Marcus Enders hat ein wenig recherchiert und herausgefunden, dass es in den letzten zehn Jahren keine Mannschaft aus Rhön-Grabfeld beziehungsweise Unterfranken auf das Podest in der bayerischen Marathon-Mannschaftswertung geschafft hat. Und für den SV Frankenheim ist der Erfolg ohnehin ein Novum.
Doch wie kam es überhaupt dazu, dass ein Frankenheimer, ein Wildfleckener und Oberweißenbrunner gemeinsam beim Würzburg-Marathon antraten? Vor einem Jahr hatte Marcus
Enders beschossen, am Marathon in Würzburg teilzunehmen. 2012 war er als Zuschauer an der Strecke und unterstützte seine Freunde, unter anderem Holger Trump. "Im nächsten Jahr bin ich dabei, das stand für mich fest", erzählt Marcus Enders. In Holger Trump fand er einen Weggefährten.
Anfang März stiegen beide ins Training ein. Zwei Wochen später hatte Enders die Idee, an der im Rahmen dieser Veranstaltung ausgetragenen bayerischen Meisterschaft innerhalb der Mannschaftswertung teilzunehmen. Doch dazu brauchten sie einen Teampartner. "Mein erster Gedanke war, dass Alexander das machen kann. Ich habe ihn angerufen. Er konnte es sich gar nicht aussuchen: Du musst", erinnert sich Enders an das Telefonat. Marcus Endres betreut Alexander Eckert bereits mehrere Jahre im Bereich Ski Nordisch im Training und bei Wettkämpfen. Alexander Eckert musste gar nicht lange überredet werden, er war sofort begeistert. "Weil ich schon immer mal einen Marathon laufen wollte, habe ich gleich ,Ja' gesagt. Jetzt stehe ich voll im Training, das konnte ich nutzen."
Mit 20 Jahren war Alexander Eckert der jüngste Teilnehmer überhaupt. "Er hat eine Superleistung gebracht, beachtlich für Anfang 20", sagt Marcus Endres. "Eigentlich habe ich mit einer Zeit über drei Stunden gerechnet, zumal er erst zwei Wochen später mit dem Training begann." Außerdem war er in der Trainingsphase noch für eine Woche in Spanien, wo er nur bedingt trainieren konnte. Schätzungsweise hat Alexander Eckert für die Marathonvorbereitung 650 Kilometer zurückgelegt, während Holger Trump gute 1000 Kilometer lief und Marcus Enders circa 780 Kilometer. Gemeinsame Trainingseinheiten haben die drei nur einige wenige absolviert. "Wir habe uns schon jeder für sich vorbereitet. Es war sehr individuell. Wir waren zusammen auf der Bahn, das war's aber auch schon", sagt Marcus Enders.
Ihr Ziel war, auf unterfränkischer Ebene eine Medaille zu holen. "Dass wir auch bayernweit so gut waren, das hat uns überrascht und sehr gefreut." Nach Festlegung der geplanten Endzeit beschlossen Eckert und Trump, den Lauf gemeinsam zu bestreiten. Der leistungsstärkere Enders machte sich alleine auf den Weg. "Ich bin's dann aber zu schnell angegangen", musste er rückblickend feststellen. "Ab Kilometer 26 ging es bergab. Ich war kurz davor, stehenzubleiben, so langsam wurde ich. Bei Kilometer 37 habe ich mich wieder gefangen. Vor allem auch, weil Alexander und Holger gefährlich nahe gerückt waren. Das gab mir neue Motivation, vor ihnen ins Ziel zu kommen."
Für Holger Trump war die Mannschaftswertung ausschlaggebend. "Wenn man aufgibt, gibt man das ganze Team auf." Er konnte auf seine Marathonerfahrung aus 2011 (Frankfurt) und 2012 (Würzburg) zurückgreifen und erwies sich als und Coach für Alexander Eckert. Konsequent seinen eigenen Durchschnitt laufen und regelmäßig die eigene Geschwindigkeit zu überprüfen, das sei schon ein Herausforderung, aber unbedingt notwendig, um hinten raus nicht einzubrechen.
"Am Ende hat mir Flüssigkeit gefehlt. Ich hätte mir gewünscht, dass auch auf den letzten zwei, drei Kilometern noch Getränkestand gewesen wäre. Ich schickte Alexander ab Kilometer 41 los, mir selbst ging es darum sicher ins Ziel zu kommen", erzähle Holger Trump. Marcus Enders überquerte nach 2:48,57 Stunden die Ziellinie. Kurz darauf folgte Alexander Eckert mit 2:50,31 Stunden, Holger Trump beendete mit einer Zeit von 2:51:01 Stunden das Rennen. Überglücklich waren sie alle drei.