Fünf Zentimeter sind sie groß, haben Beine, vier Stück, zwei große Augen und einen Schwanz. Die Haut schimmert grau, fast schwarz. Beim näheren Betrachten sind gelbe Flecken erkennbar, ebenso wie zwei außergewöhnliche Gebilde hinterm Kopf. Die sehen wie Flügel oder Geweihe aus. Doch es handelt sich dabei um Büschelkiemen, mit denen die Tiere atmen. Schließlich leben sie im Wasser. Noch.
Lange wird es nicht mehr dauern, dann kommen sie ohne das kühle Nass aus. Dann gehen sie an Land und atmen mit ihren Lungen, die sich derzeit entwickeln.
Bei den außergewöhnlichen Vierbeinern handelt es sich um angehende Feuersalamander, sogenannte Larven. Etwa ein halbes Dutzend davon lebt derzeit im Keller von Hans-Georg Mommsen, in einem kleinen Aquarium. "Wir haben sie Weihnachten in der Nähe von Wartmannsroth gefunden", erzählt der 73-Jährige, wie er zu den Tieren kam. Wir, das sind der ehemalige Kardiologe und sein Freund Ulf Zeidler aus Hammelburg, der jahrzehntelang die Kreisgruppe Bad Kissingen vom Bund Naturschutz leitete und ausgesprochener Amphibienfachmann ist.
In Fahrzeugspuren, die mit Regenwasser gefüllt waren, tummelten sich zahlreiche, rund zwei Zentimeter großen Larven. Für Zeidler und Mommsen, der sich ebenfalls aktiv beim Bund Naturschutz engagiert und in Bad Kissingen lebt, stand es außer Frage, die Larven zu retten. "Sie wären mit Sicherheit gefressen worden oder erfroren", erklärt der Naturfreund, warum er und Zeidler sie mit nach Hause genommen haben. Denn eigentlich darf man das nicht. Feuersalamander gehören, ebenso wie ihr Nachwuchs, laut den Gesetzen für den Bundesnatur- und Artenschutz zu einer besonders geschützten Art, stehen auf der Roten Liste gefährdeter Arten.
Zuhause in Mommsens Keller sind die Amphibien seit ihrem plötzlichen Einzug prächtig gediehen. Schließlich werden die kleinen Salamander auch gut gefüttert. "Anfangs habe ich die Larven mit Wasserflöhen aus meiner Zucht ernährt", erklärt Mommsen, der die Wasserflöhe eigentlich für seine Fische heranzieht. Später ergänzten rote Mückenlarven und Enchyträen, sogenannte Weißwürmer, den Speiseplan, die der Naturfreund im Zoofachhandel kauft.
Lange werden die angehenden Feuersalamander nicht mehr im Kissinger Asyl bleiben. "Die Lungen entwickeln sich. Das erkennt man daran, dass die Larven immer wieder an die Wasseroberfläche schwimmen, um Luft zu schnappen", erklärt Mommsen. Gleichzeitig bilden sich die Büschelkiemen immer mehr zurück. "Sobald diese verschwunden sind, werde ich die Feuersalamander wieder zurück in das Waldstück nach Wartmannsroth bringen", sagt er. Dort haben die Naturschützer in der vergangenen Woche, ganz in der Nähe des Larven-Fundortes, einen großen Amphibienteich angelegt.


Frostschutzmittel im Blut

Doch einen solchen brauchen die Feuersalamander nicht. Sie leben in feuchten Laubmischwäldern, verstecken sich tagsüber in Laubhaufen, Erdspalten und Baumstümpfen. Im Winter ziehen sich die Tiere in Höhlen oder alte Stollen zurück. "Sie haben eine Art Frostschutzmittel im Blut", erklärt der Amphibienfreund, weshalb sie in ihrer Winterruhe nicht erfrieren.
Zwischen April und September paaren sich die Tiere, die auch Regenmolche genannt werden. Die Weibchen bringen lebendige Larven zur Welt, gebären zwischen 30 und 70 Stück über mehrere Tage verteilt. Dafür bevorzugen sie den Quellbereich strömungsarmer Fließgewässer, Pfützen oder eben mit Regenwasser gefüllte Fahrzeugspuren. "Allerdings nicht im Dezember", sagt Mommsen. Das sei schon sehr außergewöhnlich.
Er vermutet, dass das milde Wetter Auslöser dafür war, dass die Larven hier und zu der Jahreszeit zur Welt gebracht wurden. Schließlich lagen die Temperaturen um Weihnachten herum bei rund 18 Grad Celsius.
Genauso außergewöhnlich ist es, Ende Januar einem Feuersalamander zu begegnen. Genau das hat die Autorin am 28. Januar vormittags erlebt: Ein ausgewachsenes rund zwölf Zentimeter großes Tier saß gegen 10. 30 Uhr auf dem Asphalt des Feldweges zur Aschachquelle. Dort verharrte der Molch einige Minuten, ließ sich anstandslos fotografieren und verschwand dann im Gras.
Wie viele Feuersalamander in der Region und im Markt Burkardroth leben, dazu kann Naturfreund Mommsen keine Angaben machen. "Ich weiß, dass im Kaskadental einige vorkommen", sagt er. Auch die Untere Naturschutzbehörde im Bad Kissinger Landratsamt kann über die Anzahl der Tiere keine Auskunft geben. "Da es bei uns keine offiziellen Zählungen gibt", so dessen Sprecher Steffen Höffler. Sie seien vor allem in Sandsteinregionen verbreitet.
Das frühe Auftauchen und Aktivsein der Molche sei "vielleicht mit dem allgemeinen Klimawandel begründen", heißt es in dem Schreiben der Behörde weiter. Auch wird bestätigt, dass die Feuersalamander auf der Roten Liste stehen, es im Landkreis jedoch momentan keine speziellen Schutzprogramme gibt. "Findet man sie auf Straßen, sollten sie vorsichtig weggetragen werden, damit sie nicht überfahren werden", so Steffen Höffler. Amphibienfreund Mommsen ergänzt: "Man sollte sie aber nicht mit den Händen anfassen, da die Tiere über die Haut Reizstoffe absondern." Besser sei es, ein Blatt unter den Feuersalamander zu schieben und ihn dann zu transportieren. Auch Hunde sollte man von den Molchen fernhalten.