Absolute Ruhe herrscht im Wildpark Klaushof, da ihm seit November wieder die Besucher fehlen. Das Rot- und Damwild hat sich ins Dickicht zurückgezogen, sogar die Hasen und Kaninchen des Streichelzoos hocken im Bau. Nur die Esel stehen am Gatter und scheinen unseren Reporter als unerwarteten Besucher zu bestaunen. Doch die Ruhe im Wildpark täuscht. Denn die tägliche Arbeit geht für Stadtförster Axel Maunz und seine Mannschaft unverändert weiter. Dasselbe gilt für die Zusammenarbeit mit der Universität Würzburg, wenn auch zwangsläufig nur für deren theoretischen Teil.

Erfreuliches Ergebnis trotz Pandemie

"Unsere Tiere haben jeden Tag Hunger und müssen von uns versorgt werden", nennt Axel Maunz nur ein Beispiel. "Unser Arbeitspensum ist gleich, nur die Einnahmen fehlen." Dennoch brachte das vergangene Jahr trotz der ersten dreimonatigen Schließung von März bis Mai erstaunlicherweise ein erfreuliches Ergebnis: Zwar fehlten wegen des ausgefallenen Präsenzunterrichts die Schulklassen, doch dieses Minus machte die höhere Zahl erwachsener Besucher mit teureren Tickets wieder wett, so dass unterm Strich bei gleicher Besucherzahl (58.000) die Einnahmen im Jahr 2020 um 20.000 Euro über denen des Vorjahres lagen. Da gleichzeitig weniger Instandhaltungen anfielen, verminderte sich der Aufwand gegenüber 2019 um 30.000 Euro.

Die besucherlose Zeit nutzt das Wildpark-Team gerade zur Beseitigung etlicher winterbedingter Bodenschäden und für notwendige Reparaturen an Gehegen. Es gibt viel zu tun. "Der Winter war lang, und wir hatten harten Frost", nennt der Stadtförster als Grund. "Wir haben ein sportliches Programm bis zur Wiederöffnung." Wie viele hofft auch er, dass der Park zu Ostern öffnen kann. "Aber der Osterhase ist sich auch noch nicht sicher, ob er kommen darf", fügt er schmunzelnd an.

Freude aufs Eulen-Gehege

Um die Sperrung des Klaushofs sorgt sich auch der Verein der Freunde des Wildparks. "Besonders den Kindern und Schulklassen fehlt doch die Begegnung mit den Tieren", bedauert Stadträtin Gudrun Heil-Franke (CSU) als dessen Schriftführerin, blickt aber positiv in die Zukunft: Der Förderverein freut sich schon auf das neue Eulen-Gehege und unterstützt die Sanierung des Fischotter-Teichs, da hierfür noch Geld fehlt. "Wir sind immer da, wenn Herr Maunz uns braucht."

Doch dies alles interessiert die Tiere des Wildparks nicht. Ihr Leben zieht tagtäglich in normalen Bahnen dahin, vielleicht sogar etwas entspannter, da sie nicht mehr von den Zweibeinern gestört werden. "Es sind Wildtiere in ihrem natürlichen Umfeld und keine gefangenen Zootiere", macht Axel Maunz den Unterschied deutlich. Deshalb vermutet er, dass sie sich nach Wiederöffnung den ersten Besuchern gegenüber sogar scheuer verhalten werden als vor dem Lockdown.

Zeit für Nachwuchs

Momentan könnten zu viele Besucher eher stören, da bei den Parkbewohnern die Zeit der Familienplanung ansteht. Der Birkhahn plustert schon in der Balz sein Gefieder. Schafe und Ziegen haben sogar bereits ihre Lämmer, beim Damwild wird es erst im April und Mai so weit sein. Maunz hofft heuer sogar auf ersten Nachwuchs bei den Luchsen. Hatte man in den Vorjahren nur ein aus Mutter und Tochter bestehendes Paar, um Nachwuchs zu verhindern, hat Maunz nach dem Tod des Muttertieres ein Männchen besorgt. "Jetzt lassen wir der Natur ihren Lauf und sind alle sehr gespannt. Wenn sich Nachwuchs einstellt, dann im Mai."

Unabhängig vom Lockdown läuft die Zusammenarbeit mit der Fakultät Biologie der Universität Würzburg, wenn auch für die angehenden Biologie-Lehrer der praktische Teil im Klaushof als außerschulischer Lern- und Lehrort für Führungen von Schulklassen zur Zeit ausfällt. Aber gerade werden eine zweite Dissertation und vier Bachelor-Arbeiten geschrieben, die sich mit der inhaltlichen Programmierung des Klaushofs als Teil des künftigen Naturerlebniszentrums Rhön befassen. "Das Zentrum wird dem ganzen Areal eine weitere großartige Entwicklung in der Zukunft ermöglichen", ist Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) überzeugt.

Nachhaltigkeit immer wichtiger

Mit der stetigen Weiterentwicklung des Wildparks ist der Oberbürgermeister zufrieden. "Der Klaushof ist ein echter Kissinger Klassiker, aber mit Ausrichtung in die Zukunft." Denn das Thema Nachhaltigkeit werde immer wichtiger, wozu der Klaushof "seit jeher seinen greifbaren Beitrag" liefert. Man denke nur an den Fischotter, nennt Vogel als konkretes Beispiel, dessen vom Aussterben bedrohte Art zu Jahresbeginn von der Deutschen Wildtierstiftung zum "Tier des Jahres 2021" gewählt wurde.

Die Bedeutung des Wildparks Klaushof wurde zuletzt im Sommer 2020 offensichtlich, als andere Freizeit- und Kultureinrichtungen geschlossen blieben, der Wildpark aber öffnen durfte. Vogel: "In der Pandemie kam der Klaushof mit seinem Angebot gerade richtig." Deshalb steht für den Oberbürgermeister fest: "Wir machen auf, sobald wir dürfen."