Noch bis zum 23. Juli läuft an insgesamt 33 Knotenpunkten der Kernstadt und aller Ortsteile eine von der R+T Verkehrsplanung GmbH (Darmstadt) durchgeführte Verkehrszählung. Die Messdaten, die in der Sommerpause aufbereitet und bis Anfang September dem Rathaus vorliegen sollen, dienen zur Erstellung eines Verkehrsentwicklungsplans (VEP) und der Aktualisierung eines "Verkehrsmodells", das es bereits seit 2008 für Bad Kissingen gibt.

In grauer Vorzeit stellte man Studenten an wichtige Kreuzungen und ließ sie, mit handlichen Zählgeräten ausgestattet, die vorbeifahrenden Autos manuell erfassen. Im Zeitalter moderner Technik erkennt man erst bei genauem Hinsehen an mancher Straßenkreuzung eine am Lampenmast oder Schilderpfosten befestigte, weit in die Höhe ragende graue Stange mit einer winzigen Kamera an der Spitze und einem schwarzen Kasten in Körperhöhe des Passanten. "Dies ist keine Geschwindigkeitskontrolle!!! Das Gerät ist mit einem Sensor ausgerüstet und dient zur Verkehrszählung!!!", ist mit drei Ausrufezeichen darauf vermerkt.

Datenschutz gewährleistet

Auch die Stadtverwaltung weist in ihrer Pressemeldung ausdrücklich darauf hin, dass die von den Kameras aufgenommenen Videos zwar erlauben, "die für den Verkehrsfluss relevanten Abläufe zu erfassen", deren Bildqualität aber so gering ist, "dass der Datenschutz durchgehend gewährleistet ist". Denn Gesichter von Personen oder Fahrzeugkennzeichen können in den Videos nicht erkannt werden.

Die aktuelle Verkehrszählung ist Folge einer bereits 2018 durchgeführten Stadtratsklausur zur Erstellung eines durch das Städtebauförderungsprogramm "Soziale Stadt" geförderten Verkehrsentwicklungskonzepts, wurde nach den im Dezember 2019 vom Stadtrat beschlossenen Vorgaben ausgeschrieben und letztlich an das Darmstädter Verkehrsplanungsbüro R+T vergeben. Ein solcher Verkehrsentwicklungsplan, der nach Abschluss der Verkehrszählung anhand der gemessenen Daten erstellt werden soll, "dient der strategischen Ausrichtung einer Kommune", teilt Rathaus-Sprecher Thomas Hack auf Nachfrage dieser Zeitung mit.

Sie soll Antworten auf mehrere Fragen geben: Muss die Verkehrsinfrastruktur angepasst werden? Brauchen wir mehr Straßen, mehr Radwege, breitere Gehwege oder ein anderes ÖPNV-Angebot? Können wir es erreichen, das Aufkommen im Kfz-Verkehr zu reduzieren, ohne die Mobilität der Bürgerinnen und Bürger zu beschneiden? Natürlich lassen sich die gewonnenen Erkenntnisse nicht sofort umsetzen. "Ein Verkehrsentwicklungsplan enthält stets eine Prognose des zukünftigen Verkehrsgeschehens für die nächsten zehn bis 20 Jahre", teilt das Stadtplanungsamt mit.

Die Messgeräte wurden seit vergangenem Dienstag und werden noch einmal in der 29. Kalenderwoche wechselnd an "für verkehrsplanerische Fragestellungen repräsentativen Zähltagen" für jeweils einen Tag aktiviert. Dies sind üblicherweise die Wochentage Dienstag bis Donnerstag. Nur die Zählungen mit Seitenradar an der Schönbornstraße und Kapellenstraße laufen eine volle Woche. Als Standorte für die Messgeräte wurden jene Erhebungsorte gewählt, an denen auch in der Vergangenheit immer wieder Zählungen durchgeführt wurden, um die fortschreitende Verkehrsentwicklung in der Stadt seit 2002 zu dokumentieren und zu aktualisieren.

"Weiterhin wurden Stellen gewählt, an denen auch die Fuß- und Radverkehrsströme interessant sind", betont die Stadtverwaltung ausdrücklich. Zusätzlich stehen zur Erstellung des Verkehrsentwicklungsplans alle Verkehrsdaten des Staatlichen Bauamts Schweinfurt zur Verfügung, mit denen das städtische Verkehrsmengengerüst abgerundet werden kann.