400 Edelbrände aus ganz Franken stellen sich in dieser Woche einer Edelbrand-Prämierung. Mit dabei sind wieder feine Tropfen aus dem Landkreis Bad Kissingen. Das hat seinen Grund: Der Landkreis ist eine Hochburg der Schnapsbrennerei. Alleine beim Bayerischen Bauernverband sind 345 Mitglieder gemeldet, die die Brennerei als einen Erwerbszweig ihrer Landwirtschaft angeben; so steht es in den Unterlagen des bayerischen Bauernverbandes, erklärt der Kreis-Geschäftsführer
Georg Scheuring.
Tatsächlich gibt es aber sogar deutlich mehr Kleinbrenner, betont Hubert Fröhlich, der Vorsitzende des Obst- und Kleinbrennerverbandes Franken.Er schätzt, dass im ganzen Landkreis noch 600 Brennrechte existieren. Ein Teil brennt sein Kontingent wie eh und je für den Eigenbedarf und verkauft den Rest als Neutralalkohol an Großbrennereien. Aber es gibt auch einen erlesenen Kreis von Brennern, "die diesen Nebenerwerb sehr intensiv betreiben", betont Georg Scheuring vom BBV. Es sind Kleinbrenner, die ihre Produkt als regionale Spezialität vermarkten.

In der vierten Generation

Franziska Bischof gehört zu den jungen Leuten, die die alte Tradition im Landkreis weiter führen und den Edelbränden ein neues Image geben: jung und zeitgemäß und trotzdem bodenständig. Bei der Edelbrandprämierung hat sie in diesem Jahr ihre ersten "zwei Babys" angemeldet - einen Whisky aus dem Kastanienfass und einen Zwetschgenbrand, den sie den Namen "Diva" gegeben hat. Franziska Bischof hat sich entschlossen, die Familienbrennerei in der vierten Generation weiter zu führen. "Ich wollte weitermachen, aber auf meine ganz eigene Art", erklärt die Brennerin.
Die junge Frau kommt aus Wartmannsroth. Die Gemeinde ist die Brennerhochburg im Landkreis. 82 Familien haben in der Kommune ein Brennrecht, weiß Franziska Bischof. Nach Auskunft von Hubert Fröhlich findet man in Franken nur noch im Raum Kitzingen eine größere Brennerdichte als im Altlandkreis Hammelburg.

Schnaps mit Salinen-Aroma

Landrat Thomas Bold glaubt, dass die lange Brenner-Tradition sich auch touristisch vermarkten lässt. Bei der Dachmarke Rhön sei der Schnaps aus der Region deshalb ein Thema. Aus dem Landkreis seien viele Kleinbrenner dabei, freut sich Bold. "Die Brenner haben das Potenzial erkannt", meint Bold. Er nennt als Beispiel den Rhöner Gradierbrand. Das Destillat reift in einem Fass, das eine Weile in einer der Salinen der Bäderregion gelagert wird. "Die Luft gibt dem Schnaps eine besondere Note", erklärt Bold.

Produkte der Region sind gefragt

Dass solche regionalen Produkte gut ankommen, weiß auch Karlheinz Federlein aus Althausen. Sein "Mürschter Nägelbrand", ein Calvados-Schnaps, wird gerne als Mitbringsel oder Geschenk verkauft. Sonja Johannes vom Münnerstädter RegioLaden bestätigt, dass die Edelbrände aus der Region gefragt sind. Deshalb hat sie im Sortiment mehr als 30 verschiedene Produkte heimischer Brenner.

Probieren beim Erzeuger

Für die Direktvermarktung gibt es heute auch Probierstuben beim Erzeuger. Schnapsverkostungen würden immer beliebter, weiß Franziska Bischof. Auch der erste Brennerweg ist im Entstehen - in der Gemeinde Warthmannsroth. Er wird als Extra-Tour des Hochrhöners ausgewiesen.
Die Brennerei sei für kleinbäuerliche Betriebe immer schon eine zusätzliche Einnahmequelle gewesen, erklärt Karlheinz Federlein. Nebenerwerb ist die Schnapsproduktion bis heute geblieben. Leben kann man davon nicht - trotz professioneller Methoden und Direktvermarktung. Gebrannt wird in der Regel, was Obstgarten oder Feld hergeben. Karl-Heinz Federlein produziert hauptsächlich die für die Region typischen Obstbrände. Im Raum Hammelburg sind von jeher auch die Getreidebrände sehr stark vertreten, weiß Hubert Fröhlich. Dort, wo Wein wächst, gibt es zudem Tresterbrände.

Gin und Whisky aus dem Kreis

Gefragt ist heute auch beim Brennen Kreativität und der Mut, neues auszuprobieren. Selbst Gin wird im Landkreis hergestellt und Whisky ohnehin. Die Bischofs waren in den 1990er Jahren Vorreiter auf diesem Gebiet. Bei Karlheinz Federlein reift derzeit der erste Single Malt im Eichenfass aus dem Spessart.

Pflege der Streuobstwiesen

Für Karlheinz Federlein ist die handwerkliche Schnapsherstellung aber nicht nur wichtiger Nebenerwerb und eine Traditionsfrage. Laut Federlein sind die Kleinbrenner auch Landschaftspfleger. "Ohne das Brennen wären viele Streuobstwiesen sich selbst überlassen", glaubt er. Wer selbst brennt, pflege die Kulturlandschaft.
Auch deshalb sieht er, wie auch andere Brennerkollegen, mit Sorge den Wegfall des bisherigen Brennermonopols für Kleinproduzenten im Jahr 2018. Das könnte das Hausbrennen komplett verändern. Ob sich das Schnapsbrennen dann für die vielen Rechtler noch lohnt, wird sich zeigen.