Das Derby gegen die Rot-Weißen aus Obererthal - darauf müssen die Untererthaler nach ihrem Aufstieg verzichten. Für FC-Sportler Sven Röthlein nur ein kleiner Wermutstropfen. Zum einen hatte das Nachbarschaftsduell für ihn etwas an Glanz verloren, seit die SVler mit Thulba II eine Spielgemeinschaft bilden.

Zum anderen - und das ist der wichtigere Grund - locken auch in der Kreisliga attraktive Vergleiche. Der mit Bezirksliga-Absteiger FC Westheim zum Beispiel. Oder der mit dem SV Riedenberg und dessen Trainer Michael Leiber, in der Hammelburger Region (Diebach, Obererthal) bestens bekannt. Doch wie kam es, dass Untererthal nach drei Jahren Unterklassigkeit wieder Kreisliga Rhön spielen darf?

Punktgleich mit Reiterswiesen

Blickt man nur auf die Tabelle, erscheint der Aufstieg nicht selbstverständlich. Stand man doch bei Saisonabbruch punktgleich mit Reiterswiesen an der Spitze. Der Kampf um den Platz an der Sonne schien keineswegs entschieden.

Sven Röthleins spricht dennoch von einer "verdienten Meisterschaft". Denn der FC hatte zwei Spiele weniger als die Bad Kissinger Stadtteil-SG (17 statt 19), zudem mit 45:15 die beste Tordifferenz in der gesamten Liga.

Ja, Untererthal hatte nach einer grandiosen Hinrunde 2019/20 und dem gewonnenen Hinspiel gegen Reiterswiesen (3:1) bei der kurzzeitigen Saisonfortsetzung etwas geschwächelt. Das Heimspiel gegen Aura ging 0:1 verloren; beim TSV Oberthulba gab es nur ein 1:1. Aber der sportliche Leiter ist sich sicher, das sein FC wieder in die Spur gekommen wäre, hätte die Saison noch etwas länger gedauert.

Das ist Makulatur; es hat auch so gereicht. Und das ist für Sven Röthlein vor allem das Verdienst eines Mannes - von Spielertrainer Sebastian Heinlein. "Der 'Sebbo' war der absolute Glücksgriff. Seine Sicherheit auf dem Platz hat sich auf die gesamte Mannschaft niedergeschlagen."

Nach einer schlechten Kreisklassen-Spielzeit 2018/19, in der der FC sogar gegen den Abstieg kämpfte, stabilisierte Heinlein die Mannschaft. Er führte sie 2019/21 zu 13 Siegen; nur je zweimal spielten sie unentschieden oder verloren. "Sebastian Heinlein hat auf Anhieb prima funktioniert", lobt der Sportleiter. "Ich habe die Mannschaft sehr intakt erlebt, sehr gefestigt."

Dieser Zusammenhalt im Team - er soll auch der große Trumpf in der Kreisliga werden. Röthlein bezeichnet sie als "große sportliche Herausforderung". Dementsprechend sei auch nur der Klassenerhalt das Ziel. Dabei hofft der sportliche Leiter auch auf Torjäger Lukas Tartler. Der habe unter Heinlein einen Riesensprung gemacht und von dessen offensiverem Spielstil profitiert.

Kreisliga "ganz schwer einzuschätzen"

Was in der Kreisliga auf den FC Untererthal zukommt, kann Sven Röthlein "ganz schwer einschätzen". Die Pause sei lang gewesen; man wisse nicht, wie die Mannschaften darüber hinweggekommen seien. Manche hätten fusioniert. Vor allem die Rhöner Teams habe man nicht mehr so im Blick. Der SV Burgwallbach fehle inzwischen ganz (wir berichteten). Weit vorne erwartet der Untererthaler Verantwortliche den FC Westheim und den SV Ramsthal. "Er ist "absolut zuversichtlich, die Sache zu bestehen."

Man merke im Training, dass Spaß und Freude am Fußballspielen zurück seinen, dass es wieder losgeht. Die Mannschaft ist zusammengeblieben; es gibt keine externen Zugänge.

Übrigens: Die Meisterschaft in der Kreisklasse haben die Untererthaler bereits gefeiert. Auch wenn sie sich dabei gar nicht persönlich getroffen haben. Das Zauberwort hieß "Zoom-Meeting".

So habe sich jeder vor den PC oder das Handy gesetzt, mit dem ein oder anderen Kaltgetränk an der Seite. "Es war chaotisch und es ersetzt keine richtige Meisterfeier", schildert Röthlein das Ereignis. "Aber es war auch irgendwie witzig."