Besucher Manfred hat noch nie ein Football-Spiel live gesehen. In Münnerstadt schon gar nicht. Und er fiebert mit, applaudiert und sieht den ersten Touchdown in der noch jungen Münnerstädter Football-Geschichte. Es ist genau 15:40 Uhr, als Konstantin Stäblein am vergangenen Samstag den Ball in die Endzone trägt und der erste Heim-Touchdown (sechs Punkte) der Dark Knights gelingt. Er wird damit sicherlich Platz in der Vereinschronik finden, als erster Spieler, der einen Heim-Touchdown beim TSV erzielte. Währenddessen fasst sich Heim-Quarterback Mark Crivaro erstmals an den linken Rippenbogen.

Es ist ein anderer Sport, das bemerkt Manfred auch. Aber er ist interessant, intensiv und reißt mit. Fußball auch, sagt er, aber eben anders. Das Spiel kann sich in kurzer Zeit völlig drehen. Aber noch ist Münnerstadt am Drücker. Kurz vor 16 Uhr flippt das Heimpublikum dann fast komplett aus. Niklas Lindner trifft per Fieldgoal zum 9:6. Erstmals in dieser Saison liegen die Dark Knights in Führung und das vor heimischer Rekord-Kulisse (300!). Die Stimmung auf den Rängen ist glänzend. Das Wetter passt und auch das Drumherum mit Stadionsprecher Michael Lautenschlager plus Football-Experten "Billy" unterhält. Crivaro spürt den Schmerz scheinbar immer noch, lässt sich aber fast nichts anmerken. Ein Quarterback geht wegen einer Prellung nicht vom Feld.

Verletzungen bleiben nicht aus

Manfred hat Spaß und ist fokussiert auf das Geschehen auf und neben dem Platz. Er sieht wie sich die Spieler bekämpfen. Immer fair, aber hart gegeneinander. Der Sport ist ein Kontaktsport und Verletzungen bleiben nicht aus. Je mehr die Kräfte nachlassen, desto gefährlicher wird es. Gerade im Schlussviertel gibt es viele Unterbrechungen. Wenn ein Footballer auf dem Boden liegt, gehen die Spieler beider Teams auf die Knie und hoffen, dass es nichts Schlimmeres ist. "Aus Respekt", erklärt der Experte dazu und zum Glück verletzt sich kein Akteur schwerer. Nur die in diesem Sport üblichen Prellungen und Verstauchungen gehören dazu. Wenn ein 120 Kilogramm schwerer Verteidiger auf das Knie des Gegners stürzt, kann es schon zu massiven Verletzungen kommen. In Münnerstadt kann jeder selbstständig vom Feld laufen.

Sehenswerte Passversuche der Offense

Eric Sumner, Head-Coach der Dark Knights, ist zufrieden. Nach den zwei Auftaktniederlagen zu Saisonbeginn ist er zum Chef befördert worden. In der kurzen Zeit hat er das Team scheinbar stabilisiert. Angriff und Abwehr stehen abwechselnd auf dem Feld und so wird kein Mannschaftsteil überfordert. Das war das Ziel vor dem Spiel und auch deswegen ist Sumner zufrieden. Und er coacht ruhig und gelassen, weil das Match ausgeglichen ist. Einige Passversuche seiner "Offense" sind sehenswert und auch das Laufspiel funktioniert gut. Fehler bleiben nicht aus, aber sie passieren auf beiden Seiten. Dennoch sind die Mannschaften gut drauf und zeigen dem Publikum ein richtig gutes Football-Match.

So kann es weitergehen, sagt Manfred und hofft auf zwei weitere spannende Viertel. Die Gäste aus Ansbach sind scheinbar doch beeindruckt von der Leistung der Dark Knights und von der Stimmung. Die Tribüne ist gut besucht. Davon zeugt auch die lange Schlange am Verpflegungsstand. Einige Fußballer der Alten-Herren Münnerstadt besorgen sich schnell Getränkenachschub in der Pause und sehen zu, wie sich vier Teilnehmer während der Halbzeit-Show versuchen ein Field-Goal zu erzielen. Der Sieger trifft aus 20 Yards Entfernung und erhält einen von der Münnerstädter Mannschaft signierten Helm.

Immer näher an die Endzone

Die Ansbach Grizzlies sind nach der Halbzeit besser. Die Fehler bei den Gastgebern häufen sich und die Grizzlies kommen immer näher an die Endzone heran. Die "Defense" der Dark Knights schafft es nicht, die Angriffe zu unterbrechen. Immer wieder schaffen sie ein neues First Down, also vier weitere Versuche, zehn Yards Raumgewinn zu erzielen. Und dann passiert es. Touchdown der Ansbacher und dazu noch ein Fieldgoal und schon steht es 9:13.

Vor dem Schlussviertel gibt es noch einmal Beifall für das Heimteam. Die (dunklen) Ritter kämpfen und versuchen alles. Und fast mit dem letzten Pass vom angeschlagenen Crivaro, wäre der Touchdown zum Sieg gelungen. Sekunden vor Schluss kommt sein Wurf an, wird vom Receiver gefangen, doch die Ansbacher bringen den Angreifer zu Fall. Wenige Yards vor der Endzone. Das Spiel geht mit 9:13 (6:6, 3:0, 0:7, 0:0) verloren. Beide Teams merken, dass sie ein unterhaltsames Match gezeigt haben und genießen den Schlussapplaus.

Schon im ersten Viertel hat er einen Schlag auf die Rippen kassiert, gibt Mark Crivaro nachher zu. Er wirkt angeschlagen, ist aber stolz. Der Schmerz kommt allmählich durch und die Hand liegt schützend auf den Rippen. Er verzieht das Gesicht, nimmt die Glückwünsche der Gäste aber stoisch an. Mit der Niederlage ist er nicht zufrieden, das merkt man ihm auch an. Und fasst wäre sein letzter Passversuch Sekunden vor Schluss von Erfolg gekrönt gewesen.

Am kommenden Sonntag werden er und seine Mannschaft es wieder versuchen. Dann steht das nächste Heimspiel der Dark Knights gegen die Bamberg Phantoms (15 Uhr) an. Bis dahin ist er hoffentlich wieder fit. Und vielleicht kommt Manfred auch wieder.