Annemarie Arnold steht in der Wandelhalle, wie jeden Tag in der Vorweihnachtszeit. Auf dem Tisch vor ihr liegen akkurat aufgereiht dutzende Fröbelsterne. Große und kleine, blaue und weiße, rote und goldene. Ein Frau bleibt stehen. "Mensch sind die schön", meint sie. Dann geht sie weiter und sucht sich einen Platz, um das nächste Kurkonzert anzuhören. "Ich habe hier tolle Gespräche. Die Menschen hier sind so begeistert", sagt Arnold. Seit Jahren bastelt sie Fröbelsterne, die sie dann im Advent gegen eine Spende für den guten Zweck abgibt. Die Kurgärtnerei schmückt mit ihren Sternen die Weihnachtsbäume in der Wandelhalle und im Regentenbau, unter anderem für die Musikschule, den Hospizverein Bad Kissingen und die Lebenshilfe Nüdlingen hat sie vierstellige Spendenbeträge gesammelt. "Ich bin immer ein Mensch gewesen, der etwas machen musste", sagt sie.


Vom Krieg geprägt

Heute wird Annemarie Arnold 90 Jahre alt. Seit 30 Jahren lebt sie in Bad Kissingen. Hier hat sie nach ihrem Berufsleben ein neues Zuhause gefunden. Ihre erste Heimat ist das Ruhrgebiet. Sie wurde 1925 in Duisburg geboren und wuchs dort mit ihren Eltern und Geschwistern auf. "Bis wir ausgebombt wurden." Eine unbeschwerte Jugendzeit war ihrer Generation nicht gegönnt, der Zweite Weltkrieg machte das unmöglich. Als Teenager half sie im zerstörten Duisburg, Verletzte aus den Trümmern zu bergen. Später erhielt sie die Obhut über zwei fremde Kinder und wurde nach Baden-Württemberg geschickt. Dort blieb die junge Frau bis kurz vor Kriegsende. Ihr Vater kämpfte an der Ostfront, geriet in Gefangenschaft und kehrte erst lange nach dem Untergang des Dritten Reichs als schwer kranker Mann zurück. "Die Erinnerungen an den Krieg sind sehr schlimm", sagt Annemarie Arnold heute. "Aber wir mussten. Wir wurden nicht gefragt."


Liebe zur Wandelhalle

Eigentlich wollte sie Architektin werden. Nach dem Krieg war ihr ein Studium aber nicht möglich. Stattdessen machte sie eine Ausbildung zur Kindergärtnerin. "Das war schon mein Traumberuf. Ich kann auch heute an keinem Kind vorbeigehen, ohne es anzulächeln." Beruflich hatte sie als Erwachsene ihre Erfüllung gefunden, privat musste sie schwere Zeiten durchstehen. Als 28-Jährige verlor sie ihren ersten Mann durch einen Verkehrsunfall. Nachdem ihr Sohn selbst erwachsen war heiratete sie ein zweites Mal, wieder mit einem tragischen Ende. Nach langer Leidenszeit verstarb ihr zweiter Mann an Krebs.

Im Alter von 52 Jahren kam Annemarie Arnold zum ersten Mal nach Bad Kissingen. Zur Kur. "Ich habe mich sofort in die Wandelhalle verliebt. Als ich das erste Mal dort war, wusste ich, dass ich nach Bad Kissingen ziehe, wenn ich in Rente bin", erzählt sie. Das hat sie dann auch im August 1986 gemacht.
Seitdem engagiert sie sich ehrenamtlich in der Stadt. Als es ihre Gesundheit noch zugelassen hat, hat sie sich in Alten- und Pflegeheimen um die Bewohner gekümmert. Sie ist Mitglied im Hospizverein und hat selbst schon sterbende Menschen auf ihrem letzten Lebensabschnitt begleitet.

2001 hat sie mit ihren Fröbelstern-Spendenaktionen angefangen. "Die Zeit in Bad Kissingen ist mir sehr kostbar. Die Sterne sind mein Danke schön an die Stadt und an die Menschen, die hier leben", sagt Annemarie Arnold.