Urteil rechtskräftig: Eine 19-Jährige aus dem Landkreis Forchheim wurde verurteilt, im Mai 2021 einen Mann aus Nürnberg zielgerichtet in einen Hinterhalt gelockt zu haben, um ihn dann mit einem Messer zu töten.

Die verurteilte Anhängerin US-amerikanischer Serienmörder hatte einen 39 Jahre alten Mann über eine Online-Dating-Plattform kennengelernt und mit ihm ein Treffen vereinbart, das für ihn tödlich endete. 

Update vom 15. Februar, 16 Uhr: Urteil gegen Serienmörder-Fan ist rechtskräftig

Das Urteil gegen die 19-Jährige, die einen US-amerikanischen Serienmörder bewundert und selbst mordete, ist rechtskräftig. Sowohl der Verteidiger der Angeklagten als auch die Staatsanwaltschaft hätten auf Rechtsmittel verzichtet, teilte das Landgericht Bamberg am Dienstag (15. Februar 2022) mit.

Die damals 18-Jährige hatte im Mai 2021 mit einem 39-Jährigen ein Date im Landkreis Forchheim vereinbart und ihm in dessen Auto unvermittelt ein Messer in den Hals gestochen. Der Mann starb Wochen später im Krankenhaus. Ihr Opfer hatte sie offenbar völlig zufällig ausgewählt. Laut Anklage bewundert die Deutsche den US-amerikanischen Serienmörder Richard Ramirez. Dieser hatte zwischen 1984 und 1985 13 Menschen ermordet. Sie habe in seine Fußstapfen treten wollen, indem sie wahllos ausgewählte Menschen tötet, um berühmt zu werden. Im Prozess zeigte sie laut Richter eine "selten gesehene emotionale Kälte".

Am vergangenen Mittwoch war sie wegen Mordes zu einer Jugendstrafe von zwölf Jahren verurteilt worden. Die wird sie laut Gericht in einer sozialtherapeutischen Anstalt in einem Gefängnis verbüßen. Außerdem bleibt die Sicherungsverwahrung vorbehalten. Es wird also am Ende ihrer Haftzeit überprüft, ob diese danach noch verhängt wird.

Update vom 9. Februar, 16.30 Uhr: 19-Jährige wegen Mordes zu langjähriger Haftstrafe verurteilt 

Die Jugendkammer verurteilte die 19-Jährige wegen Mordes zu einer Jugendstrafe von zwölf Jahren, erklärt das Landgericht Bamberg inFranken.de. Die Strafe soll die junge Frau in einer sozialtherapeutischen Einrichtung verbüßen. Das Gericht ordnete zudem eine vorbehaltliche Sicherungsverwahrung an. Erst wenn ein Gutachten ergibt, dass sie keine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt, wird sie damit nach ihrer Strafverbüßung in die Freiheit entlassen.

Planvolles Vorgehen und "völlige Empathielosigkeit" für ihr Opfer, habe der Vorsitzende Richter Manfred Schmidt der Verurteilten zugesprochen, berichtet der Fränkische Tag. Kurz nach der Tat hatte sie angedeutet, weitere Morde geplant zu haben. Sie soll einem verurteilten Serienmörder aus den USA nachgeeifert haben. 

Zeugenberichte hatten ihr in einer vorherigen Sitzung fehlendes Mitgefühl für den Getöteten bescheinigt. Dieser hatte nach der grausamen Tat zwar Autofahrer auf der B470 auf sich aufmerksam machen können, verstarb jedoch später im Universitätsklinikum Erlangen an seiner Verletzung.

Update vom 8. Februar 2022, 12 Uhr: Psychiater spricht Angeklagter volle Schuldfähigkeit zu

Neben einer Mitarbeiterin der Jugendgerichtshilfe war am Montag (7. Februar 2022) auch ein psychiatrischer Gutachter geladen, der eine Einschätzung zur Schuldfähigkeit der 19-Jährigen machte.

Dem Gutachter zufolge habe die junge Frau zwar eine Persönlichkeitsstörung, sei aber voll schuldfähig, berichtet der Nordbayerische Kurier. Noch immer stelle sie eine Gefahr für die Allgemeinheit dar.

Nach Jugendstrafrecht wäre die Höchststrafe eine 15-jährige Haft. Falls eine vorbehaltliche Sicherungsverwahrung zur Anwendung kommt, kann aber während der Haft die Gefährlichkeit der Täterin erneut geprüft werden.

Update vom 2. Februar 2022, 15.35 Uhr: Schockierende Aussage von Zeugin zu mutmaßlichem Online-Date-Mord 

Bei der Verhandlung am 1. Februar 2022 wurden Zeugen geladen, die das Bild von der nach wie vor schweigenden Angeklagten und Flucht des verletzten Opfers weiter vervollständigten, bestätigt das Landgericht Bamberg gegenüber inFranken.de. Laut dem Nordbayerischen Kurier sei eine Kriminalbeamtin in der Nacht zum 2. Mai 2021 zur Überwachung der Angeklagten im Klinikum Bamberg eingeteilt worden und berichtet von schockierenden Aussagen der Angeklagten. Im Gespräch mit der Beamtin habe die heute 19-Jährige offengelegt, dass sie noch viel mehr geplant habe und es schade fände, wenn sie wegen eines versuchten Mordes ins Gefängnis käme, so der Kurier. 

"Sie hat bedauert, dass er noch gelebt hat", habe die Beamtin in der Verhandlung versichert. Als sei es "das Normalste der Welt, jemanden umzubringen", hätten die Sätze der Angeklagten geklungen. Ihr Verteidiger Thomas Drehsen habe diese Aussagen aber zurückgewiesen, so der Kurier. Ein Grund dafür sei, dass seine Mandantin zu dem Zeitpunkt selbst verletzt gewesen sei und unter dem Eindruck von Schmerzmitteln gestanden habe. 

Als weiterer Zeuge sei der Autofahrer geladen gewesen, den das verletzte Opfer bei seiner Flucht an der B470 angehalten hatte. "Was am eindrücklichsten hängenblieb, war die Todesangst in seinem Blick“, so seine Schilderung laut Kurier. Nach der Alarmierung des Notrufs habe er mit weiteren angehaltenen Autofahrer*innen Sofortmaßnahmen geleistet. Dennoch war der 39-Jährige fast drei Wochen später an den Folgen seiner Verletzung gestorben. 

Update vom 28. Januar 2022, 16.40 Uhr: Angeklagte berichtet in Briefen von Gewaltbeziehung

Zum Prozessauftakt schwieg die 19-Jährige laut Informationen des stellvertretenden Pressereferenten des Landgerichts Christian Pfab. Doch aus der Untersuchungshaft habe sie Briefe an ihre Mutter und Freunde geschrieben, die verlesen wurden, berichtet der Bayerische Rundfunk.

Sie fordere ihre Mutter darin auf, ihr Bilder von dem Serienmörder Richard Ramirez zu schicken und schildere Details ihrer Vergangenheit. Laut BR soll ihr Ex-Freund sie in ihrer Beziehung "kaputt gemacht" haben. Er habe sie vergewaltigt und bis zum Bewusstseinsverlust gewürgt.

Auch habe sie über Mobbing, Missbrauch und Drogenkonsum geschrieben. Am Dienstag (1. Februar 2022) sollen zwei Zeugen und psychologische Gutachter an der Verhandlung teilnehmen, informiert der BR. 

Erstmeldung vom 28. Januar 2022, 12.30 Uhr: Date in Hinterhalt gelockt und mit Messer in Hals gestochen

Als sich die beiden Anfang Mai 2021 verabredeten, soll der Mann laut Landgericht die Angeklagte mit seinem Wagen an ihrer Wohnadresse im Landkreis Forchheim abgeholt haben. Die junge Frau habe mit ihrem Date daraufhin zu einer abgelegenen Hütte fahren wollen. Dies sei nur ein Vorwand gewesen, denn auf einem Feldweg bei Ebermannstadt soll die Angeklagte den Mann veranlasst haben, zu stoppen. Wie das Landgericht Bamberg weiter schildert, soll sie den Mann dann "völlig überraschend" mit einem Messer mit einer zwölf Zentimeter langen Klinge in den Hals gestochen haben, um ihn wie von Anfang an beabsichtigt zu töten.

Dabei soll der erste Stich bereits die rechte Halsschlagader des Geschädigten getroffen haben. Der Verletzte habe der Frau das Messer noch abnehmen und in Richtung der B470 fliehen können. Wie das Landgericht weiter beschreibt, konnte er dort noch einen Autofahrer auf sich aufmerksam machen, brach dann aber aufgrund seiner lebensbedrohlichen Verletzung zusammen.

"Trotz umgehender intensivmedizinischer Betreuung starb der Geschädigte wenige Stunden später an den unmittelbaren Folgen der Stichverletzung in der Universitätsklinik Erlangen", heißt es abschließend. Die Angeklagte soll ihn als wahlloses Opfer "zielgerichtet in einen Hinterhalt gelockt haben, um einen Menschen zu töten".

Wird die Angeklagte zu mutmaßlichem Mord Angaben vor dem Landgericht Bamberg machen?

Am Freitagmorgen (28. Januar 2022) begann der Prozess vor der Jugendkammer des Landgerichts Bamberg mit der Verlesung der Anklageschrift. Dazu äußerte sich der stellvertretende Pressesprecher Christian Pfab um 9.45 Uhr: "Die Verhandlung hat begonnen. Wie lange sie heute dauern wird, hängt davon ab, ob die Angeklagte Angaben macht. Das war bis vor einer halben Stunde noch unklar." 

Folgetermine sind am 1., 2., 7. und 9. Februar 2022 vorgesehen. Ein Urteil wird voraussichtlich am 9. Februar erwartet. Sollte die junge Frau wegen Mordes verurteilt werden, wäre nach Jugendstrafrecht die längste Freiheitsstrafe zehn Jahre Haft.