Geschafft! Mit der Zeugnisausgabe heute beginnen sechs Wochen Sommerferien. Was sich Schüler gar nicht vorstellen können: Die Schulen im Landkreis bleiben auch in den kommenden Wochen durchgehend besetzt, die einen mehr, die anderen weniger. "Mein Tisch quillt über vor Arbeit, zum Beispiel kommt am 19. August für eine halbe Million Euro Möbel, das muss alles durchdacht sein", sagt etwa Frank Kubitza, der Leiter des Jack-Steinberger-Gymnasiums in Bad Kissingen.


"Wir haben nur sechs Wochen Urlaub, und die müssen wir in der so genannten unterrichtsfreien Zeit nehmen", sagt Kubitza. Das landläufige Bild vom Lehrer, der ständig frei habe, stimme also nicht: "Es ist für uns auch selbstverständlich, am Samstag und Sonntag in die Schule zu kommen", nennt er ein weiteres Beispiel.

"Ich arbeite bis zum 9. August und komme am 4. September wieder", sieht etwa der Plan für den Leiter des Bad Kissinger Gymnasiums aus. In der Zeit entspannt er sich seit Jahren auf der dänischen Insel Bornholm. "Ich nehme einen großen Stapel ungelesener Bücher mit und werde viel Fahrrad fahren", berichtet Kubitza.

Aber bis dahin ist noch viel abzuarbeiten: "Wir haben zum Beispiel heute schon besprochen, was wir am ersten Schultag machen. Da stehe unter anderem der Umzug der Schul-Bibliothek an, eine lange Menschenkette soll die Bücher weiterreichen. Zudem liegen etliche Stapel mit Schülerarbeiten auf Kubitzas Tisch. Die so genannte Direktorats-Respizienz, also die Kontrolle aller Schulaufgaben und der wichtigsten "Exen" ist dem Schulleiter sehr wichtig. Mehr als 900 Arbeiten landen so pro Schuljahr auf seinem Tisch. "Das ist ein sehr gutes Mittel der Qualitätssicherung, auch deshalb sind die bayerischen Abschlüsse so gut", betont Kubitza. Hinzu kamen heuer etliche Arbeiten aus seiner Arbeit als Ministerial-Kommissär für das Bad Brückenauer Gymnasium.

Wichtig ist natürlich auch die Planung: 1442 Unterrichtsstunden pro Woche von rund 110 Lehrern für rund 980 Schüler müssen geplant werden. Zudem gibt es Dienstpläne für die Hausmeister, das Sekretariat und die Mittwochsbesetzung: Jeden Ferien-Mittwoch von 10 bis 12 Uhr ist ein Lehrer in der Schule erreichbar.

Ein noch strafferes Programm hat sich Birgit Herré, die Leiterin der Mittelschule und Mittelschul-Koordinatorin für Bad Brückenau vorgenommen: "Ich fahre in diesen Ferien nicht in Urlaub", steht für sie fest, denn: "Ich muss ab jetzt ohne Konrektorin auskommen, weil der Posten gestrichen wurde." Das bedeute mehr Arbeit für die Rektorin.

"Deshalb werde ich wohl ziemlich jeden Tag in der Schule sein", befürchtet Birgit Herré viel Planungsarbeit, auch wenn sie Aufgaben an Lehrer verteilen will. Die Schulleiterin hört auch den Anrufbeantworter der Schule regelmäßig ab: "Ich bin ja sowieso hier." Zehren kann Birgit Herré da nur von der Erinnerung an die letzten und die Aussicht auf die nächsten Pfingstferien: "Da fahre ich immer weg, und zwar seit Jahren nach Südfrankreich, kurz vor der spanischen Grenze", erzählt sie.

"Ich tue was für mich und meine Weh-wehchen", sagt Harald Bötsch, Leiter der Anton-Kliegl-Mittelschule in Bad Kissingen. Die dreiwöchige Kur dazu kann er nur in den Sommerferien nehmen, weil Schulleiter Kuren genauso wie Urlaub in die unterrichtsfreie Zeit legen sollen. Die Kur an der Ostsee diene dazu "fit zu bleiben und wieder fit zu werden". Danach gebe es viel zu organisieren, schließlich muss Bötsch als Mittelschul-Koordinator auch die Schulen Oberthulba, Bad Bocklet und Burkardroth im Blick haben, also 632 Schüler und 1132 Lehrerstunde pro Woche, davon 616 in Bad Kissingen.

"Ich fahr seit Jahren auf eine Nordsee-Insel", erzählt Schulleiter Helmut Schreiner. Der 59-Jährige hat in den ersten drei August-Wochen Urlaub. "In der Zeit ist die Schule zu - bis auf die Mittwochsbetreuung, für die ich natürlich immer erreichbar bin." Das Handy muss also an bleiben an der Nordsee. Arbeit nimmt sich Schreiner ansonsten aber nicht mit: "Ich werde viel draußen sein, die Gedanken sind da immer ganz weit weg vom beruflichen Umfeld", schwärmt Schreiner. Doch ein Termin bleibt im Hinterkopf: "Am 11. September trifft sich das Kollegium um 10 Uhr zur Konferenz."

"Meinen Urlaub spare ich mir lieber für Skifahren im Winter auf", sagt Torsten Stein lachend. Mit 38 Jahren ist er einer der jüngsten Schulleiter weit und breit. Nur zwei Wochen gönnt er sich in diesen Sommerferien: "Ich find's wichtig da zu sein, weil wir Mitte August auch die Referendarzuweisung haben", nennt er einen Grund. Bis Ende August wolle er die Einteilung der Lehrkräfte fertig haben, damit sein Stellvertreter die Stunden- und Raumpläne angehen könne. "Bis 2. September steht dann alles", ist Stein zuversichtlich, schon deutlich vor dem ersten Schultag fertig zu werden.

"Die rund 65 Stamm-Lehrkräfte sind weitgehend verteilt", berichtet Schulleiter Andreas Elsässer über den Stand der Vorbereitungen an der Bad Kissinger Realschule. Hinzu kommen noch jede Menge Referendare, die zum Teil erst Mitte August offiziell zugeteilt werden. "Eigentlich kann man dann erst richtig planen." Elsässer ist diese Woche noch in der Schule und hat ab 6. August drei Wochen Urlaub. "Wir fahren zum ersten Mal nach Irland", berichtet er, und: "Ich nehme mir da keine Arbeit mit." Anfang September wird dann alles für die knapp über 900 Schüler geplant.