Student (23) droht mehrjährige Haftstrafe - er soll riesige Drogenplattform im Darknet betrieben haben

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Prozess gegen mutmaßlichen Betreiber von Darknet-Drogenplattform
Nils Kassebohm (l-r), Rechtsanwalt, der Angeklagte, Florian Eder, Rechtsanwalt, und Maria-Theresa Herzog, Rechtsanwältin, erheben sich zu Beginn der Verhandlung am Landgericht Bamberg zum Beginn ...
Prozess gegen mutmaßlichen Betreiber von Darknet-Drogenplattform
Daniel Vogl (dpa)

Ein Student aus Niederbayern soll einen der größten deutschsprachigen Drogen-Marktplätze im Darknet betrieben haben. Ihm droht eine lange Haftstrafe.

Update vom 20.10.2023, 16.34 Uhr: Anwälte kündigen Geständnis des Angeklagten am

Mehrere Kilo Drogen und Zehntausende Euro Umsatz: Wegen eines großangelegten Drogenhandels über das Internet steht ein 23 Jahre alter Student aus Niederbayern seit Freitag (20.10.2023) vor dem Landgericht Bamberg. Was laut seinem Verteidiger als "IT-Projekt" begann, entwickelte sich zwischen Oktober 2021 und März 2022 zu einer Handelsplattform für Drogen und verschreibungspflichtige Medikamente mit Hunderten Abnehmern, wie aus der Anklage hervorgeht.

Die Plattform "Deutschland im Deep Web 3" hatte zuletzt rund 16.000 Nutzer und zählte laut Ermittlern zu den größten deutschsprachigen Drogen-Marktplätzen im Darknet, einem verborgenen Teil des Internets. Es ist zudem ein Marktplatz mit Vorgeschichte: Der Betreiber der ersten Version des Marktplatzes war 2018 zu mehreren Jahren Haft verurteilt worden, nachdem der Attentäter vom Olympia-Einkaufszentrum in München dort seine Waffe und Munition gekauft hatte.

Auf der nun im Fokus stehenden Plattform sollen dagegen hauptsächlich Drogen verkauft worden sein. Zu Prozessbeginn schwieg der Angeklagte, seine Anwälte kündigten ein Geständnis zu einem späteren Zeitpunkt an. Ein Verteidiger des Mannes erklärte aber, das Ganze sei vom "Freigeist" des Angeklagten auch im Umgang mit Drogen geprägt gewesen. In seinem sozialen Umfeld habe es dem Studenten an Wertschätzung gefehlt, im Netz dagegen habe er diese erfahren.

Der junge Mann ist für die Polizei kein Unbekannter. 2019 war er laut Ermittlern verurteilt worden, weil er sich in das Netzwerk einer Schule gehackt hatte. Auch Daten aus zwei weiteren Ermittlungsverfahren konnte das mit dem Fall betreute Bundeskriminalamt mit der Drogenplattform in Verbindung bringen. Eine Handynummer, ein Online-Bahnticket nach Dingolfing und Überweisungen eines Kontos für Kryptowährungen führten letztlich bis ins Zimmer des Studenten in Landshut.

Mit zwei bereits verurteilten Komplizen soll der 23-Jährige zudem geplant haben, einen weiteren Marktplatz im Darknet einzurichten. Auch über einen Shop im frei verfügbaren Internet soll der Angeklagte einen regen Handel betrieben haben. Fast 3,5 Kilo Ketamin, 1,7 Kilo MDMA und mehr als 17 000 Ecstasy-Tabletten fanden so ihre Abnehmer. Der bei diesen Geschäften erzielte Umsatz belief sich laut der ermittelnden Zentralstelle Cybercrime Bayern in Bamberg auf rund 110.000 Euro.

Seit seiner Festnahme im Oktober 2022 sitzt der Angeklagte in Untersuchungshaft. Die Vorwürfe lauten auf Betreiben krimineller Handelsplattformen im Internet und Verabredung zum bandenmäßigen Drogenhandel sowie Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz. Nun droht dem Angeklagten eine mehrjährige Haftstrafe. Bei einem Gespräch noch vor Prozessbeginn hatten sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung nach Angaben des Gerichts darauf verständigt, dass sie eine Haftstrafe zwischen vier und sechs Jahren für angemessen halten. Hintergrund sei das angekündigte Geständnis des Angeklagten und die Tatsache, dass er die Tat und ihre Folgen bereue.

Update vom 19.10.2023, 18.36 Uhr: Student soll weiteren Drogen-Marktplatz im Darknet geplant haben

Er soll einen der größten deutschsprachigen Drogen-Marktplätze im Darknet betrieben haben: Ein 23-jähriger Student aus Niederbayern steht ab Freitag (20. Oktober 2023, 9. Uhr) vor dem Landgericht Bamberg.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem jungen Mann vor, zwischen Oktober 2021 und März 2022 einen Marktplatz im Darknet, einem versteckten Teil des Internets, betrieben zu haben, wie ein Gerichtssprecher mitteilte. Dort bot der Mann aus Landshut laut Anklage zahlreiche Drogen und verschreibungspflichtige Medikamente an. Mit zwei Komplizen soll er zudem geplant haben, einen weiteren Marktplatz im Darknet einzurichten.

Auch über einen Shop im frei erreichbaren Internet soll der Angeklagte zudem einen regen Handel betrieben haben. Der bei diesen Geschäften erzielte Umsatz belief sich laut der ermittelnden Zentralstelle Cybercrime bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg auf rund 100.000 Euro. Für den Prozess sind sechs Verhandlungstage bis Anfang Januar 2024 geplant.

Ursprungsmeldung vom 03.08.2023, 14.55 Uhr: Zehn Jahre Haft möglich: Student soll riesige Drogenplattform im Darknet betrieben haben

Mehr als neun Monate nach der Festnahme des mutmaßlichen Betreibers einer großen Drogenplattform im Darknet hat die Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB) Anklage gegen den Mann erhoben. Dem 23 Jahre alten Studenten aus Niederbayern werde vorgeworfen, mit dem illegalen Marktplatz "Deutschland im Deep Web" eine der größten deutschsprachigen Darknet-Plattformen betrieben zu haben, teilte die ZCB am Mittwoch (02. August 2023) mit. Der Student war Ende Oktober in Landshut festgenommen worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Von der Plattform "Deutschland im Deep Web" gab es nach Angaben der Ermittler insgesamt drei Versionen im verborgenen Teil des Internets. Der Betreiber der ersten Version war demnach 2018 zu mehreren Jahren Haft verurteilt worden, nachdem der Attentäter vom Olympia-Einkaufszentrum in München dort seine Waffe und Munition gekauft hatte. Eine zweite Version unter gleichem Namen war nach Angaben der Ermittler 2018 nur kurz in Betrieb.

Die dritte Version von "Deutschland im Deep Web", die der Student aus Landshut seit November 2018 betrieben haben soll, diente nach Angaben der Ermittler vor allem dem Handel mit Drogen. Dort waren demnach rund 16.000 Benutzer angemeldet, davon 72 aktive Händler. Seit März 2022 sei die Plattform aber nicht mehr für Nutzer erreichbar gewesen.

Landgericht Bamberg entscheidet über Anklage gegen mutmaßlichen Betreiber von Drogenplattform 

Über die Zulassung der Anklage entscheidet nun das Landgericht Bamberg. Sollte der 23-Jährige wegen Betreibens einer kriminellen Handelsplattform im Internet verurteilt werden, drohen ihm nach Angaben der Ermittler bis zu zehn Jahre Haft.

Der 23-Jährige muss sich im Falle einer Zulassung der Anklage aber auch wegen bandenmäßigen Handelns mit Drogen in größerer Menge vor Gericht verantworten. Er soll neben seiner Darknet-Plattform auch sichtbar im Internet eine Verkaufsplattform zum Verkauf von Drogen betrieben haben - als Überbrückung für inzwischen verurteilte Drogenhändler, in deren Auftrag er einen Darknet-Marktplatz einrichten sollte.

Über die Internet-Plattform sollen nach Angaben der Ermittler unter anderem etwa 1,6 Kilogramm MDMA, über 17.000 Ecstasy-Tabletten und fast 7000 LSD-Trips (Konsumeinheiten) verkauft worden sein.