Er ist der erste brasilianische Trainer an der Seitenlinie bei den Hammelburg Volleys: Thiago Welter will sein Team zu ähnlichen Erfolgen wie in der vergangenen Saison führen. Im Interview berichtet der 33-Jährige, wie er nach Hammelburg kam, welche Art Coach er verkörpert und was es mit seinem Co-Trainer auf sich hat.

Herr Welter, Sie sind der erste Volleys-Trainer seit Jahren, der auch in Hammelburg wohnt. Wie kam es dazu?

Thiago Welter: Seit Anfang Juli habe ich eine Wohnung in Hammelburg. Ich komme Anfang der Woche hierher und fahre nach den Spielen am Wochenende wieder nach Hause. Das war der Kompromiss, den wir glücklicherweise gefunden haben. Als ich den ersten Anruf von unserem Manager Olly Wendt erhielt, war ich sehr begeistert. Ich kannte Hammelburg als Gegner, die feierliche und familiäre Atmosphäre in der Halle und einige Spieler aus vergangenen Saisons. Aber ich wusste erstmal nicht, ob das mit der Entfernung überhaupt machbar ist. An der Stelle möchte ich meinen großen Dank an unsere zwei Manager Olly und Frank Jansen und den Vorstand richten, die sich dafür stark eingesetzt haben, das Wohnen hier für mich möglich zu machen.

Welche Berührungspunkte hatten Sie bisher mit dem TV/DJK?

Ich habe öfters in und gegen Hammelburg gespielt. Sowohl als Trainer als auch als Spieler. Nur einmal war ich Zuschauer in der Halle, als mein Ex-Verein Eltmann gegen Hammelburg gespielt hat. Damals hatte ich einen gebrochenen Finger und durfte nicht mitwirken.

Es soll da schon mal eine lose Anfrage für den Trainerjob gegeben haben....

Vor einigen Jahren hatte mich Thomas Greinwald bereits kontaktiert. Als Tado Karlovic damals aus familiären Gründen das Traineramt in Hammelburg aufgeben wollte, wurde ich gefragt, ob ich Interesse hätte. Damals war ich im Studium sehr eingespannt und die Aufgabe wäre für mich nicht möglich gewesen.

Wie haben Sie damals das Team der Hammelburg Volleys und die Atmosphäre in der Saaletalhalle erlebt?

Interessante Frage. Dieses Thema ist immer im Gespräch mit Volleyball-Bekannten, Freunden und in der Familie: wie energievoll die Hammelburger Zuschauer sind und wie elektrisiert diese Halle am Spielabend ist. Ich hatte tatsächlich nach einigen Spielen hier nette Gespräche mit Zuschauern und das ist mir in Erinnerung geblieben und hat meine Entscheidung für den Posten beeinflusst. Ich hoffe, dass wir unsere Zuschauer weiterhin mit gutem Volleyball begeistern können.

Die Hammelburger Fans erlebten zuletzt zwei eher ruhige Trainer, die während des Spiels nicht so häufig aus sich herausgingen. Worauf können sie sich bei Ihnen freuen?

Mal so, mal so. Jedes Spiel hat einen anderen Verlauf. Manchmal werden sie mich etwas energischer sehen, wenn die Situation das erfordert. Aber ich denke, ich bin auch ein ruhiger Typ im Spiel. Im Training bin ich eher laut, weil ich weiß, dass die Jungs viel erreichen können und ich will immer deren Maximum sehen. Ich versuche, meine Mentalität weiterzugeben, dass jeder Ball zählt. Egal, ob im Training oder im Spiel.

Wie würden Sie allgemein Ihren "Trainerstil" beschreiben?

Ich bin Perfektionist, coache viel im Training und versuche, das Selbstdenken zu fördern. Wenn was nicht läuft, unterbreche ich gerne die Einheit. Im Spiel kann man das nicht machen. Deshalb fordere ich viel Konzentration und Mitdenken im Training, damit die Spieler in der Begegnung in der Lage sind, schnelle Lösungen zu finden.

Sind Sie als Trainer eher der autoritäre oder der Kumpeltyp?

Das können die Jungs besser beantworten. Je nach Situation, denke ich. Aber ich tendiere zu gemeinsamen Entscheidungen und hatte zu Autoritarismus nie ein tolles Verhältnis.

Zwei Jahre lang haben Sie das "Rote Rudel" Fellbach trainiert, agierten dort auch als Spielertrainer. Können sich die Hammelburger Zuschauer auf die ein oder andere Einwechslung des Thiago Welter freuen?

Nein, ich habe, bevor ich unterschrieben habe, ganz klar gesagt, dass ich mich nie einwechseln werde. Das war eine Notlösung in Fellbach, weil wir den Abstieg vermeiden wollten. Eine meiner größten Aufgaben hier in Hammelburg ist, den 14-Mann-Kader bei Laune zu halten. Selbst wenn Verletzungen geschehen sollten, gibt es im Verein genügend Optionen bei den anderen Herrenmannschaften und in der Jugend.

Wie Fellbach, sind die Hammelburger ebenfalls noch jung, spielten aber in der 2. Bundesliga oben mit. Ist die Trainerstelle hier für Sie persönlich ein Aufstieg?

Auf jeden Fall. Fellbach erlebte einen großen Umbruch, nachdem viele bekannte Spieler den Verein verlassen hatten. Die Umstrukturierung, die Definition des neuen Ziels und die Anpassung der Trainingsbedingungen für den sehr verjüngten Kader hätte schneller sein müssen, damit der Wiederaufbau möglich ist. In Hammelburg kennen sich die Jungs aus den letzten Saisons; die meisten bringen viel Erfahrung mit. Auch die Trainingsbedingungen sind optimal.

Zum Auswärtsspiel in Leipzig begleitete Sie ein neuer Co-Trainer. Was hat es mit Prof. Dr. Alex Rost auf sich?

Alex ist ein guter Freund, der sehr viel Begeisterung für den Volleyball mitbringt. Er hat früher zwar selbst gespielt; aber ich sehe andere seiner Stärken als enorm wichtig für uns an. Alex hat, bevor er Professor wurde, viele Teams und Firmen geleitet. Er weiß, wie man Gruppen motiviert, koordiniert und unterstützt. Das sind die Dinge, die ich hoffentlich von ihm lernen werde.

Gegen TuS Kriftel sind wieder Zuschauer in der Saaletalhalle zugelassen. Das war vergangene Saison nicht so.

Ich freue mich sehr auf unsere Zuschauer und hoffe, dass wir gemeinsam eine erfolgreiche und gesunde Saison in Hammelburg erleben.

Die vergangene Spielzeit war für die Volleys eine ihrer erfolgreichsten. Glauben sie, dass das Team diesen Erfolg wiederholen kann?

Ja, ich glaube daran.

Die Fragen stellte

Steffen Standke

Eine spannende Karriere als Spieler und Trainer

Biografisches Thiago Welter ist in Brasilien aufgewachsen und spielte Volleyball, seit er 13 Jahre alt war. Maßgeblich dafür verantwortlich war sein Bruder, der ihm neun Jahre später half, den Weg nach Deutschland zu finden. Beim TV Bühl spielte Welter eine Saison in der 1. Bundesliga, bevor er sich wegen vieler Verletzungen entschied, seine sportliche Karriere vorerst zu beenden. Georg Vlachojannis, damals sportlicher Leiter beim TV Bühl, holte den Brasilianer 2012 wieder zurück nach Deutschland und bot ihm die Chance, dort zu studieren und nebenbei als Jugendtrainer im Verein zu arbeiten. Nach einigen Jahren kehrte Welter wieder in die 1. Bundesliga zurück, diesmal als Libero bei dem damaligen VSG Coburg, wo damals auch Moritz Karlitzek zum Team gehörte. Danach lief er zwei Spielzeiten beim VC Eltmann auf, bevor er 2017 als Trainer zum SVF Fellbach wechselte. Derzeit studiert Welter Softwareengineering im Master. st