Ein wenig Stolz über die Anerkennung, im kleinsten bayerischen Staatsbad Gastgeber der Auftaktveranstaltung für den Reha-Tag sein zu dürfen, schwingt in der Begrüßung von Harald Barlage mit, der die Tagung nach 14 erfolgreichen Jahren als echte Institution bezeichnet. Der "Vorstand Kliniken Bad Bocklet AG" glaubt, dass "die mehrwöchige stationäre Rehabilitation in ruhiger Landschaft und unaufgeregter Umgebung", als gesundheitsfördernde Auszeit, abseits sämtlicher Verpflichtungen, als Therapie auch weiterhin bei der Erhaltung der Arbeitsfähigkeit ihren Platz behält. Das gesetzlich verankerte Prinzip "Reha vor Pflege" werde weiter Bestand haben.
Sandro Kirchner (MdL, CSU) sieht in der Tatsache, dass Impulse zum Thema Reha in diesem Jahr aus Bad Bocklet kommen als Beleg für die Kompetenz, die man in der Branche dem Rehabilitations- und Präventionszentrum zumisst: "Die Reha ist Wirtschaftsfaktor und Arbeitsgenerator für unsere Region", stellt der Landtagsabgeordnete fest.
Landrat Thomas Bold ist beeindruckt von der fachlichen Qualität der Veranstaltung. Reha bedeutet für ihn auch, Krankheit abzuwehren. Der medizinische Fortschritt hilft, die Menschen länger gesund zu erhalten. "Dabei ist unser Landkreis als Gesundheitsstandort außerordentlich gut positioniert", meint Bold,


"Hundert ist die neue Achtzig"

Hochkarätige Vertreter von Institutionen, Organisationen und Verbänden zeigen auf und diskutieren,wohin sich die Rehabilitation bewegt. Thomas Bublitz, Hauptgeschäftsführer des Bundes Deutscher Privatkliniken, beschreibt in seinem Grußwort, was Reha kann und fragt, wie unser Gesundheitssystem es sich leisten kann, dass jeder zweite ältere Kranke eher in Rente als zur Rehabilitation geschickt wird. Professor Dr. Monika Reuss-Borst eröffnet die Vortragsreihe mit Betrachtungen zu den Herausforderungen des demographische Wandels. Sie sieht das Alter nicht nur negativ, berichtet, dass sich Senioren heute zehn Jahre jünger fühlen -ihre Folie mit der Geburtstagstorte behauptet keck: 100 ist die neue 80-, bricht eine Lanze für die Reha, die helfen kann unabhängig zu bleiben, weil Prävention Krankheiten hinausschieben kann.


Familien eingebunden

Die Ärztliche Gesamtkoordinatorin Kliniken Bad Bocklet AG hebt aber auch warnend den Finger: Noch pflegen überwiegend Familienmitglieder ihre Angehörigen im Alter. "Was aber wird sein, wenn in einigen Jahren die Baby-Boomer Generation selbst ins Rentenalter kommt"? Weil die Familien heute kleiner, die Kinder oft weggezogen sind, die Eltern aber auch länger leben, "müssen wir Lösungen finden, wie ältere Menschen selbstbestimmt am Leben in der Gesellschaft teilnehmen können". Sie folgert daraus, dass sich medizinische, berufliche und soziale Rehabilitation weiter entwickeln muss. Dr. Clemens Grupp von den Kliniken Bamberg referiert über "Patientenorientierte Medizin und die Bedeutung der Reha im Alter", während Dr. Christian Hetzel von der Sporthochschule Köln fragt, ob nicht auch pflegende Angehörige spezielle Reha-Angebote brauchen.


Stationär, ambulant, mobil

Dirk van den Heuvel (Bundesverband Geriatrie) stellt die Frage nach passgenauer geriatrischen Reha: "Stationär, ambulant, oder mobil? Prof. Dr. Boris Augurzky (RWI Essen) sieht die Reha aus gesundheits-ökonomischer Perspektive, während Dr. Claudia Wöhler von der Barmer das Thema "Reha vor Rente" aus Sicht der Krankenversicherer betrachtet. Vor dem Mittagessen erklärt dann Fredi Breunig, verschmitzt-spitzfindiger Kabarettist aus dem Grabfeld, die fränkische Ansicht zum Thema Gesundheit.
Da haben es die Teilnehmer der Podiumsdiskussion im Anschluss natürlich schwer, die Zuhörer wieder in den Tagungsrhythmus einzufangen, weil sich Zukunftsperspektiven der Reha nun mal nicht so locker-flockig und witzig formulieren lassen.
Zuhörer Anton Bauernschubert erlebt an em Tag mit, wie vor allem die Finanzierung zwischen Renten- und Pflegekasse und den Krankenkassen zu durchaus konträren diskutiert wird, zieht aber dennoch ein positives Fazit: "Ich habe für mich viele Erkenntnisse gewonnen" , sagt der Thundorfer Altbürgermeister.