Die künftige Identität und Ausrichtung Europas in einer veränderten Welt war das Thema einer zweitägigen Tagung des bayerischen Landesverbandes der 1922 in Wien gegründeten Paneuropa-Union. Die Union ist die älteste europäische Einigungsbewegung und hat Mitgliedsverbände in knapp 30 Ländern.

Namhafte Referenten gaben Antworten auf die Frage "Wer sind wir Europäer und wer wollen wir in Zukunft sein?". Vor allem die Jugend war hier zu einer Antwort aufgefordert. Einer von ihnen war der 27-jährige Franziskus Posselt, Bundesvorsitzender der Paneuropa-Union.


Europäische Union stärken

Die Generation von Posselts Großvätern hatte vor genau 60 Jahren mit der Unterschrift unter die römischen Verträge die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft aus sechs westeuropäischen Mitgliedsstaaten gegründet. Am Wochenende vertrat Posselt nun die Forderung, die mit der Unterzeichnung des Maastrichter Vertrages 1992 geschlossene und bis heute auf 28 Mitgliedsstaaten angewachsene Europäische Union trotz Zweifel weiter zu stärken und vor allem dem Europaparlament mehr Macht zu geben. "Wir brauchen in der Zukunft auf europäischer Ebene mehr Parlamentarismus und weniger zwischenstaatliche Hinterzimmerpolitik", betonte Posselt vehement.

Die europäische Einheit ist für den Bundesvorsitzenden der deutschen Paneuropa-Jugend alternativlos. In seinem Vortrag erinnerte Posselt deshalb an die vier Aufgaben eines jeden Staates. Die hatte schon der Gründer der Paneuropa-Union, der österreichische Politiker und Schriftsteller Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi (1894-1972), in seinem 1937 erschienen Buch "Totaler Staat - Totaler Mensch" formuliert.


Vier Aspekte des Schutzes

Sie seien im heutigen Zeitalter der Globalisierung mehr denn je zu beachten, sagte Posselt. Als Erstes sei der Schutz des Menschen vor den Menschen heute nur noch länderübergreifend möglich. Man denke an die grenzüberschreitende Kriminalität. Deshalb müsse Europol als europäische Polizei gestärkt werden, forderte Posselt.


Anerkennung der Grundrechte

Auch der von Coudenhove-Kalergi geforderte Schutz des Staates vor den Menschen sei, zweitens, angesichts des weltweiten Terrorismus nur noch in enger europäischer Zusammenarbeit gewährleistet. Die dritte Forderung, der Schutz des Staates vor anderen Staaten, sei nur durch die EU-Gemeinschaft und die Anerkennung gemeinsamer Grundrechte garantiert. Nur so seien die Länder der EU 70 Jahre lang vor Kriegen bewahrt worden. "Wäre die Ukraine damals Mitglied in der EU gewesen, hätten die Russen die Krim-Halbinsel nicht annektieren können."

Der Schutz des Menschen vor dem Staat, die vierte Aufgabe, ist nach Posselts Auffassung ebenfalls in der EU gegeben, da sie auf die Einhaltung der Grundrechte in ihren Mitgliedsländern achten und Verstöße ahnden kann. In einem nur bilateralen Verhältnis zweier Staaten sei dies unmöglich. Für den 27-jährigen Lehramtsstudenten für Latein und Theologie steht mit Blick auf kommende Generationen jedenfalls fest: "Wir werden Europäer sein - oder wir werden nichts sein."