6000 Feuerwehrleute stehen im Landkreis auf Abruf. Freiwillig, ehrenamtlich und allzeit bereit. Löschen, retten, bergen - im Notfall verlassen wir uns auf ihre Hilfe. Aber was kostet es, wenn sie anrücken, und wer bezahlt die Rechnung für ihren Einsatz?

Das Drehleiter-Fahrzeug der Kissinger Feuerwehr schlägt pro Stunde mit 212,66 Euro zu Buche. Den dazugehörigen Einsatz kann Harald Albert, Stadtbrandinspektor und Kommandant, meist niemandem berechnen. So steht es im Bayerischen Feuerwehrgesetz. Einsätze, die sich darauf konzentrieren, Menschen oder Tiere zu retten oder zu bergen, sind kostenlos. Inklusive An- und Abfahrt. Auch fürs Löschen wird grundsätzlich nichts in Rechnung gestellt - sofern Menschen oder Tiere gefährdet sind. Manchmal kann es aber trotzdem teuer werden: 25 000 Euro hat die Kissinger Wehr im vergangenen Jahr mit Einsätzen eingenommen.

Sogenannte technische Hilfeleistungen, mit denen nicht unmittelbar Menschen- oder Tierleben gerettet werden, kosten. Laut Gesetz ist so die eine Hälfte eines Verkehrsunfall-Einsatzes frei, für die andere Hälfte kommt eine Rechnung. Öl abbinden, Verkehr lenken, absichern, reinigen: dafür muss der Verursacher bezahlen.


Kostenaufstellung nach Einsatz

Nach einem Notruf schreibt der Kommandant einer Feuerwehr einen Einsatzbericht. Darin ist aufgelistet, wie viele Feuerwehrleute in Aktion waren und wie lange, welches Material sie gebraucht haben und wie viel und mit welchen Fahrzeugen sie angerückt sind. Aus diesem Bericht strickt die Verwaltung der jeweiligen Gemeinde einen Bescheid. Der geht im Fall eines Verkehrsunfalls an den Fahrzeughalter, der ihn wiederum an seine Versicherung weitergibt.

Jochen Zimmerhackl von der Verwaltungsgemeinschaft Bad Brückenau übernimmt das für die Wehren der Gemeinden Riedenberg, Schondra, Oberleichtersbach und Geroda. Am häufigsten gibt es von ihm Post, wenn die Feuerwehr die Straße reinigen musste oder eine Ölspur abzubinden hatte, meint er. Im Normalfall zahlt dann die Versicherung des Verursachers. Jede Gemeinde kann laut Gesetz allerdings selbst bestimmen, ob sie den Einsatz abrechnet oder nicht.

Die Gemeinde kann so auf Menschen Rücksicht nehmen, bei denen das Geld knapp ist. Ausnahmen werden auch schon mal für Feuerwehrleute gemacht. Läuft beim Schlepper eines Kameraden auf der Heimfahrt vom Feld das Hydrauliköl aus, kann es sein, dass er nur die Materialkosten und nicht die Personalkosten des Einsatzes in Rechnung gestellt bekommt. Ein anderer Kostenpunkt bleibt aber immer bei der Kommune hängen. Auch bei kostenfreien Einsätzen entstehen Kosten. Die Abnutzung der Feuerwehrautos, Fahrtkosten und - der Dienstausfall der Feuerwehrleute. Den stellen die Firmen den Gemeinden in Rechnung.


Straßenmeisterei steht ihnen bei

"Wir müssen verstärkt versuchen, die Bauhöfe einzubinden", sagt Kreisbrandrat Benno Metz. Zumindest während der "normalen Arbeitszeit", meint er. Tiemo Stürzenberger, Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr Oberthulba, sieht es ähnlich: "Wir sind da, wenn Gefahr in Verzug ist. Danach müssen wir abgelöst werden." Andernfalls werden die Kosten höher, auf denen die Gemeinde sitzen bleibt.

Die Einsatz-Einnahmen der Kissinger Wehr entstehen hauptsächlich aufgrund einer Lage, die wohl das Gegenteil einer Win-Win-Situation ist. Die Feuerwehrleute vergeuden ihre Freizeit und der Verursacher sein Geld: Der Fehlalarm. 300 Euro kostet es, wenn die Feuerwehr ohne Grund anrückt. "Und da sind wir noch günstig", sagt Harald Albert.


Bayerisches Feuerwehrgesetz

Kosten Im Artikel 28 des Bayerischen Feuerwehrgesetzes ist geregelt, welche Einsätze die Gemeinde in Rechnung stellen kann. Ob es eine gibt und wie hoch sie ausfällt, kann die Kommune selbst entscheiden. Nach der sogenannten Billigkeitserwägung kann zum Beispiel bei "persönlichen Härten" von einem Kostenersatz abgesehen werden.

Praxis Der klassische Fall "Katze auf dem Baum" kostet nichts; wenn die Feuerwehr ein Wespennest aus einem Rollokasten entfernt, schon. In Bad Kissingen etwa 150 Euro. Für eine Einsatz-Stunde eines Kissinger Feuerwehrmanns werden 20 Euro berechnet.