Hammelburg Volleys - TSV Grafing 2:3 (25:15, 21:25, 22:25, 25:18, 13:15).

Nach einem 1:2-Satzrückstand hätten die Hammelburger das erste Heimspiel der Saison gerne komplett gedreht. So wie im übertragenen Sinn das Spielfeld, um 180 Grad. Weshalb die Teams eben nicht wie gewohnt unterhalb der Tribüne ihre Bänke hatten, sondern auf der gegenüber liegenden Seite. Auch der Stuhl-Schiedsrichter hatte die Seiten gewechselt, war damit bestens im Blick der Video-Kamera.

Diese schickte via Livestream bewegte Bilder quasi von Wohnzimmer zu Wohnzimmer, weil aufgrund des - mit viel ehrenamtlichem Engagement umgesetzten - Hygiene-Konzepts nur maximal 200 Zuschauer in die Saaletalhalle durften. Dort, wo Rückkehrer Lorenz Karlitzek auch im dritten Spiel verletzungsbedingt passen musste, das Knie. Fit war dafür der Rest der Saale-Jungs, wie auf der anderen Seite Ex-Volleys-Akteur Henning Schulte, der seit der vergangenen Saison für die "Bären" um Ex-Bundesliga-Akteur Julius Höfer aufspielt.

Starker Start

Hammelburgs Start konnte sich sehen lassen angesichts einer 8:5-Führung zur ersten technischen Auszeit mit einigen glücklichen, aber auch sehenswerten Punkten. Ein Vorsprung, der insbesondere dank exzellenter Blockarbeit gar auf 12:6 und 20:11 ausgebaut wurde. Selbst eine Auszeit und Spielerwechsel der Grafinger vermochten den Hammelburger Lauf hin zum überlegenen Satzgewinn nicht zu bremsen. Und das gegen einen Kontrahenten, der zu den Spitzenvertretern der Liga gerechnet werden darf.

Auf Augenhöhe begann Satz zwei, wieder führte Hammelburg zur ersten technischen Auszeit (8:7). Auch, weil Grafings Höfer bis dahin kein Faktor im Spiel der Oberbayern war, die sich in der Annahme steigerten und von leichten Hammelburger Fehlern profitierten: 16:12 aus Gästesicht. Keine Vorentscheidung freilich, weil die Gastgeber beim 19:21 wieder dran waren, danach die Angaben von Oscar Benner und Moritz Rauber fatalistisch ins Aus segeln sahen. Satzausgleich.

Der Wind dreht sich

Keine Zweifel, Grafing hatte sich gefangen, führte im dritten Abschnitt erstmals zur ersten regulären Unterbrechung (8:7) und versuchte insbesondere Volleys-Libero Aaron Dettner bei den Angaben in die Bredouille zu bringen. Aber der Wind drehte sich alsbald, weil der Hausherr auf 11:9 stellte, sich dann aber vermeidbare und höchst ärgerliche Ungenauigkeiten leistete, was dem Gegner einen 7:2-Lauf ermöglichte. Mit teils spektakulären Abwehraktionen zog Grafing das Momentum noch stärker auf seine Seite.

Aber die Hammelburger kämpften, waren bis auf zwei Punkte wieder dran (20:22, 21:23, 22:24) - um doch erneut als Etappenverlierer die Seiten zu wechseln, ausgerechnet durch einen Schulte-Punkt. "Mit den starken Aufschlägen im ersten Satz hat unser Spiel gut funktioniert, aber dieses Niveau haben wir nicht halten können. Aufschlagen können die Jungs alle, aber unter Druck konstant zu bleiben, daran müssen wir weiter arbeiten", analysierte später Coach Cornel Closca.

Breite Streuung

Dann endlich wieder ein Vorsprung (8:6). Knapp, aber immerhin. Irgendwie musste doch wieder Selbstvertrauen in die blauen Trikots schlüpfen. Grafing spielte gut, aber nicht so gut, als dass man hätte zu Kreuze kriechen müssen. Nur die zu breite Streuung, die blieb im Hammelburger Spiel wie ein lästiger Begleiter (12:12). Dennoch ging es mit einer 18:14-Führung in die entscheidende Phase des vierten Satzes, der beim 22:16 vorzeitig eingetütet war. Urplötzlich waren die Saalestädter nicht zuletzt dank einer vom Trainer geänderten Aufstellung zum Steh-Auf-Männchen mutiert, hatten mit dem Erreichen des Tiebreaks einen Zähler bereits in der Tasche.

Physikalisch unmöglich

Den Rückstand im Entscheidungssatz sollten die Volleys schnell wettmachen (5:3), um beim 8:5 tatsächlich an den Sieg glauben zu dürfen, der beim 8:8 wieder auf der Kippe stand in diesem fortwährenden Auf und Ab. Zwei ins Aus geschlagene Bälle der Grafinger bescherten Hammelburg sogar das 11:8. "Da müssen wir den Satz zu machen. Dann ist auch eine solch strittige Schiedsrichterentscheidung hinnehmbar", sprach Cornel Closca die womöglich spielentscheidende Szene an, als der Angriffsschlag von Oscar Benner mit Gegner-Berührung vom Netz an die Hallendecke ging. Doch eben jene Berührung hatte der Stuhlschiedsrichter nicht wahrgenommen. Allerdings ist es wohl eine physikalische Unmöglichkeit, dass ein "normaler" Angriffsball auf die Netzkante bis an die Hallendecke zu springen vermag. Ein paar Punkte später tanzten die Bären.