Auch wer lernen möchte, Spitzen zu klöppeln, ist bei Christiane Landgraf richtig. In den letzten Monaten baute die Trachtenberaterin des Bezirks Unterfranken zudem eine Datenbank mit Trachtengrafiken auf. Seit 15. Juni können sich Trachtenfans informieren, wie einst eine Mädchentracht aus Geldersheim oder eine Hochzeitstracht aus Amorbach aussah.

Die Thematik "Tracht" beschäftigt Christiane Landgraf seit Ende der 80er Jahre. "Damals arbeiteten wir die Bestände im Schloss Aschach auf", erzählt sie. Im Aschacher Volkskundemuseum sollten ab den 90er Jahren auch Trachten zu sehen sein. Der Bezirk selbst entdeckte die Tracht bereits in den 60er Jahren. Damals fing die Sammeltätigkeit an. Wobei zunächst mehr oder weniger wahllos gesammelt wurde. Erst in den 1970er Jahren begann man damit, sich mit dem Trachtenbegriff und der Tracht kritisch auseinander zu setzen: Was genau ist eigentlich eine Tracht? Dieses Hinterfragen dauert bis heute an.

In den vergangenen Jahren erlebten Trachten einen unaufhaltsamen Boom. Von daher wird auch die neue Trachtendatenbank auf Interesse stoßen, ist sich Landgraf sicher. 80 Datensätze mit Aquarellen, Lithografien und Gemälden sind inzwischen eingespeist.

So ist dem um 1842 entstandenen Aquarell eines unbekannten Künstlers zu entnehmen, in welcher Bekleidung man vor mehr als 150 Jahren in Amorbach geheiratet hat. Der Kupferstich eines Künstlers namens Kreul zeigt eine typische Männer- und Frauentracht, wie sie von Karlstadt bis Schweinfurt üblich war. Eine Federzeichnung Catharina Geigers stellt eine Tracht aus Oberndorf bei Schweinfurt dar.

Runde Haube, plissierter Rock

Einen waschechten Einwohner des Kirchspiels Michelrieth bei Marktheidenfeld erkannte man an seiner dunklen Tracht. Die Frauen trugen runde Hauben und plissierte Schürzen. Eine Grafik hierzu fehlt allerdings noch. "Wir sind ständig auf der Suche nach weiteren Grafiken und Gemälden", sagt Landgraf. Die Datenbank soll wachsen.
Und auch Objekte sammelt die bezirkliche Kulturarbeiterin nach wie vor. Wer ihr das Mieder, den Rock oder die Haube der Großmutter anbietet, muss sich allerdings auf Nachfragen gefasst machen: Wo wohnte die Großmutter? Heiratete sie in den Ort hinein? Wo stammt sie ursprünglich her? Zu welchem Anlass trug sie die Tracht?
"Tracht war zu jeder Zeit Fund und Erfindung", legt Landgraf dar. "Die" Tracht, die gab es nie. Stets wurde die Farbe ein bisschen variiert. Das Muster verändert. Der Schnitt angepasst. Oder die Schürze anders gebunden. Jede Tracht hatte immer auch eine individuelle Note.

Manchmal verschmelzen zwei Elemente zu einer neuen Einheit. "Oder es wurde zu einem älteren Trachtenstück ein modernes angezogen", so die Bezirksmitarbeiterin. Die Länge der Ärmelstulpen einer Handwerkerfrau auf einem alten Foto kann dann beispielsweise auf eine Epoche verweisen, die mehrere Jahre nach jener Ära kam, aus der die Schürze der Frau stammt. Auch zu Trachtenfesten wurde die ortsübliche Tracht oft neu zusammengestellt, um einen möglichst guten Effekt in der Öffentlichkeit zu erreichen.

Ob Jagdhornbläser, Spielmannszüge, Musikkapellen oder Gesangsvereine: Oft wird in Unterfranken Tracht getragen. In den vergangenen Jahren unterstützte der Bezirk 130 Vereine und Gruppen, die sich Trachten zulegten. Geld gibt es den Richtlinien zufolge allerdings nur dann, wenn die Tracht in Schnitt, Material und Verarbeitung von traditionellen, charakteristischen Merkmalen gekennzeichnet ist. Welche Charakteristika eine Tracht aus einem bestimmten Ort aufweist, ist unter anderem der Datenbank zu entnehmen.