Vom Heiligenhof ging es über den Preußensteg zum Kapellenfriedhof mit den Gräbern der bayerischen und preußischen Soldaten. Die Wanderung war eine interessante Unterbrechung für die etwa 50 Teilnehmer der dreitägigen Tagung zum 150. Jahrestag des Deutschen Krieges von 1866 in der Bildungsstätte. Auf dem Kapellenfriedhof wies Friedhofskenner Gerhard Wulz die Gruppe aus historisch interessierten Laien und Lehrern auf manche Besonderheit hin, etwa auf Fehler in
Theodor Fontanes Bericht. Der bekannte Schriftsteller hatte erst ein Jahr nach Kriegsende die Stätte der Kissinger Schlacht vom 10. Juli 1866 aufgesucht.


Verlustreiche Kämpfe

Namhafte Experten deutscher Universitäten befassten sich von Freitag bis Sonntag in ihren Vorträgen mit unterschiedlichen Aspekten des zweiten deutschen Einigungskrieges. Im Verlauf des Deutschen Bruderkrieges war es auch in und um Bad Kissingen zu verlustreichen Kämpfen zwischen bayerischer und preußischen Truppen gekommen. Ein Höhepunkt der Tagung war das Abschlussreferat von Peter Miroschnikoff (München), des langjährigen ARD-Studioleiters in Wien, zum Thema "Piefkes und Ösis: Das Jahr 1866 als Wurzel deutsch-österreichischer Vorurteile". Aber auch die Ausführungen von Verena von Wiczlinski (Mainz) über "Wirtschaftliche Aspekte der Reichsgründerzeit" hatte Tagungsteilnehmer Jürgen von Zitzewitz aus Bad Salzuflen besonders gut gefallen.


Tagung punktet mit Fachwissen

Die hohe Fachkompetenz der Referenten hatte auch die Erwartungen von Gerhard Wonner erfüllt, Lehrer aus St. Georgen im Chiemgau und Vorstandsmitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft für ostdeutsches Kulturerbe. Er schätzte besonders die zahlreichen Hintergrundinformationen, die über allgemeines Geschichtswissen hinausgingen. Der Bad Kissinger Lehrer Jan Vogel hatte hingegen nicht an der kompletten Tagung, sondern nur an der Wanderung zum Kapellenfriedhof teilgenommen. Nach den Erläuterungen von Gerhard Wulz habe er das Kriegsgeschehen in Bad Kissingen "viel besser in den historischen Zusammenhang einordnen können".