"Liebes Christkind, ich hoffe, dass du kein Corona bekommst, damit du mir Geschenke bringen kannst", liest Rosemarie Schotte (80), Leiterin des Weihnachtspostamts in Himmelstadt, aus den diesjährigen Briefen vor. Aus 128 verschiedenen Ländern schicken Menschen an das Weihnachtspostamt im Rathaus jährlich ihre Wunschzettel. Das ändert sich auch dieses Jahr trotz Corona nicht. Bereits Anfang November sind zirka 2000 Briefe bei Schotte eingegangen. Sie ist seit 1993 Helferin im Weihnachtspostamt und seit 1994 die Leiterin. Trotz ihrer langjährigen Erfahrung ist die Organisation in diesem Jahr eine Herausforderung.

"Ich wünsche mir, dass Corona weggeht und ich endlich wieder mit meinen Freunden spielen kann." So oder ähnlich lauten in diesem Jahr häufig die Weihnachtswünsche. Deshalb sei sie im diesjährigen Antwortbrief auch kurz auf die Pandemie eingegangen - Corona wegzaubern könne sie aber leider nicht.

Der Antwortbrief wird jedes Jahr neu gestaltet. Dabei hilft Schottes Familie zusammen: Ehemann, Tochter und Enkeltochter haben bereits den Brief illustriert. Was genau darin steht, ist ein Geheimnis - man muss das Christkind schon selber einen Brief schreiben lassen.

Das Dekorieren des Postamts gehört auch zu den Aufgaben von Schotte. Doch die normal aufwendige Dekoration mit Christbaum, Schlitten, Rentieren und Co. muss dieses Jahr ausfallen, denn auch in der "Himmlischen Schreibstube" muss auf Abstand und Hygiene geachtet werden. Das von Schotte ausgearbeitete Hygienekonzept lässt beides nicht zu. Statt Tannenzweigen gibt es dieses Jahr also Plexiglasscheiben, statt Kunstschnee aus Watte Mund-Nasen-Masken, und statt Plätzchen naschen heißt es Hände waschen.

"Nach Weihnachten ist für mich vor Weihnachten", erzählt Schotte von ihrer ehrenamtlichen Arbeit im Weihnachtspostamt. "Briefe werden das ganze Jahr geschickt, und wir wollen ja alle beantworten." Mit ihr helfen jährlich 35 bis 40 Ehrenamtliche, die rund 80.000 Briefe zu sortieren, zu beantworten und zu verschicken. Das funktioniere nur, wenn die Briefe einen vollständigen Absender enthalten.

Schließlich kommen sie aus aller Welt, erzählt Schotte. In diesem Jahr ist Taiwan neu dazugekommen und besonders viele Briefe kommen aus Belarus. Für diese Fälle gibt es Helfer und Helferinnen, die auf Englisch, Französisch oder Griechisch antworten können.

"Kinder schreiben ans Christkind", war das ursprüngliche Konzept des Weihnachtspostamts. Mittlerweile kämen aber Briefe von Menschen jeden Alters. Der jüngste Absender war ein ungeborenes Baby, für das die Mutter einen ersten Brief vom Christkind wünschte. Auch ältere Leute aus Seniorenheimen schrieben häufig ans Christkind. "Die Altersspanne geht von null bis 99", erzählt Schotte.

"Ich lebe für das Weihnachtspostamt! Ein Jahr ohne kann ich mir gar nicht vorstellen", erklärt Schotte. Es würde ihr schwerfallen, das Amt abzugeben. Doch langsam merkt sie, dass es ihr zum Beispiel nicht mehr so leicht fällt wie früher, einen Antwortbrief zu verfassen. Schotte war schon in ihrer Kindheit ein Weihnachtsmensch und spielte Christkind für ihre Familie, indem sie Geschenke für alle besorgte. Am Schönsten an ihrer Arbeit fände sie, mitzubekommen, wie Weihnachten heutzutage in den Familien gefeiert wird. Dass mittlerweile mehr Wünsche auf den Briefen aufgelistet sind, stört sie nicht. "Die meisten Kinder schreiben ja sogar dazu, dass es schön wäre, wenn das Christkind ein oder zwei Wünsche erfüllen könnte", erinnert sich Schotte.

Für Besucher bleibt das Weihnachtspostamt in diesem Jahr geschlossen. Wer aber eine Himmelstädter Weihnachtskarte erwerben oder seinen Brief persönlich abgeben möchte, kann das im Dezember durch das Fenster am Rathaus machen. Eine kleine Überraschung erwartet diejenigen, die persönlich vorbeischauen. Das Weihnachtspostamt ist also auch heuer einen Besuch wert.

Magdalena Rössert/pow