Schon vor dem offiziellen Start des ersten und wohl letzten
"Schätztages" am Samstag um 13 Uhr standen die Leute Schlange vor dem Kunst-
und Antiquitätengeschäft in der Karolinenstraße. In teilweise
abenteuerlichen Verpackungen wie Waschpulverkartons schleppten sie
tatsächliche oder vermutete Schätze mit sich: Allerhand Tand und Trödel aus
Keller und Dachboden oder aus der heimischen Wohnzimmervitrine in der
Hoffnung, dass eine echte, wertvolle Rarität dabei ist.

Keine Geringeren als die beiden Kunst- und Antiquitätenexperten Julian
Schmitz-Avila und Wolfgang Pauritsch empfingen die Schatzsucher. Beide
Männer gehören zu den bekannten Gesichtern der beliebten Trödelsendung
"Bares für Rares" im ZDF, die Fernsehkoch und Hobby-Sammler Horst Lichter
moderiert. Kein Wunder, dass die Bamberger Fans an diesem Samstag nicht nur
nach "Barem für Rares" gierten, sondern auch nach Autogrammen der
Fernsehstars.

Geduldig und humorvoll begutachteten und kommentierten Schmitz-Avila und
Pauritsch, was ihnen als Preziosen präsentiert wurde. "Ich will nicht
verkaufen, sondern nur schätzen lassen", war Brigitte Heim eher die
Ausnahme. Sie hatte einen Regulator, also eine Wanduhr aus Familienbesitz
mitgebracht. Prüfende Blicke von Julian Schmitz-Avila auf das Prunkstück,
und schon sprudelte er: "Die Uhr stammt aus der Gründerzeit um 1880,
Nussbaum, gut erhalten, 150 Euro."

Eine andere Frau hielt stolz einen Kerzenleuchter aus Messing in die Höhe.
"Das sind Schrauben dran, der Leuchter ist nicht älter als 60 Jahre", kam
die ernüchternde Antwort von Schmitz-Avila mit dem Zusatz: "Das ist leider
nichts für mich!" Kollege Pauritsch ergänzte: "Was 60 Jahre alt ist, ist
noch nicht antik." Auch die Besitzerin eines größeren Spiegels musste
enttäuscht abziehen: "Der stammt aus der Gründerzeit, davon gibt es viele,
ist 70 Euro wert", lautete die prompte Expertise. Und der Rat, das Objekt
doch auf dem traditionellen Bamberger Antik- und Trödelmarkt am 3. Oktober
anzubieten: "Da können Sie 100 Euro nehmen."

Ölbilder, historische Fotos, Gold- und Silberschmuck, Medaillen, Zinnkrüge,
Porzellanfiguren, Sammeltassen, Taschenuhren: Ein buntes Sammelsurium
landete auf den Tischen, bildete einen reizvollen Kontrast zu den
hochwertigen Möbeln des 18./19. Jahrhunderts im Geschäft als Kulisse für den
Schätztag. Einige Personen hatten Glück mit ihren Kleinodien, für die sie
tatsächlich Bares einstecken konnten. Den meisten jedoch empfahlen die
beiden Fachmänner, die "Erinnerungsstücke zu behalten". Wie etwa einen
Biedermeier-Glaskrug mit Zinndeckel oder einen Goldring mit Rubinen und
Flussperlen.

Julian Schmitz-Avila gab mit diesem Schätztag sozusagen seine
Abschiedsvorstellung in Bamberg. Nur noch wenige Wochen betreibt er sein
hiesiges Antiquitätengeschäft, für das er einen Nachfolger sucht. Der
31-Jährige geht nach Bad Breisig, um dort mit seinem Bruder Lennart einen
neuen Laden zu eröffnen.