Er hat einen Beruf erlernt, den es heute so gar nicht mehr gibt. Und in gewisser Beziehung war er sogar der Letzte seines Standes. Peter Metz, der heute seinen 70. Geburtstag feiert, war Tankwart mit Leib und Seele, und seine Tankstelle war die letzte des gesamten Esso-Konzerns in Deutschland, in der die Kunden ihren Wagen nicht selbst betanken mussten.

Geboren wurde Peter Metz in Arnshausen. Dort besuchte er auch die Schule, um dann vor der Berufswahl zu stehen. Drei Vorschläge kamen vom Arbeitsamt, erinnert sich Metz: Spengler, Bauschlosser und Tankwart. Und für letzteren Beruf entschied sich Peter Metz damals. Wie jeder richtige Junge interessierte er sich für Autos.
Die Bezeichnung "Beruf" war damals durchaus wörtlich zu nehmen. Tankwart war ein Lehrberuf mit drei Jahren Ausbildungszeit. Seine Lehrstelle fand Peter Metz 1957 bei der Shell-Tankstelle der Firma Spindler in der Kurhausstraße.
Gleichzeitig besuchte er die Tankwart-Klasse der Kaufmännischen Berufsschule in Würzburg.

Tankwart, das hieß damals nicht, hinter der Kasse sitzen und die Tanksäulen wieder freigeben. Es war ein anspruchsvoller Beruf. Peter Metz lernte nicht nur Buchführung, er musste Bescheid wissen über Schmierstoffe, er lernte alles über Motoren und über die richtige Autopflege.

Von 6 Volt und Zweitaktern

Der Tankwart war eine Service-Kraft, die die Autos der damaligen Zeit kennen musste. Er wechselte Birnchen, als viele Fahrzeuge noch sechs-Volt-Anlagen hatten, zum Beispiel der VW-Käfer und der Opel. Andere hatten - wie heute - schon fortschrittliche zwölf Volt, sogar das Goggomobil. "Wenn du eine verkehrte Birne erwischt hast, war sie hin," erinnert sich Metz.

Und dann gab es noch die Zweitakter: DKW, ältere Lloyd, das schon erwähnte Goggo. Deren Motoren hatten keinen eigenen Öl-Kreislauf, das Öl kam mit dem Benzin vermischt in den Tank. Meistens im Verhältnis 1:25, wie sich Metz erinnert. Das musste der Tankwart wissen, bevor er beide Stoffe in die Mischkanne goss. Auch zahlreiche Motorräder und vor allem die vielen Roller waren Zweitakter und brauchten "Gemisch".

Zum Thema Tanken fällt Peter Metz noch etwas ein. Die Zapfpistolen hatten in den 1950er und den frühen 1960er Jahren keine automatische Abschaltung. "Ich musste mit dem Ohr hin und hören, wie's gluckert," sagt Metz. Sonst lief der Tank über und es gab eine veritable Sauerei.

Service war groß geschrieben

Besonderen Wert legte Peter Metz' Lehrherr auf den Service. Die Spritpreise waren überall gleich, die Kunden fuhren da hin, wo sie am besten bedient wurden. "Wir sind im Laufschritt hin und haben gefragt, ob wir das Auto volltanken dürfen," erinnert sich Peter Metz. Außerdem wurden die Scheiben geputzt, auf Wunsch der Reifendruck überprüft, ein Blick auf den Ölstand geworfen. Dann stimmte auch das Trinkgeld. Die, die damals Auto fuhren, konnten sich das Trinkgeld auch leisten "Unsere Kundschaft waren vor allem Ärzte und Geschäftsleute," sagt Metz.

Und der konnte das Trinkgeld gut brauchen. Im 1. Lehrjahr gab es gerade einmal 40 Mark monatlich. Davon musste auch die Fahrt in die Berufsschule bezahlt werden. Und selbst im 1. Gesellenjahr waren nur 80 Mark in der Lohntüte.

Die Tankstellen lebten zu dieser Zeit noch ausschließlich von den Autos und deren Bedürfnissen, nicht vom Verkauf von Snacks, Getränken und Zeitschriften. "Wir boten damals Unterbecher für den Zündverteiler, Flickzeug für die Reifen, Politur, Mückenschwämme und Autoshampoo an, aber keine Schokolade," weiß Peter Metz heute noch.

Mit 19 selbstständig

Nach seiner Lehre ging Peter Metz nach Würzburg, ebenfalls zu einer Shell-Station. Doch nach einem Jahr machte er sich selbstständig, mit gerade einmal 19 Jahren! In diesem Alter war man Anfang der 1960er noch nicht volljährig. Deswegen meldete er die Tankstelle auf den Namen des Vaters an. Der Sprit kam von Sopi (heute Jet). Zwei Jahre arbeitete Metz unter eigenen Regie, dann kam die Bundeswehr dazwischen.

Nach 18 Monaten bei der Luftwaffe kehrte Peter Metz nach Bad Kissingen und in sein Metier zurück. Erst erneut zu Spindler in der Kurhausstraße, dann wurde er von Georgi in der Salinenstraße abgeworben.

Der Tiger im Tank

1974 schließlich kam der spätere Oberbürgermeister Christian Zoll auf ihn zu. Zoll gehörte die Esso-Station am Berliner Platz. "Da schaffst Du zwei Jahre, dann kannst Du die Tankstelle übernehmen," sagte Zoll damals zu ihm. Von 1974 bis zum Jahr 2000 packte Peter Metz dann den "Tiger in den Tank", wie damals ein bekannter Slogan lautete.

Service bot Peter Metz an seiner Tanke immer noch an. Hauptsächlich Autopflege - von Hand natürlich, aber er wechselte auch Zündkerzen, erneuerte Auspuffanlagen, machte Ölwechsel. Kfz-technisch musste man schon Bescheid wissen.

Doch im Shop standen inzwischen nicht nur Mineralöle und Scheibenwischer, jetzt gab es auch Eis, Schokoriegel, Zigaretten und Zeitschriften. Sogar Reifen hat Peter Metz verkauft und montiert, auf Drängen des Esso-Konzerns die hauseigene Marke.

Kunden aus der Kaserne

Auch englische Fachausdrücke eignete sich Peter Metz an. Denn die damals in Bad Kissingen stationierten Amerikaner tankten auf Coupons, und die waren nur bei Esso einzulösen. "Check my Oil", "wash my Car", so äußerten die GIs ihre Wünsche. "Gut 20.000 Liter Benzin hab ich im Monat an die Amis verkauft," erinnert sich Peter Metz.

Die Esso-Station von Peter Metz war übrigens die letzte des Konzerns in Deutschland, die noch nicht auf Selbsttanken umgestellt hatte. Dafür war der Sprit rund drei Pfennige teurer als bei der Konkurrenz. Manch einer fuhr dann weiter und tankte beim Nachbarn Aral. "Aber ich hatte meine Stammkunden," sagt Metz, und die sind ihm treu geblieben.

Doch langsam zogen dunkle Wolken über der in der Innenstadt liegenden Esso-Tankstelle auf: "Die Umweltauflagen wurden immer strenger." Das "Aus" bedeutete schließlich die Forderung der Fachbehörden, eine flüssigkeitsdichte Fahrbahn einzubauen. "Da hätten auch die Zapfsäulen raus gemusst, das hätte sich nicht mehr gerechnet," sagt Peter Metz.

Das Ende der Zapfsäulen

Anno 2000 war Schluss mit Tanken, die Zapfsäulen wurden abgebaut. Dennoch machte Metz noch zwei Jahre weiter. Bot Autopflege an, erledigte kleinere Reparaturen. Seine Station war Treffpunkt. Kunden und Bekannte stellten ihre Einkäufe bei ihm ab, bis der Bus zurück nach Hause fuhr, tranken ein Bierchen, unterhielten sich und verspeisten dazu einen Hamburger, den Metz zubereitet hatte. Legendär waren die Maifeste, an seiner Tankstelle standen schon Maibäume, bevor die Stadt diesen Brauch aufgriff. Der Erlös dieser Feste ging an die Lebenshilfe. Und endlich stand Peter Metz nicht mehr 70 sondern "nur" noch 50 Stunden pro Woche an seiner Station. Bis er 2002 in Rente ging.

Kurze Zeit später wurde "seine" Tankstelle abgerissen. Und das findet Peter Metz noch heute schade, war die Esso-Station doch ein typisches architektonisches Kind seiner Zeit.

Noch immer im Metier

Und heute, mit auf den Tag genau 70 Lebensjahren? Viele Kunden von damals halten ihm noch immer die Treue. Er pflegt ihre Autos, bietet vor allem im Frühjahr und im Herbst einen mobilen Reifendienst an. Und er ist zu einer Art Dorf-Chronist von Premich geworden, wo er seit 1967 wohnt. Immer wieder schreibt Peter Metz Beiträge für die Saale-Zeitung.

Ein Hobby ist das Schreinern. Sein Vater und sein Bruder waren Schreiner. Als Junge wäre Peter Metz eigentlich auch gerne Schreiner geworden. Doch seine Mutter war dagegen. Weil Vater und Bruder auswärts arbeiteten, meinte seine Mutter "Wenn Du auch Schreiner wirst, bist Du auch noch fort von daheim!"

Dass er den Beruf des Tankwarts gewählt hat, hat Peter Metz dennoch nie bereut. "Es war eine schöne Zeit," sagt er und lächelt in sich hinein.