Während der Bayerische Jugendring Jugendliche bereits in der vergangenen Woche abstimmen ließ und die ersten Ergebnisse seiner U-18-Bundestagswahl schon veröffentlicht hat, gehen der Kreisjugendring und der Verein "Pro Jugend" im Landkreis Bad Kissingen einen anderen Weg: Die 14- bis 17-Jährigen sollen parallel zur eigentlichen Bundestagswahl kommenden Sonntag ihre Stimme abgeben können. Rund 4000 Jugendliche seien angesprochen, berichtet Melanie Müller, Geschäftsführerin des Kreisjugendringes. Mindestens 65 Wahlmöglichkeiten stehen bereits auf der Homepage www.kjr-kg.de, weitere sollen in den letzten vier Tagen vor der Wahl noch folgen. Ein Problem dabei: Viele Jugendliche wissen noch nichts von der Aktion.

"In einigen Orten laufen noch Absprachen", berichtet die Geschäftsführerin des Kreisjugendringes über die Vorbereitungen. Die Jugendwahl soll heuer erstmals möglichst flächendeckend in möglichst vielen Gemeinden stattfinden. Allerdings gab es zum Teil Widerstände: Der Markt Sulzthal hat sich zum Beispiel erst gestern entschieden, doch noch mitzumachen, in Elfershausen und einzelnen Gemeindeteilen anderer Kommunen wie etwa Westheim und Gauschach bei der Stadt Hammelburg gab es von vorn herein Absagen für die Initiative.

Improvisierte Wahllokale

Einige Gemeinden haben ihre 14- bis 17-Jährigen dagegen sogar einzeln angeschrieben. Angekommen ist das aber offenbar nicht bei jedem. Von "Noch nie gehört" bis "Interessiert mich nicht" reichen die Rückmeldungen von Jugendlichen auf Nachfrage der Redaktion. Die einzige, die auf Anfrage Interesse zeigte, ist Antonia Scheiwein aus Speicherz. "Mich interessiert Politik eigentlich nicht so stark", gibt die 16-Jährige ehrlich zu. Allerdings habe sie gleich zwei Möglichkeiten, schon einmal probehalber bei einer Bundestagswahl abzustimmen: Zum einen beteiligt sich ihre Schule, das Franz-Miltenberger-Gymnasium, an der Juniorwahl des Kultusministeriums (siehe ).

Zum anderen gibt es am Sonntag Wahllokale für die Landkreis-Version der Jugendwahl in den Feuerwehrhäusern in Motten und Kothen. Antonia Scheiwein ist selbst in der Feuerwehr aktiv und musiziert zudem im Musikverein Kothen. Darüber habe sie auch von der Idee erfahren. "Ich will auf jeden Fall mindestens bei einer der Wahlen mitmachen", kündigt sie an, Bei ihr scheint auch die Grundidee der politischen Bildung zu fruchten: "Deshalb werde ich mich auch noch genauer über die Parteien informieren", sagt die 16-Jährige. Unter anderem hat sich die Q-11-Schülerin vorgenommen, in den kommenden Tagen noch ihren Sozialkunde-Lehrer nach Infos zur Bundestagswahl zu fragen.

Organisiert hat die Jugendwahl in der Gemeinde Motten der Jugendbeauftragte Florian Rehm. Der 33-Jährige sitzt seit dem vergangenen Jahr im Gemeinderat. "Das läuft bei uns nicht über die Gemeinde, sondern über die Vereine", stellt Rehm aber klar. Vor allem die Feuerwehren seien schnell dafür zu begeistern gewesen, dass sie wieder einmal aktiv werden können: "Nach den eineinhalb Jahren wollen wir die Jugendlichen animieren, wieder mal rauszukommen", sagt Rehm und hofft auf eine gute Teilnahme. Thomas Reuter, Ortsbeauftragter im Hammelburger Stadtteil Obereschenbach, ist da skeptischer: "Ich mache zwar mit, aber ich befürchte, dass ich von 13 bis 14 Uhr alleine im Musikerheim sitze."

"Wir wollen das so authentisch wie möglich machen und auch ein Wahllokal vor Ort anbieten", berichtet Melanie Müller zur Organisation der U-18-Wahl im Landkreis. Zum Teil bestehe das Wahllokal allerdings nur aus einem Klapptisch, einer Urne und einem Stuhl, den die Jugendpfleger des Vereins Pro Jugend irgendwo im Freien aufbauen. Weitere Einschränkung: Die meisten Wahllokale öffnen nur ein oder zwei Stunden.

Der Verein Pro Jugend stellt aktuell in elf Kommunen im Landkreis die Jugendarbeit. In diesen Gemeinden habe der Verein auch in den vergangenen Jahren schon Jugendwahlen organisiert. Allerdings immer nur vor Ort und die Ergebnisse wurden nur in kleinem Kreis bekannt gegeben. In diesem Jahr soll es ein offizielles Wahlergebnis für den gesamten Landkreis geben. Allerdings frühestens am Montag nach der Wahl. Im Gegensatz zum Bayerischen Jugendring wollen Kreisjugendring und Pro Jugend keine politischen Statements bereits vor der Wahl geben.

Denn der Trend bei der diesjährigen U-18-Wahl des Bayerischen Jugendringes dürfte vor allem den CSU-Bürgermeistern nicht schmecken: Laut der Homepage www.bjr.de rutschte die CSU bei den 14- bis 17-Jährigen um 10,8 Prozentpunkte auf 20,9 Prozent ab, die Grünen liegen bei 18,6 Prozent, die SPD bei 16,7 Prozent. Viele Jugendliche begeistern sich wohl für kleine Splitterparteien: Jeder fünfte machte ein Kreuz bei den "Sonstigen".

Aus solchen Diskussionen will sich Jugendpfleger Rene Felcht von Pro Jugend heraushalten. "Wir helfen überall aus, wo es ehrenamtlich nicht möglich war, und wo es auf der Strecke liegt", fasst er den Beitrag der acht Mitarbeiter von Pro Jugend zusammen. Schwierig sei auch eine Abstimmung zwischen den unterschiedlichen Initiativen: Die Juniorwahl werde vom Kultusministerium betreut, die U-18-Wahl des Bayerischen Jugendringes vom Sozialministerium. Umso besser findet es Rene Felcht, dass es im Landkreis Bad Kissingen nun eine eigene Lösung gibt.

Wichtig ist den Organisatoren auch, dass das Angebot möglichst niederschwellig ist: Niemand müsse sich anmelden oder ausweisen. Wenn es am Heimatort keine Möglichkeit gebe, könnten Jugendliche auch in anderen Wahllokalen wählen. Und falls sich für Orte, die dort noch nicht aufgelistet sind, noch Helfer finden, können sie sich noch bis Donnerstag, 23. September, beim Kreisjugendring, Tel.: 0971/8017014, melden. "Wir versuchen, alles möglich zu machen", betont Melanie Müller. Ergebnisse gebe es ab Montag auf www.kjr-kg.de.