Charlotte Wittnebel-Schmitz Der rote Vorhang bleibt geschlossen. Die Requisiten lagern in Schränken und Truhen. Wann sie wieder zum Einsatz kommen, wissen viele Laienschauspieler nicht. Die Theatergruppen warten auf bessere Auftrittsbedingungen.

"Wir weinen gerade bittere und nicht geschauspielerte Theatertränen, hoffen aber, ihr - liebe Gäste und Freunde - bleibt uns gewogen, damit wir 2021 umso schönere Theatertage erleben können."

Mit diesen Worten hatten die Theaterfreunde Waldfenster ihre geplante Spielzeit im Oktober bereits Ende April auf Facebook abgesagt. "Es ist uns sehr, sehr schwer gefallen", sagt Stefanie Schlereth, 1. Vorsitzende der Theaterfreunde. "Das Theaterspielen liegt uns sehr am Herzen." Die Theatertage werden langfristig und mit hohem Aufwand geplant. Es gebe bis zu zwei Jahre Vorlauf: "Das PGZ Waldfenster muss frei sein. Wir müssen mieten, buchen, planen, da hängt so viel dran", sagt Schlereth.

Beratungen im Herbst

Anton Büchs von der Theatergruppe Burkardroth sagt: "Wir befinden uns in einer Ruhephase. Unter den derzeitigen Bedingungen ist kein sinnvolles Spielen möglich." Im Herbst will sich die Theatergruppe Burkardroth treffen und beraten, wie es weitergehen soll. Anton Büchs selbst rechnet nicht damit, dass im kommenden März Theateraufführungen möglich sein werden. Solange es keinen Impfstoff gebe, sei es schwierig.

In der Zeit vor Corona traten die Burkardrother Schauspieler an sieben Tagen auf. Um die gleiche Anzahl an Zuschauern zu erreichen, müsste die Gruppe deutlich häufiger auftreten, denn in die Aufführungsräume passen aufgrund der Abstandsregeln deutlich weniger Personen. "Wir sind alles Amateure, wir machen das neben der Arbeit", sagt Büchs.

Das Positive: "Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir ein vorbereitetes Stück haben." Das Team hatte Mitte März eine Woche vor Beginn der Aufführungen alle Veranstaltungen in Lauter und Bad Bocklet absagen müssen.

Ein großer Schock

Ähnlich erging es der Theatergruppe Winkels: "Es war alles bis aufs letzte I-Tüpfelchen geplant", erzählt Martina Kiesel. Sie berichtet, dass es im März ein großer Schock war, als sie eine Woche vor den Aufführungen absagen mussten. "Das Herz hat geblutet. Es hat mich schon runtergezogen, so kurz vor dem Ziel ausgebremst zu werden."

Um ein Jahr verschoben sie zunächst das Stück. Nun wollen sie den November abwarten, dann wird entschieden, ob sie Anfang März 2021 auftreten. Martina Kiesel ist skeptisch, dass das klappt, denn die Unsicherheit ist groß. Die Angst: Die Gruppe beginnt mit den Proben, und dann muss möglicherweise doch wieder alles abgesagt werden. "Das wollen wir kein zweites Mal." Die Enttäuschung über die Absage und die intensive Vorbereitungszeit steckt noch in den Knochen.

Zweimal in der Woche trifft sich die Theatergruppe Winkels zum Proben. Dort üben sie meist zwei von drei Akten, so Kiesel. Je näher die Vorstellung kommt, desto intensiver werden die Proben. "Wir spielen alle sehr gerne, aber das Privatleben mit Familie hat schon Priorität."

Statt Premiere nur kleines Treffen

Uwe Sonnenberg von der Theatergruppe Katzenbach hatte zunächst noch gehofft, dass sich die Lage bessern würde: "Wir haben lange damit gerungen, wir spielen normalerweise im November." Nun wird es am 14. November, der Tag an dem eigentlich Premiere sein sollte, nur ein kleines internes Treffen der Schauspielfreunde geben.

Die Theatergruppe Haard spielte sonst im zweijährigen Turnus. Die letzte Veranstaltung gab es im April 2018. Dieses Jahr wäre es eigentlich wieder so weit gewesen. Neben Corona hätten aber mehrere Faktoren dazu geführt, dass derzeit unklar sei, ob es überhaupt wieder Aufführungen geben wird, sagt Johannes Heim, der die Facebookseite der Theatergruppe betreut.

Auch im Nüdlinger Pfarrsaal wird es dieses Jahr keine Theateraufführungen der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) geben. Gerd Nicolai berichtet, dass die 12- bis 14-köpfige Theatergruppe normalerweise die letzten zwei Wochenenden im Oktober spielt. "Wir beginnen sonst schon im Mai mit den Proben. Jetzt ist es zu kurzfristig, und man weiß ja nicht, ob eine Verschärfung kommt", sagt Nicolai.

Erst nächstes Jahr wieder Theater

Mit einem nächsten Stück sei frühestens im Oktober 2021 zu rechnen. Gerd Nicolai denke häufig an die Proben, sagt der passionierte Schauspieler. Denn nun sei die Zeit, in der sich die Gruppe treffen würde. Er sagt: "Man muss sich damit abfinden und etwas anderes machen. Radfahren oder Wandern zum Beispiel."