Untere Brücke Bamberg: Mann attackiert Polizeikräfte - "haben so etwas regelmäßig". Der Polizeibericht von Freitag auf Samstagnacht der Polizeiinspektion Bamberg-Stadt liest sich - im Vergleich zu den Vorwochen - relativ harmlos. Fünf Musikboxen wurden sichergestellt, weil sie zu laut gewesen sein sollen.

Zwei Personen in Gewahrsam, "körperliche Auseinandersetzung", eine Weinflasche soll geflogen sein. Was nicht im Bericht steht: Mehrere Polizeikräfte wurden Samstagnacht gegen 01.07 Uhr von einem aggressiven Mann attackiert, wie ein Sprecher gegenüber inFranken.de erzählt. Für die Beamten und Beamtinnen keine Besonderheit - "wir haben so etwas regelmäßig". 

Bamberger Polizist über Gewalt an der Unteren Brücke: "man ist grundgereizt"

"Der 31-Jährige ist zu einem Auto gegangen und hat dort durchs offene Fenster nach einem Handy gegriffen, das der Beifahrer festhalten konnte. Dann ist er zum nächsten Auto und ist munter darauf herumgehüpft und hat Dellen ins Dach gesprungen. Dann kamen die eingesetzten Beamten und gegen die hat er sich heftig gewehrt, sie auch angespuckt", so der Sprecher. 

Mehrere Einsatzkräfte hätten leichte Verletzungen davongetragen. Klingt nach einer schwierigen Situation, doch der Sprecher selbst hat dafür nur ein resigniertes Lachen übrig. "Wir haben öfter solche Vorfälle. Gefühlt haben sie schon die letzten Jahre zugenommen, das Unrechtsbewusstsein nimmt ab." Der Beamte sagt, er würde Aggressionen gegen die Polizei jedoch nicht nur der Unteren Brücke zuschreiben. "Ich würde sie an der Alkoholisierung festmachen."

Und dann sei da noch Corona. "Man ist grundgereizt aufgrund der Maßnahmen, denkt man ist jetzt draußen endlich frei - und dann kommt die Polizei und sagt, dass es so doch nicht geht." Dazu komme ein "Vermassungseffekt": Man fühle sich "in der Gruppe stärker als alleine". 

Problem-Hotspot "Untere Brücke": Beamter fordert "Ort, wo die Leute feiern können"

Das Ganze sei aus seiner Sicht auch ein "Generationenphänomen", so der Bamberger Polizist. "Sie haben heute einen ganz anderen Umgang mit ihrem Chef, Lehrern, Pfarrern. Das hat Vorteile - bei Polizisten aber auch Nachteile, was den Respekt angeht. Gerade, wenn viel getrunken wurde." Trotz der aus seiner Sicht gestiegenen Gewalt gegen Polizei sieht der Sprecher in den vergangenen Wochen Verbesserungen bei der Situation an der Unteren Brücke.

"Generell hat sich die Lage etwas beruhigt." Das liege an einer "Mischung aus Maßnahmen, die wir und die Stadt getroffen haben, daran, dass Gaststätten wieder offen sind und auch andere Städte wieder mehr zulassen." Die Flutlichtbeleuchtung könnte ihm zufolge einen positiven Effekt haben, vor zwei Wochen hat der Stadtrat auch eine Freischankfläche auf der Unteren Brücke beschlossen. 

Die Untere Brücke zu räumen, sei keine Lösung, sagt der Beamte. "Da brauchen Sie viel Manpower, um Panik und Gewalt zu verhindern und es müsste auch jemand schauen, dass niemand wieder zurückkehrt. Außerdem gehen die Leute dann einfach woanders hin." Bamberg sei nun mal als "Feierstadt bekannt". Das liege an "Touristen, die extra deshalb kommen, vielen Studenten und weil es im Umland nicht so viel gibt." Wichtig sei deshalb, dass Sicherheitsbehörden, Gastronomie und Stadt "weiter gut zusammenarbeiten" würden. Und: Es brauche "langfristig eine Lösung, einen Ort, wo die Leute unter Corona-Bedingungen feiern können, ohne Anwohner über Gebühr zu belasten." Ein Kulturzentrum könnte eine Möglichkeit sein. 

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