Der Zukunft kann auf die Sprünge geholfen werden. Thomas Lenz zeigt an diesem Donnerstag, wie das geht. Elf Kinder, darunter drei Mädchen, sind in die Ebenhäuser Turnhalle gekommen zu einem ganz besonderen Nachmittags-Unterricht. Die Fußball-AG ist strukturiert wie ein Training. Und Thomas Lenz ist der Coach, der seine Truppe zu begeistern weiß. Ein Heidenspaß, wenn auf der Weichboden-Matte die hohe Kunst des Fußballs geübt wird: Flugkopfball, Fallrückzieher, Seitfallzieher. Zum Abschluss noch ein Spielchen. Gemeinsam wird aufgeräumt. Glückliche Kinder, die zusätzlich einen besonderen Service genießen dürfen. "Wir haben die Stunden so platziert, dass sie in den Stundenplan passen und die Kinder im Rahmen des Busplans geholt und heimgefahren werden, so dass wenig bis keine Mehrkosten entstehen", sagt Thomas Lenz.

Bestens ausgerüstet

Die
Ausstattung ist mehr als solide. Hallen-Bälle hat der TSV Oerlenbach zur Verfügung gestellt. Vom Fußball-Verband gab es ein Starterpaket mit reichlich Equipment. Und in einer Sonder-Verlosung gewann die Schule sogar einen adidas-Kindertrikotsatz. Außerdem darf Thomas Lenz als Sportlehrer "auf die kompletten Schulutensilien zurückgreifen".

In der Großgemeinde Oerlenbach ist der Fußball-Nachwuchs rar geworden. Die Kräfte wurden bereits 2005 gebündelt mit der Gründung der JFG Oberes Werntal mit den Trägervereinen TSV Ebenhausen, TSV Oerlenbach, FC Eltingshausen und FC Rottershausen. Dass die vier Sportvereine von den vier Altersklassen (U-13 bis U-19) derzeit nur zwei besetzen können, zeigt die dramatische Situation. Gut, dass mit der JFG Wern-Lauertal eine strategische Partnerschaft besteht. Kooperation statt Kirchturm-Denken.

Eine gute Idee

Die Initiative für eine Fußball-Verbindung von Schule und Vereine hatte der TSV Oerlenbach. "Wir sind auf die Idee bei einer Vorstandssitzung gekommen. Daraufhin haben wir Kontakt zur Schule aufgenommen", sagt TSV-Vorsitzender Nico Rogge. Dessen Stellvertreter Rainer Borst wurde vorstellig bei Konrektor Ulrich Müller, der sofort hinter dem Projekt stand. Wie auch Thomas Lenz als Sportbeauftragten der Schule, der als erste Werbe-Maßnahme ein Schnupper-Training für die Zweit-, Dritt- und Viertklässler über die Klassenleiter kommunizierte. Motivieren ließen sich auch Kinder, die keinem Verein angehören - eine wichtige Zielgruppe für die Clubs der Großgemeinde. Aufgrund der Generalsanierung der Oerlenbacher Heglerhalle wird zurzeit in der Ebenhäuser Schulturnhalle trainiert. Sobald das Wetter besser wird, will Thomas Lenz das große Sportplatz-Angebot innerhalb der Großgemeinde nutzen. "Der bevorzugte Ort hängt natürlich auch von der Herkunft der Kinder und von den Möglichkeiten des Busfahrplans ab. Aber ein jeweiliger Ansprechpartner und die Unterstützung der Vereine wären natürlich klasse", sagt der 40-Jährige, der dieses Engagement parallel zu seinem Beruf zeigt.

"Die Stunden arbeite ich zusätzlich, werden aber von anderer Seite entschädigt. Die Kostenfaktoren teilen sich je zu einem Drittel die Gemeinde, der Sportverein und der Förderverein der Schule", berichtet der Eckartshäuser, der seit neun Jahren Mittelschul-Lehrer in Oerlenbach ist. "Schule und Schulleitung sind dem Sport gegenüber positiv eingestellt. Das drückt sind in diversen Sport-Arbeitsgemeinschaften im Rahmen des Schulunterrichts aus sowie in Erfolgen im Basketball, Schwimmen oder in der Leichtathletik. Auch der Förderverein unterstützt den Sport bei anfallenden Kosten."

Bedingung: Übungsleiterschein

Für den verheirateten Vater zweier Töchter ist dies die erste Arbeitsgemeinschaft auf Verein- und-Schule-Basis. Ein "Unterricht", den übrigens nicht zwingend ein Pädagoge ausüben muss. Voraussetzung ist der Besitz eines Übungsleiterscheines. Und den besitzt Thomas Lenz, der nicht nur aus diesem Grund der richtige Mann am richtigen Ort ist. Der Eckartshäuser hatte Sport auch als Didaktikfach studiert, war fünf Jahre Trainer der E- und F-Jugend seines Heimatvereins. "Aus diesem Erfahrungsschatz und mit Sportliteratur versuche ich ein kindgerechtes, abwechslungsreiches Training vorzubereiten. Wichtig ist mir zudem, den Kindern Fairness zu vermitteln und den Spaß am Sport zu erhalten."

Vorbild Basketball

Thomas Sturm, der neue Vorsitzende der JFG Oberes Werntal, betont gerne die Vorbildfunktion der Fußball-AG. "Der Basketball hat es uns in den vergangenen Jahren ja vorgemacht. Über den Schulsport ist dort über die Jahre hinweg etwas Nachhaltiges gewachsen. Wenn wir mit dem Fußball in eine ähnliche Richtung kommen und so Fußballer gewinnen können, ist viel erreicht." Um Interesse zu wecken, bietet die JFG vom 28. bis 31. Mai eine Fußball-Schule mit Ex-Profi Florian Galuschka an, eine eigene Facebook-Seite wurde ins Leben gerufen, ein Tag des Juniorenfußballs ist geplant und die Sponsoren-Acquise läuft auf Hochtouren. "Unter dem Motto JFG 2.0 müssen wir uns selbst aktiv um Nachwuchs kümmern und nicht darauf hoffen, dass Spielerinnen oder Spieler automatisch zu uns kommen. In dieser Situation sind wir schon lange nicht mehr", sagt Thomas Sturm.

Die Fußball-AG zeigt freilich auch, dass es neben den Kindern und Jugendlichen qualifiziertes Personal braucht. Ohne Thomas Lenz wäre das Projekt nicht durchführbar gewesen, weil eine Person mit Übungsleiterschein und der entsprechenden Bereitschaft gefehlt hätte. Das macht nachdenklich.