Hammelburg Volleys - Baden Volleys Karlsruhe 3:0 (25:21, 25:11, 25:21).

Diesen Nervenkitzel hätte es nicht mehr gebraucht. Sechs Matchbälle besaßen die Hammelburg Volleys, um im 3. Satz die Sensation klar zu machen: ein glattes 3:0 gegen den Ligaprimus SSC Karlsruhe. Doch mit drei Punkten am Stück saugten sich die Badenser auf 21:24 heran. Wieder ein Tiebreak? Wieder kein Sieg? Diesmal nicht. Nils Rehmeier krönte eine grandiose Mannschaftsleistung.

Zuvor hatten viele Hammelburg-Fans am Livestream ungläubig geschaut, was ihr Team da spielte: saubere, konzentrierte Angaben, felsenfeste Blocks und vor allem: schöne Spielzüge. Das gegen Karlsruher Riesen - der längste von ihnen misst 2,11 Meter - die fahrig wirkten und nie in die Partie fanden.

TV/DJK-Trainer Cornel Closca hatte zumindest auf einer Position überraschend aufgestellt: den jungen Hannes Krochmann anstelle des erfahrenen Laurentiu Vinatoru. Eine Entscheidung, die sich als goldrichtig erweisen sollte.

Schon im 1. Satz ließ sich kein Unterschied zwischen Tabellen-Fünften und Spitzenreiter erkennen. Im Gegenteil: Die Hammelburg Volleys erarbeiteten sich ein kleines Polster von 6:3. Und das bei Angabe Oscar Benner: Der Diagonalangreifer besitzt viele Stärken. Der Aufschlag gehört nicht dazu. Eigentlich. Doch diesmal zeigte Benner, das er auch das solide kann.

Zwar glichen die Karlsruher bald wieder aus (10:10). Doch irgendwie lag das Momentum auf Hammelburger Seite. Ein Beispiel: Janick Sills nicht sonderlich scharf geschlagene Angabe senkte sich zum 12:10 hinter die SSC-Hünen gerade noch so ins Feld.

Den Vorsprung ließen sich die TV/DJKler nicht mehr nehmen. Sie bauten ihn bei Angabe Moritz Rauber - auch eher ein Aufschlag-Zwerg - mit konzentriertem Spiel sogar aus. Klasse der lange Ballwechsel beim Stand von 13:12, den aber auch die Gastgeber für sich entschieden.

Beim Stand von 20:15 zu Beginn der Crunchtime kamen die Karlsruher mit großen Schritten noch einmal heran. Aber Hammelburg brachte den Vorsprung spielerisch konzentriert ins Ziel. Bezeichnend, dass ein ins Aus geschmetterter Angriffsschlag der Gäste das 21:21 brachte.

Eine Reaktion der Karlsruher auf den schwachen 1. Satz blieb im 2. aus. Im Gegenteil. Einige SSC-Angabefehler, starke Zuspiele von Hannes Krochmann und gut getimte Hammelburger Blocks brachten einen erstaunlich komfortablen Vorsprung. Zwischenzeitlich stand es 13:6 und später 18:9. Die Volleys spielten wie im Rausch. Der einzige Karlsruher, der sich wirklich zu wehren schien, hieß Jens Sandmeier. Ihn in Position zu bringen, gelang den Gästen zu selten. Ausgerechnet Sandmeiers ins Netz gegangene Angabe brachte den Satzgewinn für nun hoch überlegene Hammelburger.

Fast kippt das Spiel im 3. Satz

In der Anfangsphase des 3. Satz wurde es eng. Auch, weil die Angaben nicht mehr so konsequent geschlagen wurden und Krochmanns Zuspiele ungenauer gerieten. Trainer Closca ließ ihn auf der Platte - zu Recht. Den zwischenzeitlichen Rückstand von 5:7 egalisierte Oscar Benner nach einem engen Ballwechsel, in dem beide Mannschaften den Ball mehrfach spektakulär im Spiel hielten: 7:7.

Wohl der entscheidende Kick für die Hammelburger zum Endspurt. Sie zogen wieder davon, auch dank der Aktion zum 12:9: Ein von einem Karlsruher an den Hammelburger Block geschlagener Ball segelte gaaanz hinten ins Gästefeld. Beim 17:11 zeigte Lorenz Karlitzek mal wieder seine Klasse: In der Mitte der eigenen Hälfte stehend legte er das bunte Leder zur Verblüffung des Gegners gefühlvoll in dessen Feld.

Die letzte Phase des Matches begann. Die Hammelburg Volleys schafften es, ihren Vorsprung bis kurz vor Schluss zu konservieren. Der Triumph schien nah. Die Livestream-Kommentatoren Sebastian Becker und Olly Wendt hatten spekuliert, wer die letzten drei Punkte macht. Ihr Ergebnis: zwei Mal Karlitzek, einmal Rehmeier. Doch während Ersterer lieferte, blieb beim 24:18 der finale Punkt des Mittelblockers aus.

Die Karlsruher saugten sich noch einmal auf 24:21 heran. Knieschlottern, nicht nur in der Reporterkabine. Doch dann stellte Hannes Krochmann den entscheidenden Ball, den Rehmeier wie vorausgesagt "finalisierte". Unbändige Freude im Hammelburger Lager, auch, weil Krochmann den MVP abräumte.

Hammelburgs Cornel Closca sah "eine durch die Bank tolle Mannschaftsleistung. Wenn du im Aufschlag fehlerlos bist und Druck machst, erhöhen sich deine Chancen im Block und in der Feldabwehr. Das haben die Jungs perfekt umgesetzt."

Ein bedienter Karlsruher Trainer Antonio Bonelli äußerte sich wie folgt: "Es war ein ganz schlechter Tag von uns. Hammelburg hat das super gemacht, war klasse eingestellt und hat all unsere Schwächen konsequent ausgenutzt. Insgesamt war das heute eine inakzeptable Leistung von uns, welche leider ein wenig die Trainingsleistung der Jungs in dieser Woche widerspiegelt und da werde ich kommende Woche auch ganz klare Worte finden."