Die Auswahl an Weinen ist riesig. Da ist es egal, ob der Verbraucher im nächsten Supermarkt, beim Fachhändler oder direkt beim Winzer einkauft. Stefanie Hehn aus Haard gehört zu den besten Sommelièren in Deutschland, arbeitet als Chef-Sommelière im Hamburger Luxushotel "The Fontenay" und wurde für ihren Sachverstand bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem vom einflussreichen Restaurantführer "Gault & Millau". Sie empfiehlt: Wer sich in der Welt der Weine gut zurechtfinden und nicht planlos vor Regalen stehen will, der muss sich intensiver mit dem Thema befassen. Und er braucht gute Beratung. "Es gibt keinen einfachen Weg, um sich mit Wein auszukennen und auch keine Faustregel, nach der man sich richten kann. Dazu ist das Thema zu vielschichtig", sagt sie.

Wie aber lernt der Laie, woran er einen guten Wein erkennt? Die Sommelière rät: "Das Wichtigste für Einsteiger ist, erst einmal herauszufinden, was der eigene Geschmack ist. Den kennen viele nicht." Dazu reicht oft schon das Restaurant des Vertrauens aus, um sich ein bisschen an der Weinkarte auszuprobieren. Mit guter fachlicher Beratung würden die Meisten schnell merken, in welche Richtung es bei ihnen geht. Wer einen Wein gefunden hat, der ihm zusagt, sollte sich davon Fotos machen und abspeichern. "Wenn man weiß, was man mag, ist es leichter, sich zurechtzufinden", erklärt Hehn.

Weinregionen kennenlernen

Wer sein Wissen über Weine vertiefen will, der kann Weinproben beim regionalen Winzer oder Weinseminare besuchen und er sollte sich mit Fachliteratur auseinandersetzen. Magazine wie Falstaff, Sommelière-Magazin und Schluck bieten einen guten Überblick für den Start. "Für Sommeliers und Weinprofis reicht es nicht aus, sich nur mit deutschsprachiger Fachliteratur auseinanderzusetzen", erklärt Hehn. So kann man auch dem internationalen Gast gerecht werden. "Je mehr man sich damit auseinandersetzt, umso mehr kann man sein Wissen anwenden", findet sie.

Und das macht Spaß. Beim Verkosten gehe es letztlich darum, den Wein zu verstehen. "Wein ist nicht nur ein Getränk, das nach verschiedenen Geschmacksrichtungen sortiert ist, sondern er repräsentiert die Region, die Menschen und das Klima, die an seiner Entstehung beteiligt waren", sagt die Top-Sommelière. Wer zum Beispiel einen authentischen Wein aus der Toskana probiert, der schmeckt das toskanische Essen und die Gewürze gleich mit. Ein Tipp: Den Wein sollte man sich nach den Themen aussuchen, mit denen man sich aktuell gerade beschäftigt, zum Beispiel wenn man den Fokus auf eine bestimmte Weinregion legt.

Verkostungsschema als Hilfe

Weine richtig zu schmecken erfordert viel Übung. Derjenige sollte offen sein und sich nicht scheuen, Neues auszuprobieren. "Beim Bewerten eines Weines sollte man nicht nur darauf schauen, ob es einem schmeckt oder nicht, sondern man sollte beschreiben, wie der Wein schmeckt", erklärt sie. Ein Verkostungsschema hilft, sich klar zu machen, welche Komponenten alle in einem Wein stecken können. Wie setzt sich zum Beispiel die Aromatik zusammen, sind Fruchtaromen zu schmecken, ätherische Öle und Kräuter, sind Düfte wahrnehmbar, die auf die Herstellung schließen lassen (etwa die Lagerung in Holzfässern), oder sagt der Wein etwas über die Mineralität aus, also darüber auf welchem Boden die Trauben gewachsen sind? Hehn: "Man muss sich einen Plan machen, worauf man achtet."

Gespuckte Verkostung

Den Wein vor einem Kauf zu probieren, gehört für Deutschlands beste Sommelière 2019 dazu. Ebenso wichtig findet sie, dass der Käufer die Gelegenheit hat, den Wein nach dem Probieren wieder in ein Gefäß auszuspucken. "Wenn man die Qualität eines Weines bewerten will, darf man den Alkohol nicht in den Körper lassen", erklärt sie. Beim Einkauf auf Messen probiert sie am Tag um die 100 Weine, da jeden Schluck zu trinken wäre nicht möglich. Grundregel ist für sie deshalb: Beim Einkauf wird nicht getrunken. "Das macht dann vielleicht nicht so viel Spaß, aber das braucht es, wenn man Wein bewerten will", sagt sie.

Überhaupt sollte sich der Weinkenner darüber bewusst sein, dass Wein kein Durstlöscher, sondern ein alkoholisches Genussmittel ist. Das braucht einen verantwortungsvollen Umgang. Zu ihrer Weinberatung im The Fontenay gehört deshalb auch die Frage, ob die Gäste noch Auto fahren. Der Fahrer darf zwar auch vom Wein probieren, aber eben nicht zu viel. Dem Genuss tut das aber keinen Abbruch.