• Bamberg: 2G-Plan im Einzelhandel sorgt für heftige Kritik
  • Ministerpräsident Söder (CSU) will Ungeimpfte aus Geschäften ausschließen
  • "Wir haben uns darauf verlassen": Boutique-Betreiber sagt Umsatzeinbußen voraus 
  • Verbandschefin hält 2G-Regel für "nicht notwendig" - doch es gibt eine Ausnahme

In Bamberg ist die Stimmung im Einzelhandel mehr als schlecht. Der Grund: Pünktlich zum Beginn des Weihnachtsgeschäfts hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Dienstag angekündigt, die Corona-Maßnahmen erneut zu verschärfen - und Ungeimpfte unter anderem aus Geschäften auszuschließen, die nicht hauptsächlich Waren des täglichen Gebrauchs verkaufen. Damit haben die Betreibenden vieler kleiner Geschäfte nicht gerechnet. 

Bamberger Boutique-Betreiber nach 2G-Verkündung enttäuscht: "Haben uns darauf verlassen"

Seit sechs Jahren führt Gregory Balfour die Modeboutique "Bold"am Grünen Markt in Bamberg. Der kleine Laden wirbt mit "angesagten Labels aus Frankreich, England, Italien, Skandinavien und natürlich Deutschland." Betreiber Balfour hat schlimme Befürchtungen, was die anstehende Einführung der 2G-Regel in seinem Geschäft angeht, erzählt er inFranken.de. "Es wird Einbußen geben und es wird auch zu Ärger an der Tür kommen", prophezeit er. "2G ist für uns überhaupt nicht gut." Das liege auch am Personalmangel. Trotz Suche nach neuen Mitarbeitenden würde sich "keiner melden", so der 59-Jährige.

"Die Kontrollen, die wir jetzt schon durchführen, werden künftig noch deutlich arbeitsintensiver. Wir lösen das mit einem „Bitte warten“-Schild und jeweils einem Mitarbeiter im Empfangsthekenbereich und im Verkaufsraum", erklärt er. Bereits jetzt sei die wirtschaftliche Situation durch die Maßnahmen "schwierig" geworden, "die Innenstadt ist leer, es werden die Touristen im Weihnachtsgeschäft fehlen", sagt Balfour. Die 2G-Regelung könne er "nicht nachvollziehen", sagt der Chef. "Wir haben Hygienekonzepte, wir haben Abstand, ich glaube nicht, dass wir das Problem sind." Ein wirkliches Problem sei hingegen, dass man "sechs bis neun Monate" im Voraus Waren bestelle.

"Da kann man nichts ändern oder stornieren, sondern nur hoffen, dass das Saisongeschäft läuft. Wir haben uns darauf verlassen, dass es nicht wieder so schlimm kommt, wir waren optimistisch", sagt Balfour. "Die jetzige Situation führt dazu, dass die Leute wieder mehr online bei größeren Händlern einkaufen. Wir haben zwar auch einen Online-Shop, aber das ist für kleine Läden wie unseren viel mehr Aufwand als es letztlich bringt. Man muss die Kleidung schließlich verpacken, verschicken, Rücknahmen annehmen, neu verpacken und so weiter."

Buchhändler in Bamberg eröffnet Laden im März 2021 - weil er Politik vertraute

Christian Köstner hat seine kleine Buchhandlung "Bücher Köstner" hinter dem Maxplatz erst am 8. März dieses Jahres eröffnet - und schon einiges mitmachen müssen. "Im Frühjahr gab es ja einen Quasi-Lockdown, als Leute ihre bestellten Bücher vor dem Laden abgeholt haben", erzählt er im Gespräch mit inFranken.de. Doch Köstner sagt, er sei "davon ausgegangen, dass die Politik ordentliche Pläne erstellen wird und nicht so seltsame, obskure Dinge wie Impfzentren zu schließen, obwohl klar ist, dass Corona im Winter stärker wird." Er habe auch nicht mit "den Leuten gerechnet, die sich nicht impfen lassen wollen". 

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Trotzdem halte er "nicht viel von 2G". Das Ganze sei "praktisch nicht umsetzbar" und laufe "letztlich wieder auf Abholung hinaus, weil die meisten Leute dann zu Hause bleiben". Er selbst habe es da noch einfach, da sein Team nur aus drei Personen inklusive ihm bestehe. "Ich stelle mich einfach vor die Tür, wenn Kundschaft kommt", so Köstner. Die Adventszeit sei - gerade für den Buchhandel - aber das "Allerwichtigste im Jahr". Köstner rechnet deshalb fest mit Umsatzeinbußen, wenn 2G kommt. 

Vor Weihnachten diene der Umsatz auch als Reserve für das traditionell eher maue Frühjahr, so der Buchhändler. Er habe aber Glück, schätzt er ein, weil er "noch gewartet habe, bis mehr Mitarbeiter eingestellt werden". Corona habe dazu geführt, dass er "vorsichtig" gewesen sei und seine Regale "langsam und Stück für Stück" gefüllt habe. 

"Der Handel wird bestraft": Verbandschefin fordert "vollständigen Ausgleich" für 2G

Wut über die 2G-Pläne ist beim Bayerischen Handelsverband zu spüren, die 2G-Pläne Söders empfindet man hier als Bestrafung des Handels, "für etwas, was er nicht verursacht hat", so die Bezirksgeschäftsführerin Oberfranken, Sabine Köppel, gegenüber inFranken.de. "Der Handel ist kein Pandemietreiber. Wir haben während der gesamten Corona-Krise keine Hotspots im Einzelhandel ausmachen können, weder in Oberfranken noch bundesweit. Auch Infektionen bei Beschäftigten fanden hauptsächlich außerhalb der Arbeit statt." 

Im Einzelhandel hielten sich "Kontakte in engen Grenzen, Beschäftigte und Kunden müssen Masken tragen". 2G sei eine "recht populistische Entscheidung, die die Berufsfreiheit einschränkt und der Gleichbehandlung aller Geschäfte widerspricht, weil Läden des täglichen Bedarfs Kunden empfangen dürfen", sagt Köppel. Ungeimpfte auszuschließen bedeute auch "zusätzliche Diskussionen und zusätzlichen Aufwand". 

Die Geschäftsführerin fordert deshalb zusätzliche Entschädigungen vom Staat, die "auch über die Überbrückungshilfe Vier hinausgehen". Mit der Überbrückungshilfe würden lediglich Fixkosten übernommen, es sei aber ein "vollständiger Ausgleich" für die betroffenen Geschäfte nötig, meint Köppel. Nur in einem Fall könnte man laut ihr über eine 2G-Regel für den Handel "nachdenken": In Landkreisen "mit über 1000-Inzidenz", erklärt sie. Ansonsten sei 2G "nicht notwendig" und würde auch "erneut sehenden Auges das Weihnachtsgeschäft ruinieren". 

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