Das Wirtshausschild aus Eisen ist aus dem Jahr 1800. Glaubt man dem Stein mit der eingemeißelten Zahl 1525, hat das Haus aber schon den Bauernkrieg erlebt. Die ortsprägende Lage verlangt geradezu nach Erhalt, und ein erster Schritt ist mit der Nutzung als Museumsgasthaus nach 15 Jahren Leerstand bereits gemacht. Aber die Gemeinde will das ganze Haus herrichten und hat Daniela Kühnel mit einem Nutzungskonzept beauftragt. In der Gemeinderatssitzung stellte die Kunsthistorikerin M.A. Verwendungsmöglichkeiten vor. Bei allen Varianten spielen die derzeit vom Heimatverein betriebenen Gasträume eine prägende Rolle.
So könnte beim Vorschlag 1 "Integrationsprojekt" im Erdgeschoss international gekocht werden, das Obergeschoss würde für Flüchtlinge hergerichtet, der Garten interkulturell gemeinsam gepflegt werden, und Nüdlingen könnte sich als Dorf der Vielfalt positionieren.
Ein "Gasthaus mit Bürgersaal" hat der Vorschlag 2 zum Ziel. Mit großem, gut ausgestattetem Saal im Obergeschoss und Biergarten im Innenhof würde die Dorfgemeinschaft gestärkt. Ein Anbau für Lastenaufzug und Brandschutz wäre erforderlich.
Das Museumsgasthaus könnte Treffpunkt der Generationen werden, beim Vorschlag 3 "Wohnen im Alter". Mit Bio-Licht, induktiver Höranlage und Telemedizin könnten moderne, altersgerechte Wohneinheiten entstehen. Der Außenbereich als Park mit Bewegungsparcours und die Lage in der Ortsmitte könnte Nüdlingen das Prädikat "Seniorenfreundlich" verleihen.
Mit "Generationenhaus" ist der vierte Vorschlag überschrieben. Es könnte ein Café zum Treffpunkt für Generationen eingerichtet werden, Räume für Jugendarbeit, Seniorentreffs und kulturelle Angebote im Obergeschoss geschaffen werden. Im Außenbereich könnte ein Backhaus Feste bereichern.
Die angrenzende Henneberg-Apotheke könnte in das Konzept "Gesundheitshaus" einbezogen werden, das moderne Praxen in historischem Ambiente und einen Apothekergarten vorsieht. "Das Museumscafé kann an die Sprechzeiten der Ärzte angepasst und das Haus zur Sicherstellung medizinischer Dienstleistungen auch auf dem Land beitragen", schlägt Frau Kühnel vor.
"Urlaub mit und ohne Handicap" sei ein neuer, vielversprechender Ansatz für behindertengerechte Ferienwohnungen. Ein Garten der Sinne, die Lage in der Dorfmitte und ein barrierefreies Urlaubserlebnis in der Nähe des Gesundheitsstandorts Bad Kissingen könnte zu einem Alleinstellungsmerkmal werden, sagte Kühnel. Im Frühjahr soll die Bevölkerung mit einem Workshop einbezogen werden.