Bloß kein Harz. Nicht in der Schlossberghalle. Auf eine sportliche Heimat haben Nüdlingens Handballer lange warten müssen. Und verzichten gerne auf die ab der Bayernliga erlaubte klebrige Hilfe im Umgang mit dem Ball, um die Spielstätte zu schonen. Seit 1971 wird Handball bei der DJK Nüdlingen gespielt. Der damalige Lehrer Egbert Warmuth, später Schulrektor Harald Bötsch, hatten Handball über den Schulsport in den Verein gebracht. Doch erst mit der Eröffnung der Schlossberghalle im Jahr 2005 boomt der schnelle Sport mit der kleinen Lederkugel. Aktuell nehmen zwölf Teams am Spielbetrieb teil. Mit den Bayernliga-Damen der SG Garitz/Nüdlingen als Aushängeschild. 240 Mitglieder hat die Sparte.
Davon sind 160 Spieler, 17 Personen Trainer oder Übungsleiter.

Fruchtbare Kooperation

"Handball war schon immer stark bei uns im Verein vertreten, doch die spätere Kooperation mit dem SV Garitz hat noch einmal einen richtigen Schub gebracht", sagt Günter Theo Kiesel. Der 59-Jährige, aktuell Beisitzer im Verein, erinnert sich gut an die Anfänge, als Heimspiele in der kleinen Schulturnhalle ausgetragen werden mussten. Oder sogar in anderen Orten. Um Punkte gespielt wurde damals beim Bundesgrenzschutz in Oerlenbach oder in den Sporthallen der Bundeswehr-Kasernen in Hammelburg und Wildflecken.

Gegen die Stimmen vieler Kritiker wurde der Bau der neuen Halle durchgesetzt. "Der Erfolg der Schlossberghalle spricht für sich. Die Bürger sehen, für wie viele Veranstaltungen über den Sport hinaus man die Halle nutzen kann", freut sich Bürgermeister Günter Kiesel über die mittlerweile große Akzeptanz. Spielfeld, Beleuchtung, Akustik. Alles vom Feinsten. "Der Sport soll den Akteuren, aber auch den Zuschauern Spaß machen. Daher wollten wir mehr als nur einen Bau im Container-Stil", sagt Nüdlingens Gemeindevorsteher, der früher selbst Handball spielte. Und klarstellt: "Auch die anderen Vereine im Ort sowie die Schule profitieren." Sechs Euro pro Stunde stellt die Gemeinde den Vereinen in Rechnung. Ein Freundschafts-Preis. "Für die Sportvereine summiert sich das trotzdem über das Jahr gesehen", weiß der Bürgermeister um finanzielle Zwänge.

Es gibt keine Schulden

"Handball ist unser wichtigstes Standbein. Aber das große Ganze darf nicht in Gefahr geraten. Das sind wir den anderen Sportarten schuldig", erteilt DJK-Vorsitzender Michael Rendl jeglicher Form von Schulden-Politik eine Absage. Und im Bayernliga-Team wird keine Spielerin bezahlt. "Wir unterstützen keine Söldner-Mentalität", stellt der 45-Jährige klar. Die Mitgliedsbeiträge machen gerade einmal 25 Prozent im Etat der Handball-Abteilung aus. Die Kosten sind enorm. Abgaben an die Verbände sind ebenso zu stemmen wie die Bezahlung der Trainer und Übungsleiter. Dazu kommen Spritkosten. Die Fahrten der Bayernliga-Teams gehen bis in den Münchner Raum. Selbst die Jüngsten im Verein lernen bei Auswärtsspielen den kompletten Bezirk kennen. Die Vereinsförderung und der gemeinnützige Gemeinde-Bus helfen. Aber auch viele Sponsoren. Die Hilfsbereitschaft der heimischen Geschäftswelt ist enorm. Dazu werden Gelder über den Eintritt, das "Stadion-Heft" oder die Bandenwerbung akquiriert.

"Der Handball im DJK lebt vom Engagement aller Beteiligten", stellt Reinhold Schmitt das Wir-Gefühl in den Vordergrund. Die Trainer und Übungsleiter rekrutieren sich meist aus ehemaligen Spielern. Der Abteilungsleiter freut sich aber auch über die vorbildliche Unterstützung von Seiten der Eltern. "Wenn unsere B-Juniorinnen mit dem Bus zu den Spielen anreisen, sind geschätzte 97 Prozent der Eltern mit dabei und tragen sogar die anfallenden Kosten mit."

Der Traum vom Gesamtkonzept

Um die Qualität im Verein zu halten und den Handball-Sport weiterzuentwickeln, schwebt dem 51-Jährigen ein Gesamtkonzept vor. Mit einem hauptverantwortlichen Chef-Trainer mit hoher fachlicher Kompetenz, der den Trainern und Übungsleitern beratend zur Seite steht. Julian Bötsch könnte so einer sein. Das DJK-Eigengewächs spielte bereits in der Jugend beim HSC Bad Neustadt und ist aktuell Stammspieler beim Drittliga-Tabellenführer DJK Rimpar. Umso erstaunlicher, dass der 29-Jährige bei seinem Heimatverein die B-Juniorinnen coacht. "Es kommt vor, dass uns Spieler verlassen. Aber wir legen keine Steine in den Weg und wollen den Kontakt halten. Irgendwann finden die Spieler vielleicht wieder den Weg zurück", schildert Schmitt die auf Harmonie bedachte Vereins-Philosophie. "Das Geheimnis unseres Erfolges ist die Kontinuität im Verein. Talente hatten wir immer. Aber eben auch die richtigen Leute im Hintergrund und an der Spitze", sagt mit Helmut Renner der langjährige Vorsitzende.

Nachlassen dürfen die DJKler freilich nicht. Im Würzburger und Bamberger Raum profitieren die Vereine stark von den Universitäten. Da hat Nüdlingen einen Standort-Nachteil, den es mit Kreativität und intensiver Jugendarbeit auszugleichen gilt. Im Sommer ist ein Turnier geplant mit Gästen aus Saint Marcel von der französischen Partner-Gemeinde. "Mit solchen Veranstaltungen kann man auch ein jüngeres Publikum anlocken", weiß Michael Rendl. Der gebürtige Hesse hat zwar noch nicht den Dialekt, aber längst das Herz eines Nüdlingers.