"Die Stadtteile haben schon immer starke Auswirkungen auf die Gesamtstadt gehabt und waren wichtig. Deswegen ist es nicht egal, ob und wie es weitergeht mit dem Dorferneuerungsprozess. Auch im Stadtrat ist der Zuspruch deutlich geworden", betonte Oberbürgermeister Dirk Vogel, als er in der Lollbachhalle über 100 Bürgerinnen und Bürger zur Aufklärungs- und Informationsveranstaltung willkommen hieß.

"Hier habe ich schon als kleiner Junge Fußball gespielt" erinnerte sich der Oberbürgermeister. Besonders dankte er den fünf Arbeitsgruppen, die zusammen mit Annika Riderbach vom Büro für Städtebau und Bauleitplanung in Bamberg viel Vorarbeit für die Dorferneuerung geleistet haben. Er wies auch darauf hin, dass die Bundesstraße enorme Auswirkungen auf den Ortsteil hat, aber der Rückbau werde den Charakter erheblich verändern.

"Wir haben den wunderbaren Lollbach hier. Wir wissen, dass uns auch kleinere Flüsse ganz schön Ärger machen können, auch das wird uns beschäftigen" hob der Oberbürgermeister hervor. Sein Wunsch an die Anwesenden: "Ich hoffe, Sie bleiben beim Prozess der Dorferneuerung dabei". Baudirektor Joachim Mair vom Amt für ländliche Entwicklung Unterfranken (ALE), der die Vorbereitung zur Dorferneuerung schon in den letzten Jahren begleitet hatte, gab einen gerafften Überblick über den Ablauf des Verfahrens. Der Zeitplan reicht bis ins Jahr 2035. Offiziell angeordnet wird das Verfahren im November dieses Jahres. Anfang 2022 wählt die Teilnehmergemeinschaft (das sind alle Grundstücksbesitzer) die Mitglieder des Vorstandes, die jeweils sechs Jahre amtieren. Vorsitzender wird ein Beamter des Amtes für ländliche Entwicklung, in diesem Fall Joachim Mair.

Die Realisierung von Maßnahmen beginnt 2023 und dauert bis etwa 2033. Nach der Abmarkung (rechtswirksame Kennzeichnung einer Flurstücksgrenze mit Hilfe von dauerhaften Grenzzeichen) und Vermessung sieht der Zeitplan für 2034 die Ausführungsanordnung (also den formellen Eigentumsübergang von Grundstücken) und 2035 die Schlussfeststellung vor. Mair betonte ausdrücklich, dass der gewählte Vorstand für die Dorferneuerung zuständig und verantwortlich ist, nicht die Stadt und auch nicht das Amt für ländliche Entwicklung. Er legte auch ein Budget vor, das mit der Stadt "grob abgestimmt" ist. Angesichts ihrer Finanzkraft bekommt sie vom Freistaat eine Förderung in Höhe von 50 Prozent. Das bedeutet, zu den errechneten 1,8 Millionen Euro Fördermitteln muss die Stadt die gleiche Summe beisteuern.

Allein eine Million Euro Fördermittel sind für die Gestaltung der Ortsmitte mit dem Kirchenumfeld, der Linde, zwei Brunnen, Plätzen und Straßenräumen vorgesehen. Für Wasser, eine Kneippanlage, Beachvolleyball, Grün und Innenentwicklung stehen 250 000 Euro im Budget, genauso hoch sind die veranschlagten Nebenkosten. Für den "Raum für Jung und Alt" (einen Treffpunkt zum Beispiel im alten Feuerwehrhaus) sind 300 000 Euro Fördermittel im Budget vorgesehen. Immerhin, die Verfahrenskosten sind für die Stadt sehr gering. Den Verwaltungsaufwand des ALE für Personal, Planung, Vermessung und Ausarbeitung trägt zu 100 Prozent der Freistaat, Grundbuch- und Katasterberichtigungen sind für die Beteiligten kostenfrei. Bei den Ausführungskosten (Baukosten, Grenzsteine, Feldgeschworene, Sachverständige und Gutachten, Aufwandsentschädigung für Vorstandsmitglieder) bekommt die Stadt einen Zuschuss von etwa 50 Prozent. Annika Riderbach, Mitarbeiterin im Büro für Städtebau und Bauleitplanung Bamberg, hatte die Arbeit der fünf Arbeitsgruppen begleitet, die Vorarbeiten geleistet hatten und trug deren Ergebnisse vor. Die Gruppe "lebenswerte und lebendige Ortsmitte gestalten" kam zum Schluss, dass die Gestaltung der Ortsmitte, das Naturdenkmal Dorflinde und die Sanierung des Lindenbrunnens, die Sanierung des alten Feuerwehrhauses samt Umfeld und die Brunnensanierung mit Sichtbarkeit des ehemaligen Bachlaufs als "hoch" eingestuft werden sollten. Die Aufwertung des Kirchenumfeldes mit der Kirchenlinde wurde als "mittel" angesehen.

Volleyball, Wandern, Lehrpfad

Dem Arbeitskreis "Arnshausen schafft Raum für Jung und Alt" ist ein zentraler Treffpunkt für Jung und Alt sehr wichtig. Er schlägt die Errichtung eines Beachvolleyballfeldes und einen Mehrgenerationentreff vor. Beide wurden in die Priorität "hoch" eingestuft. Die Arbeitsgruppe "Wasser erlebbar machen (Bach und Brunnen)" möchte das Kneippbecken aufgewertet und neugestaltet wissen (Priorität "top"). Als "mittel" eingestuft ist die Schaffung eines "Wasserparadieses" mit einem Lehrpfad, ein Biotop und Möglichkeiten zur Naturbeobachtung. Außerdem wird die Biotopentwicklung Nappe Wiese, Kissinger Quellen, Brühl/Seeweg genannt.

Die vierte Arbeitsgruppe "Naherholungsgebiet verbessern - Arnshäuser Runde" schlägt vor, einen Premiumwanderweg "Arnshäuser Runde" zu schaffen. Ein Wanderparkplatz am Hochkreuz, die Beschilderung des Bildstockweges und die Beschilderung der Fahrradwege auch mit Hinweisen für Mountainbiker stehen auch auf seiner Wunschliste.

Der fünfte Arbeitskreis "innen vor außen - Aktivierung und Stärkung des Ortskerns" betont die "Innenentwicklung vor Außenentwicklung". Die innerörtlichen Versorgungsstrukturen müssten gesichert werden. Ziel sei auch die Aktivierung von Leerständen und unbebauten Grundstücken. Gesucht werden zukunftsfähige Nutzungsideen für bestehende Gebäude. Natürlich hat dieser Arbeitskreis auch die Trassenführung der B286 auf seiner Agenda. Diskutiert wurde praktisch nicht.

Lediglich ein Bürger machte deutlich, dass er den Bau eines Beachvolleyballfeldes für völlig überzogen hält - "wer pflegt es und wie oft kann dort denn gespielt werden?" Er bekam von einem anderen Bürger zu hören "ob warmes oder kaltes Wetter, das Feld in der Nähe wird immer sehr gut angenommen". Im Rahmen der Veranstaltung zur Dorfentwicklung gab es auch Informationen, wie private Maßnahmen gefördert werden können. Informationen und Anträge gibt es bei der Stadt, im Internet und beim Amt für ländliche Entwicklung.