Ein Handzeichen hatte alles verändert. Für die Familie. Und für Sophia Schrenk sowieso. Der Vater erinnert sich genau, auch wenn dieser schicksalhafte Tag jetzt einige Jahre zurückliegt. Jochen Behle, der langjährige Skilanglauf-Bundestrainer, war als Sportdirektor des Bundesstützpunktes Willingen-Winterberg in die Hochrhön gekommen zu einer Info-Veranstaltung für junge Athleten und Sportler.

"Sophia war die Erste, die sich gemeldet hat auf die Frage, wer sich vorstellen könne, auf ein Ski-Internat zu gehen", sagt Michael Schrenk, dessen Tochter gerade einmal zwölf Jahre alt war, kurz davor im Deutschen Schüler-Cup den achten Platz belegt hatte. "Ich war positiv überrascht. Als Sportler konnte ich das nachvollziehen. Für die Familie war das allerdings auch schmerzhaft, wenn das Kind so früh von zuhause weg ist. Aber so ist die Sophia.
Sie verfolgt ihre Ziele konsequent und zieht ihr Ding durch."

Aus Oberweißenbrunn ging es also ins Sauerland nach Willingen (Hessen), wo die heute 15-Jährige eine reguläre Schule besucht, im Ski-Internat lebt und aktuell im Prüfungsstress für die Mittlere Reife ist. Schule und Training sind nicht unmittelbar verzahnt, was enormen Fleiß und Selbstdisziplin erfordert. "Sophia ist eine freundliche Person, die gerne auf andere Menschen zugeht, in ihrem Sport aber auch extrem ehrgeizig ist", sagt Michael Schrenk. Bis zu fünfmal in der Woche wird trainiert, unabhängig von den Schnee-Verhältnissen. Spezielle Lehrgänge finden schon mal in Norwegen statt.

Bei ihrem Debüt im Deutschland-Pokal Anfang Januar hatte Sophia Schrenk in Oberwiesenthal im freien Stil und in der klassischen Technik zweimal knapp das Podest verpasst. Der Ort im Erzgebirge war kurz darauf auch Schauplatz der Deutschen Meisterschaften im Skilanglauf. Und dort gelang der Rhönerin, die für die SKG Gersfeld startet, der große Wurf mit der Vizemeisterschaft im Sprint. Bereits im Vorlauf hatte Sophia die zweitschnellste Zeit, überstand souverän das Viertel- und Halbfinale mit jeweils sechs Läuferinnen und sicherte sich Platz zwei im Prolog der Altersklasse U-16. Ein Distanzrennen in der freien Technik über fünf Kilometer beendete Sophia Schrenk in den Tagen von Oberwiesenthal ebenso auf dem sechsten Platz wie den Jagdstart über 7,5 Killometer in der klassischen Technik.

"Spaß am Sport ist wichtig. Und das Vertrauen in die eigene Stärke. Eine gewisse Aufregung ist gut, aber man darf sich nicht zu sehr reinsteigern, sonst geht es schief", sagt Sophia Schrenk, die die Norwegerin Therese Johaug als ihr großes Vorbild bezeichnet. "Sie ist so eine unglaublich tolle Athletin. Ihre Lauf-Technik ist mega-cool, egal ob klassisch oder im Skating-Stil."

Trotz ihrer Jugend hat sich die 15-Jährige in den vergangenen Jahren auch eine Portion Gelassenheit angeeignet, um mit Drucksituationen besser umzugehen. "Vor ein paar Jahren konnte ich vor einem Wettkampf nie etwas essen und die Nacht davor nie gut schlafen. Irgendwann aber bekommt man eine Art Routine."
Wintersport gehört zur Familie Schrenk wie der Kreuzberg zur Rhön. Sogar in der Sportfördergruppe hatte Michael Schrenk Biathlon und Langlauf betrieben, die Söhne Lucas und Manuel haben ebenso viel Spaß am Sport wie Mutter Cornelia. "Sophia hat eigentlich schon als Zweijährige auf Skiern gestanden", sagt der 47-Jährige, der nicht verhehlt, dass das Hobby der Tochter kostenintensiv ist. "Ein Sponsoring bekommt Sophia von der Firma Hanse-Haus und einigen anderen Gönnern. Aber die Hauptlast wie Internats-, Fahrt- und Materialkosten oder Lehrgangs-Gebühren stemmt die Familie."

Die weitere Karriere-Planung hängt von vielen Faktoren ab. Dazu gehören die anstehenden Prüfungen in der Schule wie auch die Wettkämpfe in den nächsten Wochen. "Für mich ist Skilanglauf mein Leben. Wenn ich könnte, würde ich es zum Beruf machen. Das ist eine Sportart mit, gerade im Sommer, abwechslungsreichen Trainingseinheiten, die sich positiv auf Kraft, Ausdauer oder Koordination auswirken", sagt Sophia Schrenk.
Auf die junge Rhönerin warten im Leben noch viele Herausforderungen. Sophia Schrenk wird sie annehmen - mit oder ohne Handzeichen.