Nein, mehr Geld ist nicht drin! So eindeutig wie einhellig fällt die Reaktion der Stadtpolitik auf den offensiv vorgetragenen Wunsch von Brose Bamberg nach mehr kommunaler Förderung aus. Um es in der Sprache des achtfachen deutschen Basketball-Meisters zu sagen: Das angedachte Pressing von Geschäftsführer Rolf Beyer und Co. mit Hilfe einer profunden Studie scheint ins Leere zu gehen, Oberbürgermeister und Stadtratsfraktionen versuchen per "Fastbreak" die Diskussion im Keim zu ersticken.

Laut einer am Montag von Brose Bamberg vorgestellten Studie profitiert die Stadt in vielfältiger Weise von seinen Basketballern - durch 14,3 Millionen Euro regionale Wertschöpfung, durch Werbeeffekte im Wert von fünf Millionen Euro und durch ein nur positiv besetztes Aushängeschild. "Wir wollen der Stadt eine Brücke bauen mit dieser Analyse", erklärt der neue Vertriebschef Jörg Ullmann und wünscht sich, dass die Stadt ihre Förderung um einen "deutlich sechsstelligen Betrag" anhebt. Schließlich sei der Verein durch die Umbenennung von "Brose Baskets" in "Brose Bamberg" auch in Vorleistung gegangen, meint Beyer.


Wollen, können und dürfen

OB Andreas Starke (SPD) stellt die grundsätzlichen Ergebnisse der Studie nicht in Frage, auch wenn die Größenordnung der Zahlen diskutabel sei. "Tatsache ist: Basketball bringt für Bamberg nur Vorteile", stellt er klar. Mehr Geld für die Profis sei indes keine Frage des Wollens, sondern des Könnens und Dürfens. "Die Stadt muss sich um Schulen, Kita-Plätze, bezahlbaren Wohnraum etc. kümmern und ihre knappen Resscourcen im Interesse der Gesamtbevölkerung organisieren."

Inhaltlich gleich und ähnlich im Wortlaut bewerten die drei größten Fraktionen im Stadtrat die Situation: "Brose Bamberg gehört zu den wichtigsten und besten Werbebotschaftern unserer Stadt" (Klaus Stieringer, SPD), aber "angesichts von Mega-Herausforderungen wie Konversion und Wohnungsbau" (Helmut Müller, CSU) "scheidet eine Erhöhung der bereits jetzt sehr hohen Förderung des Profisports aus" (GAL-Erklärung). Alle crei sprechen von einer viel höheren Unterstützung, als sie der Bundesligist auflistet.


"Politisch aufgerundet"

Beyer spricht von einer knapp sechsstelligen Summe, die Brose Bamberg insgesamt von den kommunalen Unternehmen Sparkasse und Stadtwerke erhält. Diese Zuwendungen bestätigt auch Starke. Unterschiedlich bewertet werden die indirekten Förderungen. Die Hallenmiete (200 000 Euro pro Jahr) wertet Beyer als "sehr gute Konditionen", in Summe komme er damit auf einen "mittleren sechsstelligen Betrag" von der Stadt für den Basketball. Starke sieht das ganz anders: "Durch den Verzicht auf eine marktgerechte Pacht und die Überlassung sämtlicher Gastronomie-Rechte kommen wir insgesamt sogar über eine Million Euro." Beyer nennt das "politisch aufgerundet, aber nicht mathematisch".

Ullmann ärgert vor allem das Missverhältnis im Vergleich zur Kultur. Symphoniker (1,7 Millionen Euro) und E.T.A.-Hoffmann-Theater (2,9 Millionen Euro im Haushalt 2016) werden schließlich viel stärker unterstützt: "Da fühlen wir uns nicht so wertgeschätzt." Auf diese Diskussion lässt sich Starke nicht ein und verwahrt sich davor, das Eine gegen das Andere auszuspielen. Die GAL-Fraktion verdeutlicht: "Der Bereich Kultur gehört zu den verfassungsgemäß den Städten und Gemeinden auferlegten Aufgaben, der Spitzensport nicht." Und CSU-Fraktionschef Müller verweist darauf, dass die Kulturstadt Bamberg sehr viel älter als die Basketball-Stadt Bamberg sei.


Öffentlichkeit erschwert Entgegenkommen

Für den 3. Februar ist bereits seit einiger Zeit ein Gespräch zwischen Beyer und Starke vereinbart gewesen, bei dem die unterschiedlichen Zahlen nebeneinander gelegt werden sollen. Deshalb zeigte sich der OB auch etwas enttäuscht, dass über die Zuwendungen an die Basketballer nun öffentlich debattiert wird. Das erschwere es eher, nun zueinander zu finden.


Ausführliche Meinungen

Helmut Müller (CSU-Fraktionschef): "Ich habe Verständnis für die Argumente von Brose Bamberg, aber kein Verständnis für das Vorgehen. Die Stadt macht sehr, sehr viel mehr, als das vom Verein angedeutet wird. Ich sehe angesichts der Mega-Herausforderungen Konversion und Wohnungsbau - es gibt auch noch weitere große Aufgaben wie Kita-Plätze und Schulsanierung - aktuell keine Möglichkeit hier mehr Geld auszugeben. Wenn wir einmal wieder überschüssige Mittel haben sollten, können wir darüber wieder reden. Der Vergleich mit der Förderung für die Symphoniker und das Theater passt nicht: Die Kulturstadt Bamberg ist sehr viel älter als die Basketball-Stadt Bamberg."

Klaus Stieringer (SPD-Fraktionschef): "Das was Wolfgang Heyder, Rolf Beyer, Michael Stoschek, Spieler, Trainer, Sponsoren und Fans über Jahrzehnte geschaffen haben, ist mit Geld nicht zu bezahlen. Brose Bamberg gehört zu den wichtigsten und besten Werbebotschaftern unserer Stadt. Mit einer Unterstützung von über 1 Millionen Euro durch die Stadt und ihrer beteiligten Unternehmen tragen wir dabei nicht nur dem erfolgreichen Leistungssport Rechnung, sondern auch der hervorragenden Jugendarbeit, dem sozialen Engagement und der Vorbildfunktion für unsere Jugend. Eine direkte Förderung aus dem städtischen Haushalt ist alleine aus rechtlichen Gründen nicht möglich. Genauso wie die Brose Bamberg ihr Trainingsprogramm absolvieren müssen, hat auch die Stadt ihre Hausaufgaben zu machen. Die SPD-Stadtratsfraktion legt ihren Schwerpunkt auf die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, dem Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen und der Sanierung unserer Schulen. Bereits der Millionenzuschuss durch die Stadt verdeutlicht die herausragende Bedeutung der Brose Baskets für unsere Region. Eine Kommune hat aber immer auch die Aufgabe einen Interessensausgleich innerhalb der Stadt sicherzustellen. Dabei darf das eine Interesse nicht gegen das andere ausgespielt werden."

Erklärung der GAL-Fraktion: "Der Basketball spielt in unserer Stadt eine wichtige Rolle, viele Menschen identifizieren sich über die Basketballer mit der Stadt. Der Basketball wird selbstverständlich wertgeschätzt und das natürlich zu Recht. Dass der Profibasketball zudem positive finanzielle Effekte für die Stadt hat, ist unbestritten. Ob sich das in solchen Größenordnungen für die regionale Wertschöpfung bewegt wie von Valumedia behauptet, ist allerdings zweifelhaft. Letztendlich geht es in der Stadtpolitik aber um eine gerechte Ressourcenverteilung unter Abwägung von sozialen, ökologischen, kulturellen, sportlichen, wirtschaftlichen Aspekten und Gesichtspunkten der Stadtentwicklung - und nicht um Gewinnmaximierung. Dass der Chef von "Brose Bamberg" Lobby-Arbeit betreibt und für seine Sache eine besondere Bevorzugung herausholen will, ist nachvollziehbar und gehört zu seinem Geschäft. Aber um den Spieß auch mal umzudrehen. Man könnte doch auch sagen: "Brose Bamberg" wirbt mit unserer wunderschönen Weltkulturerbestadt Bamberg, oder nicht?

Der städtische Haushalt ist seit Jahren auf Kante genäht. Viele wichtige Maßnahmen müssen seit Jahren verschoben werden, so z.B. die dringend notwendige Sanierung der Schulen und der Bau von dringend notwendigen zusätzlichen Kindergärten und -krippen. Und das sind nur Beispiele von vielen. Eine Erhöhung der bereits jetzt sehr hohen Förderung des Profisports scheidet deshalb aus. Übrigens: Die Stadt hat - allein was die Basketballhalle Arena angeht - bereits viele Millionen investiert. Beim Bau der Halle unterstützte die Stadt den Grundstückskauf finanziell, übernahm die Altlastenentsorgung, den Bau von Lärmschutzwand, Parkplatz, Kreuzung und Ampelanlage. Nach der Pleite der Hallenbetreiber 2010 musste die Stadt bzw. ihre Tochterunternehmen sogar als Eigentümerin und Betreiberin einspringen und die Halle übernehmen. Erinnert sei auch an die gigantischen Investitionen, welche die Stadt - auf Wunsch von Herrn Stoschek - vor ein paar Jahren finanzierte.

Mit den städtischen Zuschüssen für die Symphoniker und das Theater ist die Basketball-Förderung nicht zu vergleichen. Denn der Bereich Kultur gehört zu den verfassungsgemäß den Städten und Gemeinden auferlegten Aufgaben, der Spitzensport nicht. Eine Kommune sollte sich vornehmlich um eine Versorgung der Bürgerschaft mit vielfältigen und leicht zugänglichen breitensportlichen Angeboten kümmern. Im Spitzensport wird sehr viel Geld umgesetzt und es werden hohe Gewinne gemacht - es ist ein marktorientiertes Geschäftsfeld und kein gemeinwohlorientiertes Politikfeld wie etwa die Kultur. "