Die Energiekrise sorgt deutschlandweit für große Unsicherheit. Immer wieder wird vor einem Blackout - einem länger andauernden Stromausfall - gewarnt. Wie wahrscheinlich so ein Szenario im kommenden Winter tatsächlich wird, wollte diese Redaktion von der Bundesnetzagentur in Bonn, der Regierung von Unterfranken in Würzburg und den Stadtwerken Bad Kissingen wissen.

Manfred Zimmer, Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Kissingen, erklärt, was unter einem Blackout zu verstehen ist: "Eine vollständige Unterbrechung der Stromversorgung in einem weiträumigen Bereich als schwerste Form eines Stromausfalls. Meistens umfasst ein Blackout ganze Regionen oder sogar Länder." Unterschieden werden müsse zwischen einem flächendeckenden länger andauernden Stromausfall, dem Blackout, und einem herkömmlichen Stromausfall, der in der Regel vergleichsweise kurzzeitig wieder behoben werden könne. Ein Blackout wäre ein Krisenszenario, das umfassender wäre und auch größere Probleme nach sich ziehe.

Blackout in Kissingen?

Zimmer verweist auf die europaweite Verknüpfung der Stromversorgung und die damit verbundene Komplexität. "Ein Blackout würde natürlich vor Bad Kissingen nicht haltmachen." Die Stadtwerke verfügen über keine Strom-Eigenerzeugung, um in einem solchen Szenario eine vom vorgelagerten Netz unabhängige Stromversorgung zu gewährleisten. "Da ab diesem Zeitpunkt keinerlei elektrische Energie mehr durch die vorgelagerten Netze bei uns ankommt, sind wichtige Einrichtungen darauf angewiesen, die bei ihnen vorhandenen Notstrom/Netzersatzanlagen zu nutzen." Die Stadtwerke Bad Kissingen verfügen über ein entsprechendes Krisenmanagement, um im Rahmen eines Stromausfalls für wesentliche Einrichtungen eine Stromversorgung zu ermöglichen. Dies geschehe weitestgehend unter Einsatz von vorhandenen Notstromanlagen.

Auf Notstromanlagen angewiesen

Allerdings hätten die Stadtwerke im Falle eines Blackouts keine Möglichkeit, für eine flächendeckende Stromversorgung für alle Stromkunden zu sorgen. Vielmehr seien die Stadtwerke ebenso wie viele andere Betreiber von Notstromanlagen darauf angewiesen, dass übergeordnete Versorgungsstationen wie Tankstellen weiterhin zur Verfügung stehen und Diesellieferungen möglich sind.

Flächendeckende, lang andauernde Stromausfälle hält die Bundesnetzagentur weiterhin für sehr unwahrscheinlich. "Auch regionale krisenhafte Situationen im Stromsystem sind nach Einschätzung der Bundesnetzagentur im Winter 22/23 unwahrscheinlich, können aber nie vollständig ausgeschlossen werden", heißt es in der Pressemitteilung.

Aus Angst, im Winter in den eigenen vier Wänden frieren zu müssen, wenn Gas unerschwinglich wird oder es zu Engpässen kommt, haben viele Menschen Heizlüfter gekauft. Diese Heizlüfter benötigen Strom. Vom flächendeckenden Blackout unterschieden werden müsse die Stromnetzüberlastung, die beispielsweise durch den Einsatz von Heizlüftern eintreten könne. "Wenn in Bad Kissingen an einem kalten Wintertag zeitgleich eine Vielzahl von elektrischen Heizlüftern betrieben würden, könnte dies zu einer punktuellen, aber auch gesamten Netzüberlastung führen", erklärte Zimmer. Ob und wie dies eintrete, hänge davon ab, wie viele Heizgeräte zu einem bestimmten Zeitpunkt am Netz in Betrieb seien, wie viel Energie insgesamt entnommen werde. "Im Sinne des Energiesparens und des ökologisch sinnvollen Umgangs mit Strom, stellt der Einsatz von elektrischen Heizlüftern keine Lösung dar, sondern verschärft die Lage noch weiter."

Heizgeräte vermeiden

Die Stadtwerke weisen schon im Vorfeld darauf hin, den verstärkten Einsatz von elektrischen Heizgeräten oder Heizlüftern zu vermeiden, da dies die Gefahr einer Netzüberlastung und damit Beeinträchtigung der Stromversorgung für alle anderen Kunden darstelle. Zudem müsse jedem bewusst sein, dass der ungebremste Einsatz von Heizlüftern auch im Zusammenhang mit den deutlich gestiegenen Stromkosten ganz leicht ein sehr kostspieliges Unterfangen werden könne. "Daher unsere dringende Empfehlung, auf den Einsatz von elektrischen Heizlüftern möglichst zu verzichten."

Notfallvorsorge ernst nehmen

Der Katastrophenschutz der Regierung von Unterfranken habe zwar keine unmittelbaren energiepolitischen Zuständigkeiten, beobachte die Lageentwicklung aber sehr aufmerksam. "Wir stehen im engen Austausch mit den Kreisverwaltungsbehörden und Ministerien", so der Pressesprecher und verweist "rein vorsorglich" auf den Notfallvorsorgeleitfaden des Bundesamts für Bevölkerungsschutz.

Internet-Tipp

Der Ratgeber für Notfallvorsorge ist beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhile zu finden.