Die Corona-Warn-App ist eines von vielen Hilfsmitteln, um im normalen Alltag mit der Pandemie umzugehen: Sie schützt unsere Mitmenschen, indem sie potenziell Infizierte schnell warnt und diese sich dadurch in Quarantäne begeben, anstatt unwissend die Großeltern zu besuchen.

Mit bisher rund 18 Millionen Downloads (nicht Nutzern) haben höchstens 22 Prozent der Einwohner die App. Experten schätzen eine merkbare Wirksamkeit ab 50 Prozent. Daher hat Streetworker Christian Fenn von der Bad Kissinger Drogenhilfe (Kidro) sich etwas ausgedacht:

Zu dem Verein gehört die Wärmestube, die Claus Poppe leitet. Sie ist ein ",soziales Café' ohne Konsumzwang". Dort gibt es günstige Speisen und Getränke und es liegt Gebäck des Vortages eines heimischen Bäckers aus.

Kaffee mit Rabatt

In der Wärmestube gibt es seit vergangener Woche ein Angebot. In den von ihnen ausgerufenen "Corona-Warn-App-Wochen" gibt es den Kaffee im September zum halben Preis für Gäste, die die App installiert und die Risikoermittlung laufen haben.

Fenn erklärt: "Wir wollen die App wieder ins Bewusstsein rufen. Man sieht ja, beim Wahlkampf kann die Regierung super Werbung machen. Aber für die App ist das eher dürftig." Es habe wegen der Corona-Pandemie viele Ansätze gegeben, um Corona adäquat zu begegnen. Nicht alle würden uns gefallen und einige würden uns schaden, doch nicht so die Warn-App, findet der Streetworker.

Erpressung vorgeworfen

Doch die Idee kommt nicht gut bei den Gästen an. Sogar Erpressung habe ein Gast ihnen vorgeworfen. "Wir wollten einfach die Personen für eine freiwillige Leistung belohnen", sagt Fenn.

Er stellt bei der Kundschaft verstärkt fest, was sich in der gesamten Gesellschaft zeigt: Die Angst, die eigenen Daten preiszugeben. Das sei das Argument vieler, die Warn-App nicht herunterzuladen.

"Das ist schon interessant. Bei vielen kann ich in ihrem Whatsapp-Status sehen, wann sie aufgestanden sind, was sie frühstücken oder ob sie gerade Stress mit der Mutter oder dem Partner haben", berichtet Fenn. Er versteht diese Doppelmoral nicht. Dazu kommt: "Die App sammelt ja kaum Daten" (siehe Infokasten).

Hilfe bei der Installation

Dem Streetworker ist bewusst, dass das Klientel der Wärmestube oft noch gar kein Smartphone mit Touch-Bildschirm besitzt. Und die eines haben, besitzen teilweise eine zu alte Software-Version, mit der die App nicht funktioniert. Bei manchen aber klappt alles, für die sei das Angebot gedacht.

Es gibt weitere Gründe, warum manche die App nicht installiert haben. Wärmestubenleiter Poppe sagt: "Manche wissen gar nicht genau, wie das geht und was sie da machen sollen." Ihnen zeige er, wie sie die App installieren und startklar machen. Das beobachtet auch Fenn. In den allermeisten Fällen hätten die Leute sich noch nicht mit der App auseinandergesetzt.

Geringe Erfolgsquote

Die Erfolgsquote ist gering. Es seien etwa zwei Prozent der Gäste, die sich die App wegen der Warn-App-Wochen bisher installiert haben, schätzt der Leiter der Wärmestube. Fenn geht jedoch davon aus, dass es auf das Klientel ankommt, ob eine solche Aktion erfolgreich wird. "Ich hoffe einfach, dass es ein paar Nachahmer gibt", sagt Fenn. "So eine Rabattaktion kann man ja super als Werbung nutzen."

Zur Corona-Warn-App

Installation "Corona-Warn- App" im App-/Play-Store suchen. Die App installieren und öffnen. Den Anweisungen folgen. Nun kann die App im Hintergrund laufen. Bluetooth muss aktiviert sein.

Funktionsweise Die App tauscht mit anderen Smartphones über Bluetooth (geht bis zu zehn Metern) Codes aus, wenn sie sich über 15 Minuten nahe sind. Meldet sich eine Person in der App positiv, werden die Codes der vergangenen 14 Tage in eine Cloud geladen. Alle Smartphones laden diese Codes herunter und gleichen ab, ob sie einen davon bei einer Begegnung ausgetauscht haben. Trifft das zu, sendet die App eine Warnung. Mit dieser Funktionsweise kann der App-Betreiber nicht feststellen, wo eine Person sich befindet oder wen sie getroffen hat.

Standort Die App verlangt bei Androidnutzern das Aktivieren der Standortdienste. Jedoch nicht, um den Standort herauszufinden: Es wird benötigt, damit Bluetooth funktioniert. Der Zugriff anderer Apps auf den Standort lässt sich in den Einstellungen unter "App-Berechtigungen" regeln.