wege und Zugänge zu den Menschen entdecken."
In diesem Zusammenhang verwies der Erzbischof auf die von ihm im Januar 2026 veröffentlichten pastoralen Orientierungen. Man erfahre, "dass sich das kirchliche Leben verändert, dass so viel Vertrautes und auch Gutes nicht mehr weitergeführt werden kann". Die notwendigen Einschnitte seien schmerzhaft, "denn sie verlangen von uns, so manches loszulassen, an Besitz, an Gebäuden und an hauptamtlichen Stellen, an gewohnten Gottesdienstzeiten und -orten".
Gebäude könnten Schutz und Geborgenheit geben, räumte der Erzbischof ein. Zugleich warnte er vor einer Fixierung auf Besitz und Strukturen. "Darin besteht die Gefahr allen Besitzes: Nicht, dass er an sich schon etwas Schlechtes wäre, aber dass er träge macht und unbeweglich; dass er die Angst vor Verlust steigen lässt, und damit Misstrauen sät und Neid und Geiz."
Zugleich könne in der neuen Situation "auch neue Beweglichkeit entstehen". Das Fundament kirchlichen Lebens sei "die persönliche Beziehung zum Herrn", nicht "die Hütten, die wir bauen, nicht die Gemeindehäuser und noch nicht einmal unbedingt all die Kirchengebäude".