• Bamberg: Luxus-Anwesen Villa Schröppel unter dem Miet-Hammer
  • Ankleidezimmer, Springbrunnen, Dom-Blick: Das bietet das Anwesen am Michelsberg
  • Trotz Wohnraummangel angemessen? Villa wird gegen Gebot vermietet
  • "Darf man nicht mit Vorbild verwechseln": Denkmalschützer kritisieren Stadt 

Die 2015 aufwendig sanierte Denkmal-Villa Schröppel am Bamberger Michelsberg soll neu vermietet werden. Die Stadt Bamberg wirbt um potenzielle Interessierte für das 121 Quadratmeter große Luxus-Anwesen und setzt dabei auf eine Art Bieterwettbewerb. Aber ist das in einer Stadt mit massivem Wohnraummangel überhaupt sozial vertretbar? Diese Frage hat in Bamberg eine heftige Debatte ausgelöst. Der Schutzverein Alt Bamberg übt nun deutliche Kritik an der Verwaltung

Update vom 16.05.2022: "Folge der Sanierung" - Denkmalschützer sehen klaren Fehler als Ursache der Villa-Debatte

Nach der heftigen Debatte um die Vermietung der Luxus-Villa Schröppel am Michelsberg in Bamberg hat nun auch der Schutzverein Alt Bamberg ein Statement abgegeben. "Die jetzige Diskussion um eine Vergabe der Villa Schröppel an höchstbietende Mieter kann man auch als Folge der Sanierung als kostspieliges 'Leuchtturmprojekt' sehen", erklärt der Denkmalschutzverein. Die Stadt Bamberg erklärte gegenüber inFranken.de indes erst vor Kurzem, dass die Villa nicht automatisch an den Meistbietenden vermietet werde. Das Mietgebot sei "nicht das wesentliche Entscheidungskriterium" - auch andere Aspekte spielten eine Rolle.

Bereits nach der Sanierung 2015 hatte man vonseiten des Schutzvereins Alt Bamberger heftige Kritik an den Arbeiten an dem Traditionshaus geübt. "Wir stehen an der Seite der klassischen Lehrmeinung, die für Bewahrung von Originalsubstanz, für Konservierung und Restaurierung steht", heißt es. Man verweise etwa auf die "Charta von Venedig", eine renommierte Denkmal-Richtlinie. Der Verein würde sich "gerade von der Stadt eine Vorbildfunktion wünschen", erklärt der Vorstand in der Mitteilung. "Leuchtturm" dürfe man nicht mit "Vorbild" verwechseln, Revitalisierung sei "kein Begriff der Denkmalpflege". Die Forderung: Die Stadt Bamberg solle sich "künftig bei ihren Vorhaben an diese Vorgaben halten". Der Schutzverein verweist auf verschiedene Vorteile, die diese Orientierung habe.

So könne man mit der "Erhaltung von originalen Bau- und Ausstattungsmerkmalen, durchaus mit Gebrauchsspuren" wissenschaftliche Forschung unterstützen, Kosten durch "nicht zwingend notwendige, der 'Schönheit' dienende Rekonstruktionen" einsparen und mehr Geld für "private Denkmalbesitzer*innen in den Fördertöpfen" belassen. Diese würden "durch diese Art von Sanierung nicht ent-, sondern ermutigt", heißt es. Die "deutlich geringeren Kosten" würden zudem dazu beitragen, "dass man in der Folge nicht gegen Höchstpreis vermieten müsste", so der Verein. Und fordert: "Bamberg braucht Vorbilder für leistbare, authentische Sanierungen, keine Leuchttürme."

Erstmeldung vom 12.05.2022: "Außergewöhnliche Wohnatmosphäre" - Luxus-Villa in Bamberg wird gegen Gebot vermietet

Die Bürgerspitalstiftung Bamberg suche "für dieses einmalige Gebäude ab dem 01.07.2022 einen neuen Mieter, der die außergewöhnliche Wohnatmosphäre eines Baudenkmals dieser Klasse besonders schätzt", heißt es im aktuellen Rathaus-Journal. "Reliefs und Ornamente prägen die Außenfassade des historistischen Kleinods", heißt es. Geworben wird auch mit "neuester elektronischer Steuerungstechnik und Fußbodenheizung".

Im Erdgeschoss befinde sich unter anderem ein geteiltes Speise- und Wohnzimmer mit Kaminanschluss und Glasmalereien auf den Erkerfenstern. Im Obergeschoss biete "ein Balkon mit aufwendig verziertem Gitter einen herrlichen Blick auf den Dom und über die Dächer der Stadt bis zu den Höhenzügen der Fränkischen Schweiz". Das Badezimmer sei "in dezentem modernen Design gehalten", außerdem gibt es für die neuen Bewohner und Bewohnerinnen zwei Schlafzimmer und ein "kleines Ankleidezimmer".

Die "terrassenartig angelegte Gartenanlage" besteche durch einen "prächtigen Treppenaufgang zum Michaelsportal im Südflügel der Klosteranlage St. Michael". Daneben biete "eine Grotte aus Süßwassertuffstein mit eingebauter Bank, ein Springbrunnen und eine Gartenterrasse mit berankter Pergola eine hohe Aufenthaltsqualität". Die Vermietung durch die Bürgerspitalstiftung Bamberg erfolge "gegen Gebot, ausgehend von einem Mindestmietpreis von 1950 Euro monatlicher Kaltmiete", heißt es.

Villa Schröppel wurde ab 2012 saniert: Heftige Kritik von Denkmalschützern – "zerstört" und "verfälscht"

Die Sanierung der Villa bis 2015 war von der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg scharf kritisiert worden. Das Denkmal habe hierdurch "sein Wesen und seinen Charakter" verloren, hieß es vor sieben Jahren. 1902 ließ der Schokoladenfabrikant Albrecht Schröppel demnach den Architekten Gustav Haeberle die Villa zwischen der Treppe zum "Erzengel-Portal" und der Straße "Am Michelsberg" planen. Auch weitere Häuser in der Nachbarschaft seien ähnlich gebaut worden. 

Seit 2010 war die Villa leergestanden, ab 2012 begann die Sanierung. Ein ehemaliger Forscher an der Uni Bamberg hatte diese gar als "Denkmalfrevel" bezeichnet. Die Gartenanlage sei "zerstört" worden, die Treppenanlage "verfälscht", das Ergebnis sei "insgesamt nicht einmal mehr als Renovierung oder Sanierung zu bewerten", weil "alle historischen Oberflächen der Villa" neu gemacht worden seien.

Kritik gab es auch an der Neugestaltung der Innenräume. "Böden und andere Ausstattungsstücke sind entfernt, dafür geschmäcklerisch neu entworfen, original erhaltene Türen wurden mit neu geschaffenen Zutaten andernorts versetzt und somit nicht nur die innere Erschließung der Räume verändert", schrieb Kunsthistorikerin Christiane Hartleitner damals im Magazin "Denkmalweiter"

Warum wirbt die Stadt Bamberg für die Vermietung der Luxus-Villa?

Was aber hat die Stadt mit der Vermietung der Villa zu tun? Eigentümer sei "die Bürgerspitalstiftung Bamberg, die durch die Stadt Bamberg treuhänderisch verwaltet wird", erklärt ein Stadtsprecher auf Anfrage. Diese finanziere sich "hauptsächlich durch Einnahmen aus ihrem Immobilienbesitz, dem Kapitalvermögen und dem Forstbetrieb", heißt es. Unter anderem gehören die Kirche St. Michael und die Klosteranlage, der Weinberg, Streuobstwiesen und ein Waldstück im Kreis Haßberge zur Stiftung. 

Die Überschüsse verwende die Stiftung für die Förderung der Altenhilfe, insbesondere das Seniorenheimes Bürgerspital werde daraus finanziert, so der Stadtsprecher. Warum aber wirbt die Stadt Bamberg so offensiv für ein Anwesen, dass sich nur Menschen mit sehr gutem Einkommen leisten können? "Die Villa Schröppel stellt eine Spezialimmobilie dar, die nicht mit anderen Objekten vergleichbar ist. Im Sinne einer größtmöglichen Transparenz wird die Villa zur Vermietung öffentlich ausgeschrieben", erklärt der Sprecher. 

Den Mindestmietpreis hält man bei der Stadt Bamberg "angesichts der Exklusivität dieses Objektes hinsichtlich Lage und Ausstattung" für "angemessen". Die Villa werde aber nicht an den Meistbietenden vermietet. Das Mietgebot sei "nicht das wesentliche Entscheidungskriterium". 

Teure Vermietung von "exklusiver Immobilie" trotz Wohnraummangel?

Wichtiger sei "neben weiteren Faktoren, dass die Mieter einen adäquaten Umgang mit diesem außerordentlichen Einzelbaudenkmal gewährleisten und zudem wirtschaftlich in der Lage sind, die monatlichen Miet- und Nebenkosten zu tragen", heißt es aus dem Rathaus. Einen Konflikt angesichts des mangelnden Wohnraums, gerade für Familien mit geringerem Haushaltseinkommen, sieht man bei der Stadt nicht. 

"Die Stiftung ist gehalten, ihr Vermögen bestmöglich zu verwalten. Sie hat dabei keinen politischen Auftrag. Auch bei der Vermietung dieser exklusiven Immobilie ist darauf zu achten, dass ein angemessener Mietpreis erzielt wird", so der Sprecher. Ein Verkauf der Villa sei hingegen "unwirtschaftlich". 

"Die Villa Schröppel als Einzeldenkmal ist ein unveräußerlicher Bestandteil des Gesamtensembles ‚Klosteranlage Michaelsberg‘ und steht daher nicht zur Disposition. Das Stiftungsvermögen ist grundsätzlich zu erhalten. Speziell das Immobilienvermögen stellt eine wichtige Einnahmequelle für die Stiftung dar", so der Sprecher der Stadt Bamberg. Es gebe bereits einzelne Interessenten für die Villa Schröppel. Auch online soll das Objekt noch ausgeschrieben werden.