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Bamberg: Einkaufsmarkt "Nah und Gut" schließt diese Woche - Inhaberin braucht Unterstützung


Autor: Isabel Schaffner

Bamberg, Dienstag, 12. April 2022

Die letzten Tage des "Nah und Gut"-Marktes im Bamberger Haingebiet laufen. Inhaberin Brigitte Döll hofft auf Unterstützung.
Brigitte Döll vom "Nah und Gut"-Markt am Bamberger Hain stand am Mittwoch (6. April 2022) noch vor vollen Regalen. Diese hätten sich kurz vor der Schließung schon gelichtet, doch trotzdem sei noch viel da.


  • Bamberg: Ausverkauf im "Nah und Gut"-Markt wegen Schließung in vollem Gange
  • Wein, Gewürze und Co.: "Es ist noch ganz schön viel da."
  • "Wir sind alle traurig": Inhaberin Brigitte Döll und ihre Mitarbeiterinnen treffen Vorbereitungen
  • Ein Junge machte ihr am Samstag ein rührendes Geschenk

Der kleine "Nah und Gut"-Markt in der Bamberger Ottostraße 18a war vor allem für Anwohner*innen des Haingebiets eine beliebtes Einkaufsziel. 30 Jahre lang verbrachte die 67-jährige Inhaberin Brigitte Döll den Großteil ihrer Zeit in ihrem "Wohnzimmer", wie sie es nennt. In wenigen Tagen will sie schließen, doch dafür müssen sich die Regale noch leeren.

Update vom 12. April 2022, 15.15 Uhr: Unterstützung benötigt - Bamberger Markt-Inhaberin muss Sortiment leer bekommen

Brigitte Döll trifft am Dienstag (12. April 2022) mit ihren Mitarbeiterinnen wehmütig die Vorbereitungen für die Schließung ihres Ladens. "Wir sind alle traurig. Wenn man die leeren Flächen sieht. Es muss halt rausgehen, aber es ist einfach nur traurig. Ich bin emotional." So seien der Tiefkühlschrank und der Metzgerei-Bereich bereits abgeschaltet. Von allen Produkten seien noch Exemplare da. Dazu gehörten Wein, Gewürze, Oliven und Drogerieartikel

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Am Morgen hätte viel Kundschaft den "Nah und Gut"-Markt aufgesucht, doch gegen Mittag habe eine Flaute eingesetzt. Dies sei auch der Tatsache geschuldet, dass die Bäckerei Fuchs wegen Personalmangels nur noch bis mittags im Einkaufsmarkt präsent sei. Um den Ausverkauf zu erleichtern, gebe es auf jedes Produkt außer Zigaretten und Zeitschriften derzeit 20 Prozent Rabatt.

Ursprünglich sei der Donnerstag als Schließungstermin angedacht. "Es kommt jetzt darauf an, wie viele Leute noch kommen und mir noch was abkaufen", so Döll. Wenn es abends noch Waren gebe, könne sie höchstens noch bis zum Samstag verlängern. 

Ladenbetreiberin aus Bamberg bekommt zum Abschied rührendes Geschenk 

Alle übrig gebliebenen Produkte werde sie spenden. "Verlust gibt es immer, aber ich denke, dass es sich in Grenzen hält." Während normalerweise nur wenige Mengen auf einmal in ihrem Laden gekauft würden, zeigten sich Menschen nun vereinzelt großzügig: Ein Kunde habe am Nachmittag etwa 150 Konservendosen und Kosmetik abgekauft und teils an die Tafel gespendet. 

Unter den Kindern spreche sich das Ende des Ladens ebenfalls herum. Döll und ihre Mitarbeiterinnen gehen hier besonders liebevoll mit ihnen um, wie inFranken.de beobachten konnte.

So bekämen sie hier momentan ein Eis geschenkt, verrät die 67-Jährige. Doch Döll werde ebenfalls beschenkt. "Am Samstag hat mir ein kleiner Bub ein gemaltes Bild gebracht, wo ich in einem Strandkorb mit Blitzableiter sitze. Dass ich meinen Stress abbauen kann", lacht sie. Jetzt fehlt nur noch die Freue auf die freie Zeit. "Bis jetzt noch nicht, aber wird schon noch kommen. Es gibt erst noch ganz viel Arbeit zu erledigen."

Erstmeldung vom 6. April 16.30 Uhr: Bamberger Einkaufsmarkt schließt - "Ich bin total wehmütig"

Mal sitzt sie an der Kasse, mal räumt sie Kartons weg, bespricht sich mit ihren Mitarbeiterinnen oder übergibt ihrer Kundschaft die bestellten Produkte. Brigitte Döll ist Supermarkt-Betreiberin durch und durch. "Der Laden war mein Leben", sagt sie im Gespräch mit inFranken.de. 1992 übernahm die den Markt, der bis 2006 zu Spar gehörte und dann zu Edeka wechselte. Eine gewöhnliche 40-Stunden-Woche habe sie als Selbstständige nicht. Sechs Tage halte sie sich von morgens bis abends hier auf. "Und den siebten mache ich mein Büro. Vor zwölf Jahren hatte ich das letzte Mal fünf Tage Urlaub", berichtet sie. 

Auf die Frage, ob sie sich auf ihren Ruhestand freue, antwortet sie: "Nein. Bis jetzt noch nicht. Ich bin total wehmütig." Nach dieser geschäftigen Zeit müsse sich Döll erst einmal an ihre neue Lebensphase gewöhnen und orientieren. "Erst muss ich mich mal ein bisschen erholen, weil ich total kaputt bin. Das geht nicht spurlos an dir vorbei." Der Kontakt zu ihrer Kundschaft werde ihr selbstverständlich sehr fehlen, doch sehen werde man sich trotzdem weiterhin: "Viele Leute haben mich eingeladen, wünschen sich, dass wir Kontakt halten und zusammen Kaffee trinken."

Doch erst einmal dauere es noch zwei bis drei Monate, bis kommende Rechnungen beglichen und alles aufgeräumt sei. Der Plan ist, am Donnerstag (14. April) zu schließen, sofern alle Produkte verkauft sind. Wenn nicht, könne es auch noch zwei Tage länger dauern. "Ich habe meinen Kunden immer ihre Bestellwünsche erfüllt. Jetzt hoffe ich, dass sie mich in den letzten Tagen auch noch unterstützen."

Suche nach Nachfolger scheiterte - Inhaberin blickt auf "Gefühlschaos" zurück

Schon 2019 berichtete inFranken.de von dem drohenden Aus. "Ich denke ja schon Jahre lang an den Ruhestand und suche einen Nachfolger", erklärt Döll. 2021 habe sich sogar eine potenzielle Nachfolgerin gefunden. Doch es sei am Mietvertrag gescheitert. Döll habe von einem günstigeren Vertrag profitiert, der das wirtschaftliche Überleben ermöglicht habe. Denn eigentlich seien die Mietpreise im Haingebiet höher. "Am 31. Dezember 2021 hätte die Interessentin den Markt übernommen." Der neue Mietvertrag habe sie allerdings abgeschreckt.

"Ich konnte dann so schnell aber niemandem kündigen. Ich muss meine Mitarbeiterinnen bis zum Sommer bezahlen." Die vergangenen Monate seien ein "Gefühlschaos" gewesen. Insgesamt neun Mitarbeiterinnen arbeiteten bei "Nah und Gut". Manche seien bereits um die 60, doch Döll ist zuversichtlich, dass sie wieder eine Anstellung finden. Allerdings sei die Zusammenarbeit bei Döll für ihre Belegschaft besonders gewesen. Der tägliche persönliche Kontakt zu ihr werde besonders geschätzt.

Döll hätte sich ein anderes Ende ihrer Einkaufsmarkt-Karriere gewünscht: "Ich hätte so gerne jemanden angelernt und meinem Nachfolger alles gezeigt." Doch nun müsse man das Beste draus machen und sie werde die Entwicklung in jedem Fall verfolgen. Es liege in der Hand des Eigentümers, wie es weitergeht, doch die Rahmenbedingungen seien herausfordernd.

Kundschaft kauft nur wenige Produkte auf einmal - Bewusstsein der Menschen soll sich ändern

Für die Edeka-Betreiber Massak sei der Laden zu klein. Eine Vergrößerung, bei der Parkplätze wegfallen würden, sieht Döll nicht realistisch. Eine weitere Schwierigkeit: Zwar sei im Laden häufig Betrieb, doch im Schnitt verkaufe Döll weniger als zehn Euro pro Person. "Die Leute machen ihre Wochenendeinkäufe bei größeren Supermärkten und kaufen dann höchstens noch Kleinigkeiten, wie Sahne", erklärt sie. Vor allem für Senioren sei der Laden eine beliebte Anlaufstelle, "aber davon kann man nicht leben."

Döll sieht die einzige Lösung hierfür, das Bewusstsein in den Köpfen der Menschen zu schärfen: "Diejenigen, die den Markt am Leben erhalten wollen, müssen sich im Klaren sein, dass sie ihn auch angemessen unterstützen müssen."

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