Ein Jahr ist es jetzt her, dass ein Lockdown auf den anderen folgte. Viele Geschäfte mussten dabei immer wieder auf unbestimmte Zeit schließen. So auch die Reisebüros in Bamberg. "Wir hatten in einem Jahr Corona fünf Monate zu", berichtet Pius Schiele, Geschäftsführer des Reisebüros Schiele in Bamberg.

Seit Montag (8. März 2021) darf die Branche wieder öffnen. Doch wie steht es momentan um die Reiselust der Kunden? Und wie geht es den Reisebüros? inFranken.de hat bei drei Reisebüros nachgefragt.

Bamberg: Reisebüros kämpfen ums Überleben

"Das Hauptproblem ist, dass es heute so heißt und morgen so. Wir haben null Planungssicherheit", beschreibt Andrea Lang vom Reisebüro Tropicana in Bamberg die aktuelle Lage. Hinzu komme, dass viele Länder Risikogebiete seien und bei den meisten Kunden schlichtweg die Angst mitschwinge. "Wir haben jetzt nicht die große Hoffnung, überrollt zu werden", erklärt Andrea Lang.

Das erlebt auch Pius Schiele. "Man kann zwar Reisen buchen. Das wird bisher aber nur zögerlich angenommen." In seinem Reisebüro seien die Mitarbeiter seit 2020 in Kurzarbeit. "Das ist ganz schlimm, wir brauchen bald einen Lichtstreifen am Horizont." Ähnlich ist es auch bei Roland Hasler von Hasler Reisen in Bamberg. "Meine zehn Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Wir fahren gerade auf Sparflamme."

Andrea Lang musste sich sogar einen zweiten Job suchen, um über die Runden zu kommen. Pius Schiele beschreibt die Situation ganz pragmatisch: "Jeder kämpft ums Überleben. Ohne nichts kann man nicht leben." Auch Lang verbindet die aktuelle Lage mit einem Arbeitsverbot. "Ich kann zwar aufmachen, aber nichts verkaufen." Und selbst wenn Reisen verkauft würden, gebe es immer die Gefahr von Stornierungen und Umbuchungen. In solchen Fällen blieben den Reisebüros wenig bis nichts übrig, so Schiele. "Das ist ein Wahnsinns-Aufwand. Reisebüros bekommen dafür keinen Euro - außer der Kunde reist."

Fehlende Planungssicherheit für Reisebüros und Veranstalter

Die fehlende Planungssicherheit sei auch für Roland Hasler ein großes Problem. Die Fahrten für März und April seien schon gecancelt. "Das wirft uns circa zwei Jahre finanziell zurück. Momentan investieren wir nichts. Wir haben alles auf Stillstand." Auch er wisse nicht, wann es weitergeht und wenn es weitergeht, wisse Hasler nicht, ob es wieder wie vor Corona wird. Momentan halte er sich und seine Mitarbeiter mit sporadischen Schulfahrten über Wasser.

Pius Schiele hingegen muss auf Last-Minute-Reisen im Sommer hoffen. "In den ersten drei Monaten des Jahres verkaufen wir circa 60 Prozent der Reisen. Das ist eine Katastrophe. Die Hauptbuchungszeit ist fast vorbei." Trotz der aktuell ungewissen Lage bleiben alle drei jedoch zuversichtlich. "Wir kämpfen und glauben daran und geben uns Mühe, dass das wieder wird", ergänzt der Geschäftsführer.

Auch Andrea Lang bleibt optimistisch. Dennoch kritisiert sie, dass, selbst wenn es Lockerungen gibt, den Leuten erst einmal die Angst vor dem Reisen genommen werden müsse. Dazu empfiehlt sie: "Geht lokal in euer Reisebüro vor Ort." Denn hier habe man, wie Schiele bestätigt, immer einen Ansprechpartner, egal was passiere. Nach der letzten Söder-Konferenz macht auch der Bamberger Tourismusdirektor seinem Ärger Luft.