Wochenlang sind sie allabendlich aktiv, sägen, hämmern, schrauben, streichen, tanzen, singen, reimen und organisieren nur für ein einziges Ziel: die Kerwa. Die ist für die knapp 60 Mitglieder der Kerwasburschen und -madli Burgwindheim e.V. zur fünften Jahreszeit mutiert. Das viertägige Event am dritten Juli-Wochenende stemmt der 2001 gegründete Verein aus eigener Kraft und trägt dabei auch noch das finanzielle Risiko. Wir besuchen die Truppe kurz vor der Kerwa.

Unübersehbar steht im Hof des Gemeindebauhofes ein gigantischer Wagen - fast sechs Meter hoch. Ein Haus aus Holz und Pappe auf Rädern, Michael Ulrich schraubt gerade am Dach. Dieses Werk wird wohl einer der Blickfänge des Zuges am Sonntag (ab 14 Uhr) werden, meint Vorsitzender Andreas Krug.
Insgesamt elf Wagen werden durch "Winnäm" rollen und das Ortsgeschehen glossieren.


Geheimnis

Was genau thematisiert wird, bleibt geheim. Seit letzten September hat die Jugend Kerwawagen taugliche Ereignisse und Begebenheiten aufgeschrieben, bei den insgesamt drei Vorbesprechungen bewertet, sortiert und gekürt, um sich dann an die Umsetzung zu machen. "Für manchen ist es eine Ehre, wenn er einen Wagen bekommt, für andere eine Blamage", erklärt Christian Bätz. Die Vereinsregel besagt, dass ein eigenes Mitglied nur dann "verarscht" werden darf, wenn es einverstanden ist.

Beitreten kann man übrigens ab 16, mit seinen 73 Jahren ist Ehrenmitglied "Nobbi" Schubert der Älteste. Als Neumitglied wurde kürzlich Berthold Weinbeer (54) aufgenommen, sein Shirt verrät, dass er dazu gehört. Wie auch Florian Reiser, Stefan Fleischmann und Markus Plikat, die 2015 aufgenommen wurden. Nahezu die gesamte Dorfjugend ist dabei, zeigt sich Bernd Plikat aus dem Vorstandsteam stolz.

Es wird nicht nur intensiv zusammen gearbeitet, man isst auch miteinander, oftmals sitzen nach getaner Arbeit alle am Feuer. "Ohne Teichert geht nix", stimmt einer der Jungs an, die anderen fallen ein. Michael Teichert investiere seine gesamte freie Zeit in die Vorbereitung, merken die Jungs respektvoll an. Aber auch den Rest der Mannschaft trifft man fast jeden Abend im Bauhof. "Jeder macht das, was er am besten kann", lässt Isabell Uri wissen. Mädels bringen sich eher da ein, wo Filigraneres zu erledigen ist. An diesem Abend fahren sie, Sophia und Franzi Erinnerungszettel aus, damit jeder weiß, wo er im Einsatz ist. Holger Nitschke weiß es genau und freut sich nur bedingt auf den Klowagen.


Tradition und Gemeinschaft

Warum bringen Schüler, Azubis und Berufstätige sich so ein? "Die Gemeinschaft ist wichtig", sagt Thomas Brühl "und die Tradition". Verbindung und Identität schaffen die fast 60 Kerwaslieder. Immer wieder wird eines angestimmt. Oder es wird getanzt, das heißt für die mittlerweile legendäre Showeinlage am Sonntag (22 Uhr) geübt. Üben, das muss auch noch Vorsitzender Andi. Eigens für die Kerwa lernen er und zwei weitere Jungs Trompete.

Denn am Montagnachmittag zieht man von Haus zu Haus, um zu sammeln. Mit Ständerla geht's besser. Marco Bätz macht dann noch mit einem Schluck aus dem Bierfass "gefügig". Spenden sind notwendig. Schließlich trägt der Verein das gesamte finanzielle Risiko und muss etliches vorfinanzieren. An jedem der vier Kerwa-Abende spielt (ab etwa 21.30 Uhr) eine andere bekannte Band im Festzelt. Das baut man ebenso selbstverständlich auf , wie man fürs Baumaufstellen zuständig ist. Erlebnisreiche Tage also. "Und an ganzn Grund nauf und an ganzn Grund no iss die Winnäma Kerwa die schönste dävo", fasst Christian Bätz in einer Strophe das zusammen, was alle antreibt.