So ein problemloser Einsatz macht einfach Spaß. Das ist dem breit lächelnden Polizisten Rainer Löhlein anzusehen. Der Scheßlitzer scheint diebische Freude daran zu haben, für die Kinderschar die Autos am Kaulberg in Bamberg zu stoppen. Etwa 600 prächtig herausgeputzte Buben und Mädchen strömen aus der Pfarrkirche Unsere Liebe Frau: Sternsinger in fantasievollen Königsgewändern, mit orientalischer Kopfbedeckung oder Kronen. Mitten drin im Pulk Erzbischof Ludwig Schick und Diözesanjugendpfarrer Detlef Pötzl. Für beide ist es Ehrensache, die Sternsinger auf ihrer Wallfahrt durch die Altstadt zum Dom zu begleiten.

"Ihr seid wichtig, weil ihr wichtige Botschaften zu bringen habt!" hatte der Erzbischof zuvor den Sternsingern in der Oberen Pfarre zugerufen.
Er sprach von einer dreifachen Botschaft: "Dass Jesus, der Neugeborene, alle Menschen segnen will; dass Kinder in allen Kontinenten wichtig sind, und dass die Leute etwas geben sollen." Gespannt verfolgte Schick mit den kleinen Königen den Video-Film aus Tansania, dem Beispielland der Aktion Dreikönigssingen 2013 unter dem Motto: "Segen bringen, Segen sein. Für Gesundheit in Tansania und weltweit".

Der Film zeigt, wie fünf Jugendliche aus dem Erzbistum Bamberg in Waisenhäusern oder Behinderteneinrichtungen der Diözese Rulenge Freiwilligendienste im Programm "weltwärts" leisten. Wolfgang Schmidt, Leitender Pfarrer des Pfarreienverbunds Ebrachgrund, schaute besonders aufmerksam zu. Ihm liege Tansania sehr nahe, weil er mit Rulenges Bischof Severine Niwemugizi befreundet sei. Der Bischof mache häufig Urlaubsvertretung im Pfarreienverbund, ergänzte Schmidt. Der Pfarrer führte gleich drei Sternsingergruppen aus seinen Pfarreien zur Aussendungsfeier: Kinder aus Frensdorf, Herrnsdorf und Pettstadt. Darunter Oberministrantin Patricia, die als König Kaspar auch Sternträgerin ist.

"Die Leute sind immer nett"
"Sternsingen macht Spaß, die Leute an den Haustüren sind immer nett", berichtete die 15-Jährige von ihren Erfahrungen mit der Aktion. Die elfjährige Antonia nickte zustimmend: "Schlechtes Wetter macht mir nichts", lachte das Mädchen, das den schwarzen König Melchior verkörpert.

Für afrikanische Sonne sorgte der Sänger und Trommler Alexis Madokpon auf der Pilgertour durch Bamberg. Präzise und gekonnte Schläge auf der Djembe gaben den Sternsingern ihren Marschtakt vor. Im Dom übernahm die Dekanatsjugendband aus Auerbach mit schwungvollen Liedern den Rhythmus.



Im Altarraum hielten Jugendliche ein überdimensionales Pflaster in die Höhe. Es machte deutlich, dass es viele Wunden in der Welt gibt: Wunden der Armut, des Hungers, des Krieges, der Krankheit. So sei es beispielsweise in Tansania nicht selbstverständlich, dass Kinder zum Arzt oder Zahnarzt gehen könnten, berichtete Michaela Berger vom Kindermissionswerk. In diesem Land gebe es nur 100 Kinderärzte, zu wenige Krankenhäuser und Gesundheitsstationen. Rund 1,6 Millionen Kinder seien mit dem HI-Virus infiziert oder hätten Aids, jedes zehnte Kind sterbe vor seinem fünften Lebensjahr.

Täglich sterben 20.000 Kinder
Erzbischof Schick schnappte sich ein Mikrofon und stellte sich zwischen die Kirchenbänke zu den Sternsingern. Als "Außenminister" der Deutschen Bischofskonferenz habe er in der ganzen Welt Einrichtungen wie Schulen und Kinderheime gesehen, die mit von den Sternsingern gesammelten Geldern unterstützt werden. Schick nannte bedrückende Zahlen und Fakten, "die ihr kennen und den Menschen sagen müsst, um zu wissen, wie es Kindern anderswo geht". Rund sieben Milliarden Menschen lebten auf der Welt, davon seien etwa zwei Milliarden Kinder unter 16 Jahren. 75 Millionen von ihnen würden keine Schule besuchen, sechs Millionen Kinder müssten täglich arbeiten; eine Million sitze in Gefängnissen, weil sie stehlen mussten, um sich und ihre Familien zu ernähren. "Täglich sterben 20.000 Kinder unter fünf Jahren an Unterernährung", so Schick. "Das muss uns aufregen und dazu anregen, etwas zu ändern", rief der Erzbischof. Das Engagement der Sternsinger sorge dafür, "dass es den Kindern a bissla besser geht. Eure Hilfe ist nicht sinnlos!"

Der Erzbischof sprach ein Gebet, segnete Weihrauch und Kreide, mit denen die Sternsinger in den nächsten Tagen ihren Segensspruch an die Türen zeichnen: 20 * C + M + B + 13. Schick schlüsselte die Buchstaben auf. Sie stehen für die lateinischen Worte "Christus mansionem benedicat (Christus segne dieses Haus). Die Jahreszahl steht für das neue Jahr.

Gut 6000 Sternsinger werden um den 6. Januar im Erzbistum Bamberg unterwegs sein. Im vergangenen Jahr brachten sie rund 1,4 Millionen Euro zusammen. Mit dem Geld werden weltweit Projekte in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Ernährung, Seelsorge, soziale Integration und Nothilfe gefördert.

Träger der Aktion Dreikönigssingen ist das Kindermissionswerk "Die Sternsinger" und der BDKJ (Bund der Deutschen Katholischen Jugend). Es machen aber auch evangelische Kinder mit. Sogar junge Muslime sind in manchen Orten dabei.