Wer durch die Eingangstür des Ebenhausener Kindergartens gegangen ist, steht direkt vor der Werkbank. Bunte Schraubzwingen klemmen an der Tischplatte, ein mechanischer Bohrer, Laubsägen - alle dürfen hier klopfen und schrauben, kleben und drehen, Jungs wie Mädels. Gleichberechtigung: ein zentrales Thema für Leiterin Daniela Koch und ihr Team. Eben gab es Mittagessen. Die Kleinsten ruhen, die Großen bauen einen Schutzwall um die Holz-Burg. Ein Bub stopft sich gerade ein Kissen unter seinen Pulli. Er spielt seine schwangere Mama nach, erzählt Daniela Koch. Wie geht sie als Erzieherin damit um? Daniela Koch: Wir bieten seit 20 Jahren Verkleidungsgegenstände für die Kinder an: Kleidchen, Pumps, Kostüme: Feuerwehr, Bauarbeiter. Mädchen rennen im Ritterkostüm herum und Jungs mit rosa Glitzerkleidchen und Pumps.

Und wie fallen die Reaktionen bei den Eltern aus?

Es gibt Mamas, die lachen einfach nur. Und es gibt Mamas, die fragen: "Oh Gott, was hab´ ich falsch gemacht?" Manche Papas schlucken und sind peinlich berührt. Sie wissen im ersten Moment nicht, wie sie damit umgehen sollen. Bei Mädchen wird es eher akzeptiert, wenn es in eine "Jungenrolle" schlüpft als umgekehrt. Früher haben sich die Kinder wieder umgezogen, bevor die Eltern kamen. Vor zehn Jahren dachte ich mir: egal. Jeder darf sich ausleben.