Der Ton der IG Metall im Kampf um mehr Lohn wird rauer. Aber auch die Anzahl der Streikenden nimmt deutlich zu. Waren es vergangene Woche noch rund 800 Bosch-ler, die mit einer halbstündigen Arbeitsniederlegung ein Signal in Richtung Arbeitgeber gesendet hatten, gingen am Donnerstag weit mehr als 1700 Beschäftigte auf die Straße.

In zwei Demonstrationszügen versammelten sich die Beschäftigten in der Wunderburg zur Kundgebung. Die Streikenden kamen aus den Firmen Bosch, Wieland, Rupp und Hubrach, Schaeffler und anderen. Laut Angaben der IG Metall war damit zumindest in Bamberg auf der Frühschicht die Produktion so gut wie lahm gelegt. In einigen Betrieben wurde auch auf anderen Schichten gestreikt.

Die Aktion der IG Metall in der Wunderburg war am Donnerstag zudem der größte Warnstreik in Bayern.
Insgesamt beteiligten sich in den letzten Wochen in Bayern um die 165 000 Beschäftigten an verschiedenen Streikaktionen.

Doch nicht nur die Zahl der Streikenden nahm zu, auch der Ton der IG Metall wurde deutlich schärfer. "Herr lass Hirn vom Himmel regnen! Denn wenn endlich wieder Hirn in das bisherige Vakuum unserer Verhandlungspartner Einzug hält, dann können wir ernsthaft einen Kompromiss finden", wetterte Matthias Gebhardt, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Bamberg.

Die Angebote, die in den letzten sieben Wochen vorgelegt wurden, könne und wolle die Gewerkschaft so nicht akzeptieren. Zumal, wie Gebhardt weiter betonte, die Automobilzulieferbetriebe Milliarden von Umsatz machten und die Gewinne von Jahr zu Jahr steigen würden. "Wir nehmen auch jetzt noch nicht das Gas vom Pedal. Wir sind bestens gewappnet für eine Ausweitung der Streiks. Allerdings hoffen wir auf ein ernsthaftes Angebot in den nächsten Stunden und wir kehren gerne wieder zum Alltagsbetrieb zurück", sagte der Gewerkschaftler.


Unternehmen geht es gut

Wie gut es beispielsweise der Firma Robert Bosch GmbH in Bamberg gehe, berichtete deren Betriebsratsvorsitzender Mario Gutmann. Die Werke in Bamberg hätten alleine letztes Jahr 70 Milliarden Euro Umsatz gemacht. Das sei ein Plus von rund zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr. "Dabei handelt es sich um keine Eintagsfliege. Denn auch heuer rechnet man bei Bosch wieder mit einem Umsatz von 74 Milliarden Euro", berichtete Gutmann. Da seien die fünf Prozentforderungen der Beschäftigten mehr als gerecht.

Der katholische Betriebsseelsorge Manfred Böhm zitierte sinngemäß Johann Wolfgang von Goethe aus dem Jahr 1784, als der Dichter noch Finanzminister von Weimar war: "Immer muss das arme Volk den schweren Sack tragen. Dabei wird von oben jedoch immer mehr verzehrt, als von unten nachgeholt werden kann." Dies, so Böhm, treffe teilweise auch heute noch zu. Denn nur aufgrund der Arbeitskraft der Beschäftigten könnten derartige Gewinne eingefahren werden. Daher wäre es mehr als sozial gerecht, wenn alle an den erwirtschafteten Umsätzen und Gewinnen beteiligt werden. "Außerdem geht es bei Lohnverhandlungen nicht immer nur ums Geld, sondern auch um eine Wertefrage", unterstrich der Betriebsseelsorger. Denn schon in der Bibel stehe: Die Arbeiter seien ihres Lohnes wert.

Solidarische Grüße von den anderen Gewerkschaften überbrachte Mathias Eckardt, DGB-Regionsgeschäftsführer. Und Michael Schulz von der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) ließ symbolisch Spielgeld regnen. Dieses sollte symbolisieren, dass die Auszubildenden auf eine gerechte Entlohnung angewiesen seien, um einen Grundstock für ihr künftiges Leben schaffen zu können.