Ein 60 Jahre alter Bamberger soll zwischen September 2011 und April 2014 über 570 Mal mit Rauschgift gedealt haben. Vornehmlich handelte er mit Heroin - wenn stimmt, was ihm die Staatsanwaltschaft vorwirft. Seit Dienstag muss sich Peter F. (Name von der Redaktion geändert) dafür vor der Zweiten Strafkammer des Landgerichts verantworten.

Vom ermittelnden Kriminalbeamten erfuhren die Prozessbeteiligten und -beobachter, dass F. zur "alten Garde" der Bamberger Rauschgiftszene gehört, die schon in den 1970er Jahren aufgefallen ist.

Auch der 59-jährige Hauptbelastungszeuge Erwin T. (Name geändert) zählt dazu. Dieser will von F. im Tatzeitraum nahezu täglich ein halbes Gramm Heroin bezogen haben.
So steht es unter anderem in der Anklageschrift.

Seit April in Untersuchungshaft

Erst durch eine vertrauliche Aussage T.s bei der Polizei im Herbst 2013 waren die Rauschgiftfahnder auf F. und seine angeblichen Heroin-Geschäfte aufmerksam geworden. Sie überwachten in der Folge sein Telefon, brachten einen Peilsender am Auto seiner Freundin an, mit dem der Mann öfters unterwegs war, und nahmen ihn schließlich im April 2014 auf der Rückfahrt von Berlin an der Autobahn-Ausfahrt Hallstadt fest.

Im Wagen entdeckten die Polizeibeamten knapp 1500 Gramm Haschisch, Bargeld und manches mehr, aber kein Heroin. Auch in der Wohnung seiner Lebensgefährtin, bei der F. lebte, fand man kein Heroin. Die rund 65 Gramm Marihuana und etwa 400 Gramm Amphetamin, die dort sicher gestellt wurden, gehörten ihm. Das räumte F. ein.

Zum Hauptvorwurf, dem Handel mit Heroin, machte er am Dienstag keine Angaben.

Sein Verteidiger Christian Barthelmes versuchte vielmehr, die Glaubwürdigkeit des Hauptbelastungszeugen zu erschüttern. Doch T. blieb dabei, dass er seinen Heroinkonsum nahezu ausschließlich über F. gedeckt haben will.

Nur dann, wenn dieser verreist oder inhaftiert war, habe er sich selbst Nachschub in Nürnberg oder Frankfurt besorgt oder versucht, sich mit Ersatzmitteln zu behelfen. Es gebe doch sicher noch andere Heroin-Händler in Bamberg, wollte Vorsitzender Richter Manfred Schmidt wissen. Der Zeuge verneinte dies.

Gefragt, warum er zur Polizei gegangen ist, sagte T., er wolle endlich vom Rauschgift loskommen. Um zu untermauern, dass er die Wahrheit sagt, wies er darauf hin, dass er sich mit seinen Aussagen ja selbst belastet habe. Ein Ermittlungsverfahren gegen ihn läuft.

Staatsanwalt Christoph Rosenberg geht davon aus, dass Peter F. , der nur eine kleine Rente bezieht, seinen Lebensunterhalt zumindest teilweise aus dem Handel mit Heroin bestritten hat. 50 bis 60 Euro soll er für ein 0,5 Gramm verlangt haben. Wie hoch seine Gewinnspanne war, blieb unklar.

Jeden Tag Drogen für 50 Euro

Unklar ist freilich auch, wie der Hartz-IV-Empfänger T. seine Sucht finanziert. Schmidt rechnete ihm vor, dass er monatlich allein für Drogen an die 1500 Euro brauche, sofern seine Angaben stimmen. Einiges will sich der Zeuge durch "kleinere Haschisch-Geschäfte" verdient haben. T. zu den Richtern: "Irgendwie habe ich die 50 Euro immer aufgetan."

Aus dem Sachverständigen-Gutachten einer Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie ging hervor, dass Peter F. früher selbst abhängig von Heroin war. Auf Frage des Verteidigers nannte es die Ärztin "äußerst unwahrscheinlich", dass jemand mit F.s Vorgeschichte mit Heroin dealen könnte, ohne rückfällig zu werden.

Fakt ist, dass ein Drogentest beim Angeklagten nach seiner Festnahme keinerlei Hinweis auf Heroinkonsum ergab. Andere Betäubungsmittel waren bei ihm sehr wohl nachgewiesen worden.

Die Verhandlung geht am Donnerstag weiter und möglicherweise zu Ende.