Ein ganzes Stück Arbeit wartete am Freitag auf den Künstler Gunter Demnig. Er hatte 22 weitere Stolpersteine in Bamberg zu in den Boden zu setzen. Somit erhöht sich die Gesamtzahl der insgesamt in der Stadt verlegten Steine auf 150.

Zwei der 22 Erinnerungssteine wurden vor dem Gebäude der ehemaligen Frauenklinik am Markusplatz verlegt. Das ist eine Ausnahme. Denn üblicherweise werden die Steine mit den kleinen Messingplatten vor den ehemaligen Wohnhäusern von Opfern der Nationalsozialisten verlegt. Erinnern sollen die beiden Steine an das Schicksal von Nathan G. und Suse Kahn. Sie kamen in der ehemaligen Frauenklinik in Bamberg zur Welt und wurden beide im Konzentrationslager Ausschwitz 1944 von den Nationalsozialisten ermordet.

"Die Stolpersteine erinnern uns daran, dass auch in Bamberg Menschen dem grausamen System der Nationalsozialisten zum Opfer fielen. Sie erinnern an das unermessliche Leid, das so vielen Menschen zugefügt wurde", sagte Bürgermeister Christian Lange (CSU) in der Friedrichstraße, wo ein Stein für Frieda Rehbock verlegt wurde.

Die Stolpersteine würden aber auch daran erinnern, dass alle Deutschen verantwortlich dafür seien, dass zwei kleine Worte für immer Gültigkeit besitzen: "Nie wieder!" So dürfe es in der Bundesrepublik nie wieder Krieg und Hass, nie wieder Völkermord und unfassbare Menschenrechtsverletzungen sowie nie wieder Rassismus und Diktatur geben.

Auch der Präsident der Universität Bamberg, Godehard Ruppert, der zusammen mit Studenten und Dozenten der Aktion vor dem Markushaus beiwohnte, sieht in den Stolpersteinen einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur. Er wünschte sich aber auch, dass man zwar über die beiden Steine vor dem Eingang des Unigebäudes "stolpern", aber sie nicht mit Füßen treten möge.

Europaweit hat der Künstler Gunter Demnig mehr als 50 000 "Stolpersteine gegen das Vergessen" verlegt. In Deutschland finden sich die Erinnerungssteine mit den kleinen Messingplatten in weit über 500 Städten. In Bamberg hat es sich die Willy-Aron-Gesellschaft zur Aufgabe gemacht, die Stolperstein-Verlegung voranzutreiben und damit die Erinnerungskultur auszubauen.


Die neuen Stolpersteine in Bamberg:

Hainstraße 4 für Anna Fischel, Lilly und Max Pretzfelder,
Hainstraße 9 für David und Helene Herrmann,
Zinkenwörth 17 für Hans H. Sommer,
Zinkenwörth 35 für Albert, Sofie und Ruth Weil,
Austraße 21 für Adolf und Rosa Forchheimer,
Markushaus, Markusplatz 3, für Nathan G. und Suse Kahn,
Herzog-Max-Str. 13 für Leo, Rosa und Jakob Ansbacher,
Friedrichstraße 6 für Frieda Rehbock,
Untere Königstraße 2 für David T. und Lea Königsbuch,
Luitpoldstraße 16 für Babette Bernet,
Luitpoldstraße 40 für Maria Bickart und
Luitpoldstraße 48 für Herrmann Dorn