Ein intensiver, geheimnisvoller Blick aus grünen Augen, rotes, halblanges Haar - so blickt die junge Frau auf dem Gemälde den Besucher an. Das großformatige Bild des Malers Tobias Buss hängt in der Cafeteria im Haus der Schwarzen Berge in Oberbach. "Diese Frau hat mir Modell gesessen", sagt der Künstler, "das heißt schon mal, so an die zwei Stunden in dieser Position ausharren".
Buss ist mit Farbe, Pinsel, Leinwand oder Aquarellpapier dem Menschen auf der Spur. Neben Porträts, oft großformatig, sind es vor allem Aquarellskizzen, die Menschen bei Alltagsbeschäftigungen festhalten - auf der Straße, im Cafe, bei vergnüglichem Zusammensein. "Ich bin tatsächlich mit meinen Aquarellfarben vor Ort, male draußen, bin mitten im Geschehen." Buss malt nach eigener Aussage nicht nach Fotos, die er vorher aufnimmt, sondern lässt sich ganz auf das Geschehen, Bewegung, auf die jeweiligen Lichtverhältnisse ein. Das erfordert besondere Fähigkeiten. In pittoresken Städten trifft man immer wieder auf Maler, die Plätze, Kirchen, Häuserzeilen malen, aber kaum jemanden, der das "brodelnde Leben" skizziert und festhält wie Buss.
"Das ist natürlich auch eine Trainingssache", so der Maler, "Menschen draußen zu malen, ist nicht einfach, aber ich suche lebendige Situationen." Dass dazu Übung notwendig ist, jahrelange Beschäftigung, wird jedem klar, der diese Bilder betrachtet. Der Künstler muss sehr sicher in der Darstellung von Menschen und in der Pinselführung sein. Nach manchen dieser Aquarellstudien oder Zeichnungen vor Ort entsteht dann auch einmal ein großformatiges Ölgemälde in seinem Atelier. Dazu Buss: "Malen ist ein Prozess. Das Bild darf seine eigenen Wege beschreiben." Wichtig ist ihm auf jeden Fall, dass Atmosphäre entsteht. Das gelingt ihm außerordentlich gut.

Bilder bis September zu sehen

Seine Ausstellung im Erdgeschoss und 1. Obergeschoss im Haus der Schwarzen Berge hat Buss überschrieben "vom Rhein zur Rhön". Das wird sicher von Besuchern hinterfragt. Es hat mit den Beziehungen des Künstlers zur Rhön zu tun. Tobias Buss, Jahrgang 1974, wuchs in Leverkusen auf. "Schon während der Grundschulzeit habe ich entdeckt, dass ich gerne male und zeichne", erzählt er. "In der Oberstufe des Gymnasiums fiel dann für mich die Entscheidung, an der Kunsthochschule zu studieren. Fotografie war mir damals auch sehr wichtig, aber ich entschied mich dann doch fürs Malen."
Von 1994 bis 2001 studierte er an der Hochschule für bildende Künste in Saarbrücken bei Professor Bodo Baumgarten, wurde zum Meisterschüler ernannt. Es folgten verschiedene Auslandsstudien in Schottland und Spanien und Lehrtätigkeit in Regensburg und Dillingen.
2005 bis 2009 kommt die Rhön ins Spiel. Buss arbeitete als Kunstlehrer am Schönborngymnasium in Münnerstadt. Heute lebt er in Bonn und arbeitet als Kunstlehrer am Oelberg-Gymnasium in Königswinter.
Bis Mitte September sind die Gemälde von Buss im Oberbacher Info-Zentrum zu bewundern. Sicher werden vor allem viele seiner ehemaligen Schüler vorbeischauen.
Eines der ausgestellten Bilder setzt sich thematisch und auch farblich deutlich von Busses Gemälden ab - eine Waldlandschaft. Mit Ölfarben auf Leinwand hat Kunststudentin Jana Tiborra, die Buss beim Aufhängen der Bilder half, lichtdurchflutetes grünes Dämmerdunkel festgehalten. Ein stimmungsvolles Bild für alle, die Wald lieben.